Retourencenter: Hier verkauft ein Erzgebirger künftig Online-Rückläufer

Aus der in der Region weithin bekannten Gaststätte in Beierfeld wird die Retourenwelt. Dahinter steckt die Firma RCS. Ihr Umsatz wächst rasant: Dieses Jahr sollen es bis zu 4 Millionen Euro werden.

Beierfeld.

Im legendären Erzhof in Beierfeld ist am 31. März 2017 das letzte Bier gezapft worden, das letzte Essen serviert, die letzte Rechnung geschrieben. Seit dem 1. April 2017 standen die Gaststättenräume im markanten, karminroten Gebäude leer. Die Gerüchteküche brodelte: Kampfkunstschule und neue Gaststätte sollten laut Buschfunk entstehen. Nach nunmehr zwei Jahren ist darin tatsächlich etwas entstanden, und zwar die Präsentationsräume der Retourenwelt, die am 16. August offiziell eröffnet werden.

Auch die Farbe des ehemaligen Erzhofes hat sich geändert: In Höhe der Gewerberäume bekam das Gebäude einen grauen Anstrich. "Es gab Einzelne, die die Farbgebung nicht gut fanden und sich auch daran gestört haben, dass der Erzhof nicht mehr Erzhof, sondern Retourenwelt heißt", sagt Christian Zitterbart, der zu den Gründungsmitgliedern und zum Beraterteam der RCS GmbH (Retouren Center Schwarzenberg) gehört. Das Konzept ist so einfach wie genial: RCS kauft von namhaften Online-Plattformen die Rückläufer an und verkauft diese Waren über eine eigene Plattform zum günstigeren Preis weiter. Die Ersparnis gegenüber dem Neupreis liegt zwischen 10 und 40 Prozent. Manchmal ist nur die Verpackung defekt, manchmal haben Produkte kleinere Gebrauchsspuren.
Die Produktpalette reicht von weißer Ware über Baby- und Kindersachen sowie Kleingeräte bis hin zu Elektronik. Denn sobald ein Internetkunde ein Produkt bestellt, geöffnet und wieder zurückgeschickt hat, dürfen die Versandhändler dieses nicht mehr als neu verkaufen. Aus verschiedenen Gründen geben die Marktführer im Onlinebereich die zurückgesandte Ware an Dritte zum günstigen Preis weiter. Einerseits werden so die Wege für die Kunden undurchschaubar, andererseits ist der Handel mit Produkten, die kleine Mängel haben, sehr aufwändig. Alles muss akribisch dokumentiert werden, damit es im Nachgang keine Beschwerden gibt.

Die Lage der neuen Präsentationsräume, die im rustikalen, minimalistischen Industrial-Stil daherkommen, sei für das Unternehmen nahezu ideal, heißt es. Das Gebäude befindet sich direkt an der August-Bebel-Straße in Beierfeld und nur ein paar Schritte vom Lager des RCS GmbH entfernt. "Es wird hier Öffnungszeiten beziehungsweise Rufzeiten geben", erklärt der 34-jährige Zitterbart. Kunden können am Eingang der Präsentationsräume klingeln. "Die Klingel ist mit unseren Smartphones verbunden." Eine kleine Kamera zeigt, wer vor der Tür steht, schon aus der Ferne kann der Türöffner betätigt werden. "Natürlich macht sich dann sofort ein Mitarbeiter auf den Weg hierher und steht für die Kundengespräche und den Kaufvertrag zur Verfügung."

Die Idee zu einem Präsentationsraum für das eigentliche Onlinegeschäft ist schon vor einiger Zeit entstanden. Immer wieder gab es Interessenten, die einfach mal gucken wollten, wo sich die Retourenwelt befindet, oder die sich für ein online angebotenes Produkt interessierten. "Aus Sicherheitsgründen war das aber nicht möglich. Wir können ja niemanden in unser Lager lassen. Da wären wir gar nicht versichert gewesen", sagt Christian Zitterbart, dessen Unternehmen in den zurückliegenden Monaten rasant gewachsenen ist. So machte die RCS GmbH im vorigen Jahr einen Umsatz von 2,4 Millionen Euro. Ende Juli dieses Jahres hatte man diesen Wert bereits erreicht. "Wir wollen schon an einem Vier-Millionen-Euro-Jahresumsatz kratzen", so Zitterbart. Die Entwicklung überrasche ihn wenig, denn der Onlinehandel boome. Zudem hat das Unternehmen durch seine Erweiterung in Beierfeld viel Lagerfläche dazugewonnen, und das müsse sich natürlich im Umsatz zeigen. Im vergangenen Jahr hatte eine Kooperationsfirma der RCS GmbH die Halle des Metallwarenherstellers Ten Haaf erworben und vermietet sie an den Retourenhändler weiter. Auch die Mitarbeiterzahl bei RCS wurde weiter aufgestockt: Ab September beschäftigt das Unternehmen 25 Leute.

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