Posaunenchor spielt zu seinem 70. auf

Die Musiker der Landeskirchlichen Gemeinschaft Johanngeorgenstadt feiern am Sonntag ihr Gründungsjubiläum. Ein Mitglied der ersten Stunde ist bis heute aktiv.

Johanngeorgenstadt.

"Uns stört's net." Mit diesem Satz kommentierten die Zuhörer der Landeskirchlichen Gemeinschaft Johanngeorgenstadt den ersten Auftritt ihres neu gegründeten Posaunenchores zu Ostern 1950. Ein paar Monate zuvor hatten vier Männer das Vorhaben gestartet. "Das war an einem grauen Novembersonntag 1949", erinnert sich Gerhard Beyreuter.

Der heute 84-jährige Senior war Gründungsmitglied. Sein Lehrmeister Willy Thiele hatte ihn gefragt, ob er mitmachen würde. Der Schuhmacher-Lehrling sagte Ja, bekam zunächst ein Flügelhorn und war dabei. Willy Thiele hatte die Posaunenchorarbeit in Aue kennengelernt. Die Chorneulinge hatten zunächst weder Noten, noch Notenständer. Auch spielen konnten sie nicht. "Nur Willy ein bisschen", so Gerhard Beyreuter. Bei einem Tanz- und Friedhofsmusikanten lernten sie Grundzüge. Gerhard hatte zudem oft sein Mundstück dabei und trainierte damit, sodass sich die Lippen an die Aufgabe gewöhnen konnten. Das Stück "Ostern, Ostern, Frühlingswehen" gehörte zu den Titeln des ersten Auftritts. "Wie viele Töne wir damals richtig getroffen haben, weiß ich nicht", berichtet Gerhard Beyreuter.

Er ist bis heute im Posaunenchor aktiv. Am Sonntag feiert er mit den anderen Mitgliedern in einem Gottesdienst im Haus der Hoffnung den 70. Jahrestag der Chorgründung. Stefan Paul, der heutige Leiter des Ensembles, hat dazu ehemalige Mitstreiter eingeladen. "Ich habe mindestens 40 Briefe verschickt", sagt der Chorchef, der Trompete spielt.

Zu denen, die zum Jubiläum in die alte Heimat reisen, gehört Daniel Baldauf. Der 41-Jährige lebt in Mulda bei Freiberg und war vorab schon mal zum Üben nach Johanngeorgenstadt gefahren. Denn er möchte zur Feier mitspielen. Er erinnert sich an viele lustige Begebenheiten. Darunter an Auftritte in einem Pflegeheim, in dem auch Menschen mit geistiger Behinderung leben. "Da haben zwei immer darum gewetteifert, wer uns dirigieren darf."

Daniel Baldauf hat das Spielen beim früheren Chorleiter Johannes Baldauf, seinem Onkel, gelernt. Der hatte den Chor nach einigen Wechseln an der Spitze als junger Mann übernommen, ist aber 2002 gestorben. Für Gerhard Beyreuter ein Moment, in dem er um den Fortbestand des Ensembles fürchtete. Doch es fand sich mit Stefan Paul jemand, der die Tradition fortgesetzt hat.

Gerhard Beyreuter selbst hatte die Leitung Jahre zuvor für eine Weile inne. Zunächst hatte sich der Posaunenchor der Gemeinde allerdings mit dem der evangelisch-lutherischen Kirche zusammengetan. Dann trennten sich die Wege wieder. "Aber es gibt beide Chöre bis heute", freut sich Gerhard Beyreuter. Sowohl zu den Kirchenzeiten als auch danach habe er junge Leute im Spiel unterrichtet. Daheim in der Küche. "Ich wundere mich bis heute, dass sich die Nachbarn nie beschwert haben", sagt der neunfache Großvater. Vor allem Jungen und Männer wirkten und wirken mit. Momentan gibt es eine Frau in der Gruppe. Bis zu ihrem Umzug gehörte auch eine von Gerhard Beyreuters Enkelinnen dazu. Momentan sind es knapp 15 Musiker.

Anfangs wurden vor allem geistliche Choräle einstudiert. Dann kamen neue Lieder dazu, zum Beispiel Gospel und Swing. Die modernen Stücke seien eine Herausforderung, so Beyreuter, der seit Jahren Waldhorn spielt. "Eigentlich sagt man, eine Achtelnote ist eine Achtelnote. Aber nicht im Swing. Da muss man den Charakter des Stückes kennen."

Der Gottesdienst zum Jubiläum beginnt am Sonntag, 14.30 Uhr im Haus der Hoffnung, Schwefelwerkstraße 1, in Johanngeorgenstadt. Der Eintritt ist frei.

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