Schnitzer plant einen Schnitzkunst-Tempel

Siegfried Ott, der Schöpfer des Riesenschwibbogens von Johanngeorgenstadt, ist auch ein altgedienter Holzkünstler. Nun will er seinen Kollegen und sich ein Denkmal setzen.

Johanngeorgenstadt.

Ein 12,5 Meter hoher Schwibbogen und eine 26 Meter hohe Freiland-Pyramide: Mehr als 200.000 Euro hat der Unternehmer Siegfried Ott (73) investiert, um seiner Heimatstadt zwei Touristenattraktionen zu schenken, die ihresgleichen suchen. Nun plant er einen weiteren Coup. In der Nachbarschaft von Riesenpyramide und Riesenschwibbogen soll ein Pavillon aus Glas entstehen, mit einem Café und einer Ausstellung, die bedeutende Werke von Schnitzern aus Johanngeorgenstadt zeigt.

"Die meisten unserer Schnitzer sind über 80", sagt Ott. "Jeder hat zu Hause schöne Stücke, aber was passiert, wenn er mal nicht mehr ist? Dann besteht die Gefahr, dass ihre Arbeiten in alle Winde verstreut werden. Als Stadt haben wir aber nichts davon, wenn diese Sachen verkauft oder verramscht werden. Sie sind Teil unserer Geschichte."

Deshalb will Siegfried Ott einen Ort erschaffen, an dem Werke von Johanngeorgenstädter Schnitzern dauerhaft der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. "Die Menschen sollen auch in 20 Jahren noch wissen: Da gab es mal einen Schnitzer, der hieß soundso, und das hier hat er gemacht", sagt Ott.

Bürgermeister Holger Hascheck (SPD) begrüßt Otts neueste Idee. "Als Stadt unterstützen wir sein Projekt", sagt er. "Wir wollen den Platz an der Riesenpyramide weiter aufwerten, und eine Schnitzausstellung trägt dazu bei." Realisiert werden soll das Vorhaben innerhalb der nächsten zwei Jahre, sagt Ott.

Unter den Ausstellungsstücken werden sich dann auch Arbeiten von ihm selbst finden. Denn der Unternehmer ist selbst ein leidenschaftlicher Schnitzer - seit sechs Jahrzehnten schon. Er ist zwar nicht der älteste unter den Holzkünstlern der Bergstadt, aber der dienstälteste. Im vergangenen Jahr feierte er sein 60-jähriges Schnitzerjubiläum.

Wie viele Stücke er in all den Jahren geschaffen hat? "Unmöglich zu sagen", meint Ott. Seine kleinste Figur ist nur einen Zentimeter hoch, die größte 2,20 Meter. Es ist ein Wismut-Kumpel, Otts Beitrag zu den 20 Skulpturen auf der Johann'städter Riesenpyramide. Zum 30. Jahrestag der DDR schnitzte er eine Gruppe von Figuren, die 30 Berufe und Tätigkeiten des sozialistischen Lebens verkörperten, sein umfangreichstes Werk ist ein Bergaufzug mit 48 Figuren. Seine erste Figur war ein Eichhörnchen. Es ist heute verschollen.

"Das allererste, was ich bei den Schnitzern gelernt habe, war aber, Nägel gerade zu klopfen", sagt Ott. Das war 1956, bei seinem Eintritt in die Arbeitsgruppe Schnitzen im damaligen Kulturbund. Die Mitglieder gestalteten eine verlassene Bauarbeiterhütte aus der Wismut-Zeit zum Schnitzerheim um. Material war knapp, weshalb jeder krumme Nagel, den sie aus einem Brett zogen, wiederverwendet wurde. Auch heute noch mag Siegfried Ott nichts wegwerfen. Viele seiner Arbeiten entstehen aus Holzresten.

Seine Werkstatt befindet sich im Keller seines Hauses. Hier sitzt er an einer Werkbank, zwischen Dutzenden Schnitzmessern und Hohleisen, vor sich eine unvollendete Pyramide, ein begonnenes Christuskreuz. Ein Plattenspieler läuft. Winterlieder, gesungen von Peter Schreier. "Schnitzen", sagt Siegfried Ott, "ist die beste Therapie." Im vorigen Jahr habe er eine schlimme Diagnose erhalten: Blutkrebs. Doch das sei inzwischen ausgestanden. Auch dank seines Hobbys. "Schnitzen lenkt ab, du kommst nicht dazu, darüber nachzugrübeln, was du hast", sagt er.

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