Rätselhaftes Raubtier geht nicht in Falle

Mit einem toten Dachs hatte vor anderthalb Jahren alles angefangen. Dann lag eine totgebissene Katze auf einem Hof in Johanngeorgenstadt. Seitdem sind drei weitere Katzen verschwunden, aber der Täter hat sich nicht gezeigt.

Johanngeorgenstadt.

Wer Lenin wirklich getötet hat, wird wohl niemals aufgeklärt werden. Ende Mai 2017 lag der Kater mit zerbissener Kehle vor dem Haus von Elke Storl (57) in Johanngeorgenstadt. Als hätte ihn sein Kontrahent absichtlich dort abgelegt, um zu zeigen, wer hier das Sagen hat. Seitdem wurde gerätselt und spekuliert, welches fremde Tier dem kämpferischen Kater den Garaus gemacht haben könnte.

Ein paar Wochen vor Lenin hatte ein ähnlich zugerichteter Dachs auf dem Hof am Schwarzwasser gelegen. Später verschwanden weitere Katzen, bis heute vier an der Zahl. Eine, das gehört zur Wahrheit dazu, kehrte nach vier Wochen zurück. "Total abgemagert", sagt Elke Storl. Wie das bei Streunern halt so ist.

Elke Storl hatte den Luchs in Verdacht, der seit fünf Jahren durch die Wälder oberhalb ihres Gehöfts streift. Fachleute der Forstzoologischen Fakultät der TU Dresden und des Sächsischen Landesamtes für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie schlossen einen Luchs als Verursacher aus, ohne jedoch einen konkreten Angreifer zu benennen. Alles was sich sicher sagen lässt, ist: Ein Raubtier hat Lenin getötet. Auch mehrere Jäger, die die "Freie Presse" befragte, wollten sich nicht festlegen, was aber ohnehin schwierig gewesen wäre, da von dem Kadaver des Katers zu diesem Zeitpunkt nur noch ein mäßiges Foto existierte.

Eine Fotofalle sollte helfen, den Übeltäter zu überführen. 15 Monate lang überwachte das Gerät den Platz, an dem Lenins Kadaver abgelegt worden war. Wann immer zwischen 20 Uhr am Abend und 6 Uhr in der Früh etwas durch das Suchfeld huschte, zeichnete die Fotofalle zehn Sekunden lang auf, was sich dort bewegte. 3354 Aufnahmen sind auf diese Weise entstanden.

Fledermäuse und Nachtfalter haben die Fotofalle ausgelöst. Fast jede Nacht schleicht ein Fuchs über den Hof, einmal vor Mitternacht, einmal nach Mitternacht. Er sichert, späht und bewegt sich vorsichtig durchs Bild. Nie lässt seine Aufmerksamkeit nach. Ein anderer häufiger Gast ist ein Marder, der sich wesentlich unbekümmerter gibt als Meister Reinecke. Auch Elke Storls Katzen haben die Fotofalle immer wieder ausgelöst. Eine fremde, weiße Katze schnürte über den Hof - nur dieses eine Mal. Ein anderer Besucher, der sich nur einmal zeigte, war ein Hase. Ein Luchs kam nie vorbei.

"Wenn ich auch keine Antwort auf die Frage gefunden habe, wer Lenin umgebracht hat, so war es doch sehr interessant zu sehen, was bei uns jede Nacht abgeht", sagt Elke Storl. "Die Tierwelt ist hier wahnsinnig aktiv." Der Luchs ist aus ihrer Sicht noch immer der wahrscheinlichste Kandidat. "Sonst müssten wir ja ein Urvieh haben, das noch keiner kennt. Eine Art Nessie."

Auf einer Filmsequenz sind zwei Augen zu sehen, die unvermittelt im Dunkeln aufleuchten. Das wirkt unheimlich. Der Körper des Tieres ist nicht zu sehen. Die Augen nachtaktiver Tiere leuchten auf diese Weise, wenn sie vom Infrarotstrahl der Kamera erfasst werden. Dieses Tier war jedoch entweder um die 80 Zentimeter groß, oder es hatte sich in dieser Höhe an der Hauswand festgekrallt. Was wäre das Leben ohne Rätsel?

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