Pferd und Kutscher sind ein Gespann

Als Sechser-Zug sind die Kaltblüter der Wernesgrüner Brauerei zum Tag der Sachsen dabei. Für zwei ist es eine Premiere.

Wernesgrün.

Für Mike Heinz sind die zwölf Kaltblüter im Stall der Wernesgrüner Brauerei "hervorragende Arbeitskollegen". Dafür aber müsse man erst einmal ihr Vertrauen gewinnen. Daran arbeitet der 42-jährige Brauereikutscher derzeit bei den Neuen im Stall, den Hengsten Salin (zwei Jahre) und Gringo (zweieinhalb). Er nimmt sich die Zeit, abends zu ihnen auf die Koppel zu gehen, sie zu sich kommen zu lassen und sich mit ihnen zu beschäftigen.

Sepp und Hans sind da schon ein ganzes Stück weiter. Die beiden werden am Sonntag beim Tag der Sachsen in Limbach-Oberfrohna zum ersten Mal als Vorderpferde im Traditionsgespann der Wernesgrüner Brauerei eingespannt. Dass sie das jetzt können, setzte genauso geduldiges Proben voraus. "Sie sind als Vorderpferde im Vierer- und Sechserzug auf Wegen im Wald gegangen, das hat gut geklappt, deswegen haben wir entschieden, dass wir zum Tag der Sachsen erstmals mit ihnen an der Spitze fahren wollen", erzählt Mike Heinz.

Schon 4 Uhr am Morgen werden er, Gerd Opel und alle anderen, die im Stall, beim Transport und im Festumzug mit helfen, am Sonntag auf den Beinen sein. Die Stallboxen werden ausgemistet, die Pferde werden gefüttert und dann auf Hochglanz geputzt. Verladen auf den großen Lkw, Transport und Einspannen vor Ort nehmen auch noch einmal mehrere Stunden in Anspruch. Von Mai bis Oktober sind Mike Heinz und Gerd Opel fast jedes Wochenende zu Festen in Mitteldeutschland unterwegs. "Ohne Helfer würde das nicht gehen", so die Kutscher. Ronny Opel, Andreas Schmidt, Martin Haase und Daniel Reißmann sind die Männer, auf die sich die beiden immer verlassen können.

Die Liebe zu den Kaltblütern hat Mike Heinz von seinem Großvater Kurt Nötzold. Der war Holzrücker in Eibenstock. "Er hat mich oft in den Wald mitgenommen, da habe ich den Umgang mit den Pferden gelernt", erzählt der 42-Jährige. Froh war der gelernte Fliesenleger, als sich ihm im August 2001 die Gelegenheit bot, in Wernesgrün als Brauereikutscher zu arbeiten. "Die Arbeit mit den Pferden kann nur funktionieren, wenn man sie mit Leidenschaft macht." Dass er dabei fast seine gesamte Freizeit opfert, schließt das mit ein. Zum Glück habe seine Frau Grit Verständnis dafür. Die beiden Töchter Maxi (11) und Emma (5) müssen auch mal damit klar kommen, dass der Vater an ihren Geburtstagen nicht da ist.

Nach weiteren Einsätzen in diesem Herbst wie zum Beispiel dem Blasmusikfest in Bad Schlema oder dem Wernesgrüner Bierherbst ist Mike Heinz gefragt als Ausbilder für die zwei neuen Hengste. Dann werden sie nach und nach daran gewöhnt, das Geschirr zu tragen und etwas hinter sich herzuziehen, das Geräusche macht und schwer ist. Zwei Jahre dauert die Ausbildung. Die jüngeren Kaltblüter gehen schließlich im Gespann zunächst in der Mitte, um von den älteren zu lernen. "Sie sind ruhig und ausgeglichen, sie haben einfach Ausstrahlung", sagt Mike Heinz. "Mich fasziniert, wie sich die Kraft der Pferde überträgt, wenn der Mensch sie mit den Zügeln lenkt." Erfahrene Vierbeiner hören auch auf die Befehle der Kutscher: Hotte für rechts, Wiste für links oder Wi-ah für Vorwärts.

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