Personalnot in Pflege: aktuell 90 freie Stellen

Die Situation spitzt sich auch im Erzgebirgskreis kontinuierlich zu. Das spüren ebenso die großen Wohlfahrtsverbände. Annaberg-Buchholz sucht weiteren Lösungsweg.

Aue/Schwarzenberg.

Die Pflegebranche in Sachsen hat in den zurückliegenden Jahren einen deutlichen Beschäftigungszuwachs erfahren: Waren 2014 noch 32.223 sozialversicherungspflichtige Beschäftigte in Altenpflegeberufen tätig, sind es 2018 bereits 38.011 gewesen. Das belegen die aktuellen Zahlen der Bundesagentur für Arbeit. Doch trotz Aufwärtstrend spitzt sich die Situation in der Pflege weiter zu - auch im Erzgebirgskreis. Im April kamen auf 90 offene Stellen im Bereich der Altenpflege 10 arbeitslose Fachkräfte. Damit liegt der Kreis in etwa im sächsischen Durchschnitt: Im Freistaat kamen auf 984 offene Stellen 108 arbeitslose Fachkräfte.

Eine Entwicklung, die zunehmend bei den großen Wohlfahrtsverbänden ankommt, wie unter anderem Erik Schreier vom Kreisverband Erzgebirge der Johanniter-Unfall-Hilfe bestätigt. Acht Stellen sind dort aktuell im Bereich Pflege offen. Eine solche Stelle wieder zu besetzen, könne "schon mal acht bis zwölf Wochen dauern". Er sagt: "Was gelingen muss, ist das Berufsbild der Pflegekräfte in der öffentlichen Wahrnehmung interessanter und positiver zu gestalten, um gerade junge Menschen für den Beruf zu begeistern. Obwohl die Johanniter-Unfall-Hilfe einem attraktiven Tarifwerk angehört und eine Pflegefachkraft bei einer Arbeitszeit von 30 Wochenstunden 2129,35 Euro brutto erhält, plus ein 13. Monatsgehalt, 29 Tage Urlaub und weitere Sozialleistungen, wird es auch bei uns schwieriger, Stellen zu besetzen." Zurzeit beschäftigen die Johanniter im Erzgebirge in der Pflege 204 Mitarbeiter in sechs Sozialstationen und zwei Tagespflegen.


Ähnlich stellt sich die Situation bei der Diakonie dar: Beim Diakonischen Werk Aue-Schwarzenberg - gegenwärtig 327 Beschäftigte in der Pflege in zehn Einrichtungen (sieben Altenpflegeheime, zwei Sozialstationen, eine Tagespflege - fehlen derzeit fünf Fachkräfte. Allerdings könne auch hier die Neubesetzung durchaus mehrere Monate dauern, sagt Sprecherin Katharina Neukirchner. Die Gefahr, dass die Diakonie im Erzgebirge aufgrund des wachsenden Pflegenotstandes ihre Präsenz in der Fläche verliert, sieht sie aber nicht. Dafür werde verstärkt daran gearbeitet, die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ans Unternehmen zu binden. Dafür geht das Diakonische Werk neue Wege zur Personalgewinnung. So wird eine Einstiegsprämie von 2000 Euro gezahlt. Die gleiche Summe erhalten Beschäftigte, wenn sie eine neue Fachkraft gewinnen. Das Werk setzt auf die Ausbildung eigener Kräfte. Im September beginnen zwölf junge Menschen ihre Ausbildung zum Altenpfleger/in. Zudem werden seit März 13 vietnamesische Jugendliche zu Fachkräften ausgebildet.

Um dem Pflegenotstand in der Region zumindest teilweise entgegenzusteuern, hat der Oberbürgermeister der Kreisstadt, Rolf Schmidt, eine Idee: eine private Hochschule. Diese soll laut Stadtsprecher Matthias Förster von einer Einrichtung geführt werden, die bereits an mehreren Standorten erfolgreich eine Hochschule betreibt. Lehrpläne, Genehmigungen und Zertifizierungen würden aktuell zwischen der Hochschule und dem Sächsischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst abgestimmt. Geht der Zeitplan auf, könnten sich ab dem Wintersemester 2020/21 Studenten, die bereits über einen Berufsabschluss im Gesundheitsbereich verfügen - zum Beispiel als Kranken- oder Altenpfleger oder als Physiotherapeut - weiterqualifizieren. Die Finanzierung des Vorhabens liegt laut Förster maßgeblich bei der Betreibergesellschaft der Hochschule. Stadt und Landkreis unterstützen durch Räumlichkeiten im Beruflichen Schulzentrum in der Stadt.

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