Prozess um überteuerte Garagentore

Gericht spricht Bockauerin Schadensersatz zu

Aue/Bockau.

Als ein Vertreter an ihrer Haustür klingelte und fragte, ob sie zwei Garagen-Rolltore gebrauchen könne, stimmte eine Frau aus Bockau (heute 49) zu. Doch ihr Ja-Wort kostete sie in der Folge 1498 Euro und eine Menge Ärger. Die Rolltore wurden nicht eingebaut. Am Amtsgericht Aue kam es gestern erneut zum Treffen mit dem Vertreter. Fünf Jahre sind inzwischen vergangen. Die Bockauerin bekommt ihr Geld nun wieder. Bloß ihr Lehrgeld nicht.

Eigentlich konnte sie sich die Tore, die zusammen 3900 Euro kosten sollten, nicht leisten, erzählte sie. "Er hat gesagt, wenn ich jetzt einen Vertrag abschließe, kriege ich die günstigen Konditionen. Später würde es teurer." Günstig waren die Tore nach Einschätzung von Richter Detlef Kramer keineswegs: "Für 3900 Euro bekomme ich fast vier davon."


Zwei Jahre später hatte die Bockauerin noch immer nicht genug Geld beisammen. Da verlangte der Vertreter eine Vertragsstrafe in Höhe von 790 Euro und überredete sie zur Ratenzahlung. Zweimal erschien er, um jeweils 280 Euro zu kassieren, ein drittes Mal, um 148 Euro "vergessene Mehrwertsteuer" nachzufordern. Die Frau bezahlte jedes Mal. "Ich war überrumpelt", sagte sie vor dem Amtsgericht. "Er kam mir so seriös vor."

Doch das Unternehmen aus Wilkau-Haßlau hatte - nach einigen erfolgreichen Jahren - den Boden der Seriosität offenbar verlassen. Seit 2012 gab es immer wieder Klagen von Kunden, die nicht beliefert worden sind oder die "Abstandszahlungen" leisten sollten. Der Vertreter und seine Frau, die als Firmeninhaberin agierte, standen deshalb bereits in Zwickau, Stollberg, Hohenstein-Ernstthal und Aue vor Gericht.

Das Ehepaar lebt heute getrennt, die Frau hat das Geschäft aufgegeben und arbeitet als Verkäuferin. Von unseriösen Praktiken will sie nichts gewusst haben. Sie bot an, der Bockauerin 350 Euro Schadensersatz zu zahlen. Zuvor hatte sie sich bereits Geld von ihrem Vater geliehen, um der Frau ihre Raten und die angebliche Mehrwertsteuer zurückzuzahlen. Der Vertreter sagte zu, 500 Euro an die Bockauerin und weitere 500 Euro an den Tierschutzverein Aue zu überweisen. Im Gegenzug wird das Verfahren eingestellt.(mu)

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