Pyramide von Markersbach soll in neue Ortsmitte umziehen

Der Ortsteil Markersbach zieht sich. Eine richtige Ortsmitte gibt es nicht. Doch eine solche zu gestalten, dazu gibt es jetzt erste Überlegungen.

Raschau-Markersbach.

Noch immer drehen die Figuren der Ortspyramide Markersbach, wie hierzulande vielerorts, allabendlich still ihre Runden im Licht der Kerzen. Bis zum 2. Februar (Lichtmess). Dann verlöschen die Lichter der Weihnacht im Erzgebirge. Ob die Markersbacher jedoch ihre Pyramide im Advent an gleicher Stelle wieder anschieben werden, ist derzeit noch ungewiss. Denn, wie Bürgermeister Frank Tröger verrät, gebe es Überlegungen, eine neue Ortsmitte zu gestalten. Dort soll und könnte dann auch die Pyramide einen neuen Platz bekommen.

Momentan ist das alles nur ein Gedankenspiel. Aber durch den Abbruch des alten Rathauses auf der Straßenseite beim "Kaiserhof" ist ein Platz entstanden, den sich der Gemeindechef als neue Ortsmitte vorstellen könnte. Für die Pyramide wären das nur wenige Meter weg vom bisherigen Standort.

"Aber ich weiß nicht, ob das gut wäre, sie in dieses Loch zu stellen", sagt Reinhard Tröger. Gemeinsam mit seinem Bruder Dietrich hatte er 1985 in Eigeninitiative die Pyramide für den Ort gebaut. "Ich fand das damals eine tolle Idee. Da stecken eine Menge Enthusiasmus und Herzblut drin. Ich weiß noch, wie sie bei mir im Büro standen. Da ging was los", erinnert sich Sigrid Hagemann, die zur damaligen Zeit Bürgermeisterin im Ort war. "Die haben sich reingekniet, so etwas müsste es mal wieder geben. So einen Zusammenhalt für eine Sache", wünscht sie sich.

Die größte Schwierigkeit war damals, Material zu bekommen. "Ich habe in einer Tischlerei gearbeitet und das Holz besorgt. Mein Bruder als Klempner hat die Technik gemacht", erzählt sich Reinhard Tröger. Der heute 71-Jährige hat seither viele Freiland-Pyramiden gebaut. Auch vor seinem Privathaus steht so ein Meisterstück. Über viele Jahre haben er und sein Bruder die Ortspyramide alljährlich selbst auf- und abgebaut, sie betreut und eingelagert. Mittlerweile haben die Männer vom Bauhof diese Aufgabe inne. "Aber ich bin ehrlich gesagt schwer enttäuscht, wie damit umgegangen wird. Da wird einfach nichts mehr dran gemacht", ärgert sich Tröger und zeigt auf das Metallrad des Drehtellers: "Das hätte man längst mal sandstrahlen können und die Metallteile sichern müssen. Das Material ist seit dreieinhalb Jahrzehnten im Winter draußen. Mich schmerzt der lieblose Umgang", so der Erbauer. Auch die Figuren, die er gedrechselt hat, haben inzwischen Schadstellen. Der Bauer hat ein "aufgerissenes Bein", und auch an den anderen drei Figuren sind diverse Blessuren erkennbar. "Aber ich hänge mich da nimmer nei", sagt Reinhard Tröger sichtlich verärgert.

Der Platz, auf dem einst das alte Rathaus stand, liegt topografisch tiefer als der bisherige Standort der Pyramide unmittelbar an der Straße. "Das ließe sich aber über ein entsprechendes Podest oder eine generelle Umgestaltung des Geländes sicher regulieren", sagt Bauamtsleiter Lutz Richter. Ihm ist die Idee, eine neue Ortsmitte für Markersbach zu entwickeln, bekannt. "Dazu wollten wir versuchen, auch Leader-Förderung zu bekommen. Aber ob wir das alles in diesem Jahr schaffen, wo wir mit Hochwasserschutz und Haldensanierung zwei große Bauprojekte haben, weiß ich ehrlich gesagt nicht." Katrin Reichel, die im Rathaus auch für Fragen der Kultur zuständig ist, kennt indes die Überlegungen für eine neue Ortsmitte von Markersbach noch nicht.

Da spielen beispielsweise auch Überlegungen mit rein, dass das alte massive Trafohaus durch ein wesentlich kleineres ersetzt werden kann. Zudem würde das neu zu gestaltende Terrain künftig auch mehr Sicherheit bieten, wenn es ums gesellige Anschieben der Pyramide geht. "Bislang ist es dort an der Straße immer sehr ungünstig durch den Verkehr. Weiter unten hätten wir dann richtig viel Platz, dass alle gut sehen können", meint Bürgermeister Frank Tröger (Freie Wähler).

Einen konkreten Plan, wie es mal aussehen könnte, gibt es jedoch noch nicht. Vielmehr das feste Vorhaben, nach der Raschauer, nun auch die Markersbacher Pyramide wieder "hübsch" zu machen. "Wir haben ja den glücklichen Umstand, in der Mannschaft unseres Bauhofs richtige Künstler zu haben", so der Bauamtsleiter. Und wer weiß, was die Markersbacher selbst noch für gute Ideen einbringen oder beisteuern können.

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