Sanierungsfall im Stadtzentrum: Altes Haus hat neuen Eigentümer

Die Chancen zum Erhalt eines Gebäudes an der Oberen Schlossstraße in Schwarzenberg sind stark gestiegen. Es kam bei einer Zwangsversteigerung unter den Hammer. Der Besitzer weiß, dass die Zeit drängt - und hat schon mal ein Gerüst aufstellen lassen.

Schwarzenberg.

Das 25. Altstadt- und Edelweißfest beschert dem Schwarzenberger Stadtzentrum an diesem Wochenende Hochbetrieb. Im hinteren Bereich der Oberen Schlossstraße, kurz vor den Wahrzeichen Schloss und Kirche, wird den Besuchern am Haus mit der Nummer 28 ein Gerüst auffallen. Es steht noch nicht lange dort, aber es signalisiert Hoffnung für das Gebäude. Über Jahre in der Bausubstanz vernachlässigt, hatte nach und nach der Verfall eingesetzt. Das Hinterhaus ist de facto schon Ruine, das Dach des Haupthauses gibt nach.

"Bei einer Zwangsversteigerung am Amtsgericht in Chemnitz kam diese Immobilie im Juli unter den Hammer. Nach einer langwierigen Entwicklung gibt es einen neuen Eigentümer, einen Privatmann", weiß Thomas Hahn. Der Amtsleiter der Finanz- und Ordnungsverwaltung im Rathaus saß bei dem Termin mit im Raum. Es gab auch Interessenten aus dem privaten Bereich und aus der Immobilienbranche. "Wir waren ja Betreiber des Verfahrens", sagte Hahn. Denn die Stadt hat nicht nur ein großes Interesse daran, dass in jener markanten Häuserzeile keine Baulücke entsteht. Die Kommune macht gegenüber dem bisherigen Eigentümer Forderungen geltend, so zur Grundsteuer. Ob die aus dem Erlös alle beglichen werden können, ist jedoch fraglich, denn laut Hahn wurde nicht mal eine fünfstellige Summe erzielt. "Die Forderungen werden je nach Rangklasse bedient. Wir müssen also abwarten."

Der neue Eigentümer wollte erst im Herbst mit seinem Vorhaben an die Öffentlichkeit gehen. Aber er ist mittlerweile häufig an dem Gebäude zu sehen, und mehrere Passanten erkannten ihn als Baufachmann aus der Region. "Mit einer Firma hat das nichts zu tun. Wir machen das privat, führen derzeit Gespräche, bereiten vor, holen Angebote ein. Das ist bei der aktuellen Auftragslage im Bausektor nicht so einfach", erklärte er auf Anfrage der "Freien Presse". Die Planung bis zum Herbst, dann möglichst nahtlos die Ausführung, um vielleicht Ende 2019 fertig zu sein - so der ehrgeizige Zeitplan. "Der Reiz des Gebäudes ist eigentlich die nach Süden gerichtete Rückseite", so der Mann, der noch nicht namentlich genannt werden möchte. "Die bietet sich förmlich an für Balkone und eine Terrasse." Ihm schweben in den Obergeschossen zwei Wohnungen vor, im Erdgeschoss könnte es eine barrierearme Wohnung oder - was der Wunsch der Stadt wäre - Platz für ein kleines Geschäft geben. Das alles ist noch Zukunftsmusik.

Zum bisher letzten Mal hatte das Haus Obere Schlossstraße 28 für Schlagzeilen gesorgt, als die Stadt im Frühjahr 2018 per Ratsbeschluss einen großen Rettungsanker auswarf. Bis zu 300.000 Euro aus dem Bund-Länder-Programm Städtebaulicher Denkmalschutz stehen als Finanzhilfe beim Sanieren des Objekts zur Verfügung. "Wie hoch die Zuwendung letztlich ausfällt, hängt vom Konzept ab, das der Eigentümer vorlegen muss. Daraus ergibt sich dann, welche Kosten in welcher Höhe erstattet werden", erläuterte Sybille Vogel, die das Stadtbauamt leitet.

Die neue Entwicklung und die Zukunft, die sich für das von 1824 stammende Vorderhaus abzeichnet, lösen auch bei den Nachbarn - auf der einen Seite grenzt ein Privatgebäude (Nummer 26) an, auf der anderen das Pfarrhaus (Nummer 30) - vorsichtige Erleichterung aus. So ist man in der Kirchgemeinde St. Georgen froh, dass die Obere Schlossstraße 28 einen neuen Eigentümer hat. Der hat sich bei Pfarrer Rolf Scholz schon vorgestellt und dabei vermittelt, dass er auf gute Nachbarschaft aus ist. Als Ansprechpartner wurde Kirchner Jörg Windisch benannt, der sich auch ums Pfarrhaus kümmert und weiß, dass vom maroden Nachbarhaus - noch - Gefahr droht.

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