Prozess um brutales Verbrechen beginnt heute

Drei junge Männer aus Aue stehen vor dem Landgericht Chemnitz. Die Staatsanwaltschaft wirft ihnen Mord vor. Bekannte eines der Angeklagten glauben, dass ein Unschuldiger hinter Gittern sitzt.

Aue.

Stundenlang durchkämmten Bereitschaftspolizisten Mitte April das Areal des ehemaligen Güterbahnhofs in Aue. Immer wieder bildeten sie Postenketten und suchten das Gelände ab. Kriminaltechniker in Schutzanzügen durchsuchten derweil die abbruchreifen Gebäude. Nach und nach wurde bekannt, welch brutales Verbrechen sich in der Nacht vom 17. zum 18. April am alten Güterbahnhof ereignet hatte: Christopher W. (27) aus Aue war von jungen Männern, die er gut kannte, und die er wohl sogar seine Freunde nannte, erschlagen worden.

Seine übel zugerichtete Leiche war in einem 1,80 Meter tiefen Schacht in einem der Gebäude gefunden worden - von einem Passanten, wie es zunächst hieß. Die Frage, was ein Passant nachts in einem Abrisshaus verloren hat, beantwortete sich wenig später: Einer der mutmaßlichen Täter, Terenc H. (26), hatte behauptet, auf der Suche nach Christopher gewesen zu sein und so den Toten entdeckt zu haben.

Wenig später wurde Terenc H. zusammen mit Jens H. (22) und Stephan H. (22) festgenommen. Eine Woche hatte es gedauert, bis die Polizei ausreichend Beweise gegen das Trio zusammengetragen hatte.

Heute beginnt am Landgericht Chemnitz der Prozess gegen die drei jungen Männer. Die Staatsanwaltschaft wirft ihnen Mord vor. Ihr Motiv soll gewesen sein, dass Christopher W. Lügen über sie verbreitet hat. Dass er homosexuell war, soll ebenfalls eine Rolle gespielt haben.

Aus der Anklageschrift geht hervor, wie brutal die Täter vorgegangen sind. Sie sollen ihr Opfer mit Fäusten und einem Aluminiumteil geschlagen und mit Tritten traktiert haben. Einer der Täter soll ihm mit einer zerbrochenen Neonröhre ins Gesicht gestochen haben. Als Christopher W. am Boden des Schachts lag, deckten die Täter die Grube mit einer alten Tür zu. Zuvor wuschen sie die Tür, mit der sie Christopher laut Anklage ebenfalls geschlagen hatten, mit Wasser ab.

Bekannte von Terenc H. glauben nach wie vor an dessen Unschuld. Er sitze unschuldig hinter Gittern, sagte eine Frau der "Freien Presse". "Er wäre nicht in der Lage, seinen besten Freund zu ermorden. Ihm wird hier ganz übel mitgespielt. Wir können nur auf Gerechtigkeit hoffen." Die Anklageschrift sieht Terenc H. hingegen als eine treibende Kraft beim Angriff auf Christopher W. So soll er seinen Mittäter Stephan H. aufgefordert haben, es "zu Ende zu bringen".

Für den Prozess sind vorerst zehn Verhandlungstage angesetzt, die bis Mitte Februar reichen.

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