Orchester spielt vor - und lässt Kinder Instrumente ausprobieren

Vereine klagen, es fehle ihnen an Nachwuchs. Das ist nicht nur im Sport so, sondern auch im kreativen Bereich. Das Landesbergmusikkorps Sachsen zeigt, wie man das ändern kann.

Schneeberg.

Im großen Saal des Kulturzentrums "Goldne Sonne" in Schneeberg bietet sich am Samstagvormittag zum Nachwuchskonzert ein ungewöhnliches Bild. Mitten im Saal steht das Dirigentenpult. Davor sitzen die Musiker des Landesbergmusikkorps Sachsen. Ums Orchester stehen im Karree Stühle. Selbst auf der Bühne haben Gäste Platz genommen. Viele Kinder sind unter den interessierten Musikfreunden.

Dirigent Jens Bretschneider tritt ans Pult, und es geht los. Schon nach den ersten Tönen stimmt das Publikum ein. Was die Musiker zum Auftakt zu Gehör bringen, ist die Biene Maja. Den Ohrwurm kennt schließlich jeder. Mit tosendem Beifall wird das Stück bedacht. Thomas Rehm führt kindgerecht durch den Vormittag. Mit vielen kleinen Raffinessen erklärt er den Aufbau eines Orchesters. Und stellt Musiker Adrian vor, der als kleiner Junge Blockflöte lernte und mittlerweile sein Wissen schon an die nächste Generation weitergibt. "Die Oboe ist ein wichtiges Instrument", sagt Rehm. "Sie ist für den Stimmton zuständig." Klarinette, Fagott und Oboe gehören zu den Holzblasinstrumenten. "Große Instrumente sorgen für tiefere Töne, die kleineren für die höheren." Natürlich dürfen die Musiker, die diese Instrumente spielen, eine ganz eigene Melodie darbieten.

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Zwischen den Erklärstücken gibt es immer wieder wunderbare Blasmusik. So erklingt auch "Der Böhmische Traum". In der Polka, eine der erfolgreichste ihrer Art in jüngerer Zeit, kommen die einzelnen Instrumente besonders zu Geltung. Der Hit von 1997 eignet sich daher perfekt für das Nachwuchskonzert.

Nach rund 60 Minuten endet der Konzertvormittag für die Jüngsten mit dem Steigermarsch. Jens Bretschneider schwingt dabei nicht den Taktstock, sondern singt, und das Publikum stimmt stehend ein. Nun darf der Nachwuchs Instrumente ausprobieren. "Die Schlagzeuge sind immer besonders gefragt", sagt Bretschneider. Gerade in dem Bereich fehlen Lehrer. Auch Saxophon, Trompete und Posaune sind beliebt. Andere Instrumente hingegen drohen laut Bretschneider auszusterben. "Dringend benötigen wir beispielsweise Tenorhorn, Bariton, Flügelhorn und Waldhorn." Gerade das Flügelhorn spiele als Melodieinstrument eine wesentliche Rolle.

Ziel des Nachwuchskonzerts, in dieser Art zum zweiten Mal veranstaltet, sei es, junge Leute für Musik zu sensibilisieren. "Es geht nicht darum, dass wir anschließend drei neue Musikschüler haben. Viel wichtiger ist, die Kinder auf uns aufmerksam zu machen", so Bretschneider. Schon seit vielen Jahren wird im Schneeberger Blasorchesters ausgebildet. "Wer so einen Weg einschlägt, verpflichtet sich, später unser Orchester zu unterstützen", sagt der Leiter. "Das erste Jahr ist Probe. Da schauen wir, ob es passt. Dann schließen wir einen richtigen Ausbildungsvertrag ab." Da das Orchester etwa 50 Prozent der Ausbildungskosten übernimmt, ist der Weg für viele Familien interessant. "Zirka 15 Euro kostet eine Stunde. Anders als in der Musikschule wird nur abgerechnet, was auch tatsächlich stattfindet." Als Zwischenstufe zum großen Orchester gibt es in Schneeberg das Jugendorchester unter Leitung von Jakob Leichsenring und Friedrich Schürer. "Da vollzieht sich gerade ein Generationswechsel", sagt Bretschneider. Motivation sei ganz wichtig: Anders als bei Fuß- oder Handball dauert es ein paar Jahre, ehe sich bei den Kindern Erfolgserlebnisse einstellen.

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