Sachsenforst will illegales Fahren im Wald stoppen

Pisten im Naturschutzgebiet, Sprungschanzen über Wanderwege: Geländefahrer sorgen im Erzgebirge für Verdruss beim Sachsenforst. Durch Reifen von Mountainbikes und Motorrädern aufgewühlten Waldboden gibt es aber nicht nur dort. Nun geht der Staatsbetrieb in die Offensive.

Grumbach/Wolkenstein.

Wolf Katzschmann ist kein Freund vieler Worte. Doch in einem idyllischen Waldstück nahe dem Andreas-Gegentrum-Stolln macht der Grumbacher Revierförster seinem Unverständnis Luft. Da, wo Vögel zwitschern und ein Bach durch eine Felsenlandschaft plätschert, bevor er in die Preßnitz fließt, thront eine Sprungschanze auf einem Felsen. Unterhalb davon haben Reifen den Waldboden zerfurcht. "Das ist eine der schönsten Ecken im Revier. Und dann so was hier", sagt der 58-Jährige und deutet auf die mehr als zwei Meter hohe Rampe. "Das ist der krasseste Auswuchs."

Das Bauwerk, dessen Oberfläche mit Maschendraht versehen wurde, um den grobstolligen Reifen mehr Halt zu verschaffen, ist kein Einzelfall. Im gesamten Revier, schätzt der Förster, gibt es rund 30 Stellen, an denen Mountainbiker und Motorradfahrer im Wald unterwegs sind und querfeldein Strecken angelegt haben. Auch in anderen Revieren wie Crottendorf und Gelenau, um Wolkenstein und Scharfenstein, zwischen Grießbach und Drebach wird das zunehmend zum Problem. "Die illegale Befahrung hat Ausmaße angenommen, die zu massiven Schäden am Boden und an den Waldbeständen führen", erklärt Johannes Riedel, Leiter des Forstbezirks Neudorf. Und nicht nur das. "Es ist nur eine Frage der Zeit, bis es zu einem schweren Unfall kommt", sagt Jens Reinwarth, der für die Liegenschaften im Forstbezirk zuständig ist.


Dass die Befürchtung keine Floskel ist, zeigt eine Stelle am Sommersteinweg. Der gut ausgebaute Waldweg wird häufig von Spaziergängern und Radfahrern genutzt. Mitten über diesen Weg führt eine weitere Schanze. "Die Leute haben keine Chance, wenn plötzlich einer über den Weg springt", sagt Reinwarth. Die Geländefahrer seien vor allem in Gruppen und an Wochenenden unterwegs - dann, wenn auch die meisten Besucher durchs Preßnitztal streifen. Neben der Unfallgefahr für Menschen sieht der 44-Jährige Schäden für die Umwelt in dem Fauna-Flora-Habitat. An den zerfurchten Strecken hat Regenwasser leichtes Spiel, den nackten Waldboden wegzuspülen. Tiere werden aufgescheucht, verursachen dann umso mehr Verbiss an Bäumen.

Konkrete Unfälle im Forstbezirk sind noch nicht bekannt, jedoch seien einzelne Mitarbeiter und Spaziergänger körperlich bedroht worden, als sie Schwarzfahrer zur Rede stellten, berichtet Reinwarth. Auch die Polizei kennt die Problematik. "Wir gehen davon aus, dass die Fahrer entweder aus entlegeneren Bereichen mit Pkw und Hängern anrollen, direkt mit den Maschinen aus der Region oder auch aus der Tschechischen Republik kommen", so Sprecherin Jana Ulbricht.

Das Fahren mit Motorrädern im Wald verstößt gegen das Sächsische Waldgesetz. Die Ordnungswidrigkeit kann mit einer Geldbuße bis zu 10.000 Euro geahndet werden. Wer ohne Kennzeichen unterwegs ist, verstößt gegen das Pflichtversicherungsgesetz: Eine Straftat, die mit hohen Geld- und Bewährungsstrafen sowie Führerscheinentzug geahndet werden kann. Ohne Haftpflichtversicherung für das Motorrad muss der Fahrer mit seinem Privatvermögen für Schäden Dritter aufkommen. Für Mountainbiker ist das Fahren im Wald abseits der Wege ebenfalls verboten. Es sei sehr selten, dass man persönlich die Motorradfahrer antreffe, so Revierförster Katzschmann. Und selbst wenn: "Die fahren quer durch den Wald, da kommt man mit dem Jeep nicht hinterher." Sichtkontakt bringe nichts, da die Maschinen ohne Nummernschild unterwegs seien und die Fahrer Helme tragen. Und seitdem die Region keine EU-Außengrenze mehr ist, kontrolliere die Bundespolizei auch nicht mehr im Wald.

Vorkommnisse wie diese kratzen am Ruf des Motorsports. Entsprechend beziehen dessen Vertreter wie Enduro-Legende Andreas Cyffka klar Stellung. Cyffka gehört zum Vorstand des Vereins, der "Rund um Zschopau" organisiert, das größte Motorsportspektakel in der Region. Zudem ist er Sprecher des MC Mittleres Erzgebirge und sagt: "Wir sind strikt dagegen, dass im Wald Motorrad gefahren wird." Man weise die Vereinsmitglieder darauf hin, habe schon gemeinsam mit dem Sachsenforst Schilder aufgestellt und arbeite bei Veranstaltungen zusammen. Sein Verein betreibt die Trainingsstrecke hinter dem Steinbruch Venusberg. Doch gibt es im Erzgebirge genügend legale Möglichkeiten? "Es wäre schon angebracht, wenn sich noch Strecken auftun", schätzt Cyffka ein. Da müsse aber ein Verein dahinter stehen.

Der Staatsbetrieb Sachsenforst kündigt derweil an, die Schanzen im Grumbacher Revier abzureißen und illegale Strecken zurückzubauen. Später sollen noch Hinweisschilder aufgestellt werden. Die Forstleute hoffen, dass diese Vorkehrungen Erfolg bringen. Denn zu schnappen seien die illegalen Geländefahrer kaum, sagt Revierförster Katzschmann. Dass er selbst einmal einen Motocross-Fahrer verwarnt hat, ist 15 Jahre her. (mit hd)

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...