Procovita-Garten wächst wild auf "Sparflamme"

Was ist denn nur los mit den "Bunten Beeten" im Gemeinschaftsgarten Raschau? Das fragen sich nicht nur Gemeinderäte.

Raschau.

An den Erdbeerpflanzen funkeln zwar rote Beeren unter dem Blätterwerk hervor, aber es ist keiner da, der die reifen Früchte pflückt. Im Hochbeet wuchert das Grün, die Tomaten wachsen rückwärts. Was ist los im Gemeinschaftsgarten, den der alternative Verein Procovita auf dem alten Kindergartengelände betreibt? Diese Frage warfen Gemeinderäte zur letzten Ratssitzung vor der Sommerpause auf.

Bürgermeister Frank Tröger vermochte zunächst keine spontane Antwort zu geben, blickte selbst fragend in die Runde. Ihm sei nichts bekannt, was die Existenz des Vereins in Frage stelle.

Eine direkte Nachfrage der "Freien Presse" bei Vereinschef Maximilian Teumer ergab: "Ja, es stimmt, momentan läuft der Garten in Raschau etwas auf Sparflamme." Ein Grund hierfür sei ganz klar die Urlaubszeit, ein anderer sei, dass die Mitglieder des Vereins immer mehr das Gefühl haben, dort nicht erwünscht zu sein. "Es gab schon des Öfteren Hinweise und Kritiken von den Nachbarn. Deshalb haben wir uns etwas zurückgezogen", so Teumer. Was aber nicht hieße, dass der Verein den Gemeinschaftsgarten in Raschau ganz aufgeben werde. "Ich denke, es fehlt die notwendige Akzeptanz für das, was wir mit dem Gartenprojekt bezweckt haben. Die Gemeinschaft, eben auch mit fremden Kulturen", sagt Teumer.

Der Verein Procovita hat den Garten nicht gepachtet. Sie dürfen zum Nulltarif den Garten am Haus der Volkssolidarität (VS) Westerzgebirge nutzen und bewirtschaften. "Allerdings war allen von Anfang an klar, dass sich das Gelände inmitten eines Wohngebiets befindet, und insofern gibt es eben einige Spielregeln, die es zu beachten gilt", sagt Béla Ullmann, der Geschäftsführer der VS Westerzgebirge. Musik nach 22 oder gar 24 Uhr provoziere da eben schon Ärger, der vermeidbar sei. "Es gibt einen Vertrag zwischen uns und dem Verein, und die darin enthaltenen Punkte sollte man auch einhalten", sagt Ullmann. Aber er betont auch, dass er sehr wohl den Verein unterstützt. "So haben wir erst kürzlich eine abschließbare Außensteckdose installieren lassen, damit sie Strom haben. Das hat uns 400 Euro gekostet. Ich denke, das zeigt, dass ich hinter der Sache stehe", sagt Ullmann, fordert im Gegenzug aber ein, was er um die Befindlichkeiten auf dem Dorf wissend verlangt hat: "Es muss ordentlich aussehen." Rasen- und Heckenschnitt seien vereinbart und zugesichert. Er hofft, dass es mit der neuen Jugendklubleiterin wieder etwas besser wird.

Den Raschauer Garten will Procovita auch nicht aufgeben. Für den 4. August schon sei hier das diesjährige Sommerfest geplant mit Gartencafé, sagt Maximilian Teumer. Aber man habe mittlerweile zwei neue Projekte der "Bunten Beete" im Aufbau: eins in Annaberg und eins in Schwarzenberg.

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