Radio, Musikbox & Co - ein Leben lang

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Etwa 350 Wiedergabegeräte aus den Jahren 1860 bis 1989 hat Klaus Erler in seinem Haus in Reifland ausgestellt. Viele reparierte der ehemalige Maurer selbst. Oft halfen ihm dabei aber auch Freunde oder Bekannte.

Reifland.

Es ist nicht so einfach, Klaus Erler im Pockau-Lengefelder Ortsteil Reifland zu erreichen. Wenn er doch zuhause sein sollte, öffnet meistens seine Frau Roswitha die Tür des restaurierten Fachwerkhauses, weil sich Klaus Erler einen Stock höher aufhält. Dort befindet sich das Reich des 72-Jährigen und dort hat er auch immer etwas zu tun.

Auf einer Fläche von 70 Quadratmetern stehen Radios, Musikboxen, Tonbandgeräte, Grammofone, Walzengeräte mit Kamm, Phonografen und Drehorgeln. "Ich habe über viele Jahre einen Spleen gehabt und diese Musikgeräte gesammelt. Dann habe ich mir überlegt, wenn ich so viel zusammengetragen habe, soll auch die Allgemeinheit davon profitieren", erzählt der Sammler.

So können Interessierte sonnabends von 13 bis 18 Uhr oder bei Sonderführungen nach telefonischer Absprache unter der Rufnummer 037367 83409 in seinem Haus gegen eine Gebühr von 5 Euro seine Ausstellungsstücke besichtigen. Im Erdgeschoss legt dann der Hausherr auf seiner Musikbox Marke "Wurlitzer" eine Scheibe auf. Dabei kann der Besucher aus 80 Platten die Musik der 1970er- und 1980er-Jahre auswählen, die in einer sauberen Tonqualität abgespielt wird.

In rund 55 Jahren hat sie der ehemalige Maurer zusammengetragen. "Ich wollte eigentlich Radio- und Fernsehmechaniker werden. Doch als ich nach der achten Klasse von der Schule die Gewissheit wollte, ob ich dies auch lernen kann, konnte mir das nicht zugesichert werden", erzählt der Reifländer. So habe er sich für den Beruf des Maurers entschieden.

Die Faszination Radio blieb aber. "In jedem Haus, in dem ich gearbeitet habe, und an jedem Laden, an dem ich vorbeigegangen bin, habe ich mir die Radios und Kassettenrekorder angeschaut. Dabei habe ich immer gedacht: Das möchtest du haben." Sein erstes Radio bekam er 1967 von einem Freund aus Lengefeld geschenkt.

In den darauffolgenden Jahren gab es gelegentlich ein Kassettenradio oder ein normales Transistor-Kofferradio. Nach der Wende aber konnte Klaus Erler seine Sammelleidenschaft richtig ausleben, weil viele Leute ihre technischen Geräte entsorgten und sich neue zulegten. So brachten ihm Freunde und Bekannte ihre alten Radios, er holte sie bei Wertstoffstellen ab, nutzte Haushaltsauflösungen und Annahmestellen von Elektroschrott. Meistens bekam er die Geräte kostenlos. Bei Trödlern musste er hingegen oft größere Geldbeträge bezahlen.

Im Laufe der Jahre hat der Reifländer viel an seinen Geräten gebastelt. "Ich habe aus zwei Radios oder manchmal sogar drei, die nicht funktionierten, eines gemacht, war am Ende fast ein Monteur", erzählt er lächelnd. Heute seien rund 90 Prozent der 350 Geräte betriebsbereit. Die Frage, welches ihm dabei am meisten ans Herz gewachsen ist, lässt den Reifländer einige Zeit nachdenken. Dann zeigt er auf das rote Grammofon aus deutscher Produktion von etwa 1915. Danach kommt aber gleich das Walzengerät mit Kamm von 1860. Dass er zwei seiner insgesamt 350 Geräte nicht reparieren konnte, wurmt ihn ein bisschen. "Doch man kann nicht alles perfekt können", erzählt er und lacht.

Wie viele Stunden er über seinen Geräten gesessen hat, weiß auch seine Frau Roswitha nicht genau: "Ich habe ihm aber schon einige Male sagen müssen: ,Nimm doch dein Bett mit in deinen Bastelraum.'" Doch für den Reifländer ist dies nach 49 Jahre Ehe eher eine Liebeserklärung als eine Ermahnung gewesen.

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