Schüler ziehen Protest dem Unterricht vor

Bei einer Demonstration für besseren Klimaschutz sind am Freitag in Chemnitz auch Jugendliche aus dem Erzgebirge dabei gewesen. Sie blieben der Schule einige Stunden fern. Darauf gab es ganz verschiedene Reaktionen.

Chemnitz/Aue.

Schon von weitem ist die laute Musik vom Chemnitzer Neumarkt zu hören. "Keine Macht für niemand", dröhnt über hunderte Köpfe ein Lied, mit dem schon einige Generationen auf die Straße gegangen sind. Für einige, die in Regenjacken gehüllt an diesem Freitagmittag dabei sind, ist es wohl die erste Demonstration. So läuft ein Junge mit einem Plakat auf und ab. "Wer, wenn nicht wir. Wann, wenn nicht jetzt", steht darauf.

Es sind geschätzt gut 2500 Schüler und Studenten, die trotz des Regens gekommen sind und für eine bessere Klimapolitik demonstrieren. Weltweit wollen an diesem Tag in über 40Ländern Menschen auf die Straße gehen. In Chemnitz sind auch Schüler aus dem Erzgebirge dabei. "Es ist uns eine Herzensangelegenheit, heute hier zu sein", erklärt Anna Wetzel aus Aue.

Bewusst fuhren die Schüler mit öffentlichen Verkehrsmitteln nach Chemnitz. "Mit dem Auto zur Klimaschutz-Demo? Das macht doch keinen Sinn", sagt die Gymnasiastin und lacht. Allerdings sei es für sie und andere Schüler nicht leicht gewesen, an der Kundgebung teilzunehmen. "Eigentlich hätte ich in der Zeit Biologie gehabt. Doch ich habe mich bei der Fachlehrerin entschuldigt. Dafür wird mir vermutlich eine Fehlstunde eingetragen." Andere Schüler, die in der Zeit eine Klausur schreiben mussten, hätten absichtlich ihre Zeit verkürzt, um in Chemnitz dabei zu sein. Einige Lehrer zeigten für den Protest während der Schulzeit Verständnis, andere nicht. So verschieden handhabten es auch die Schulen. Während einige Freistellungen akzeptierten, werteten andere das Fernbleiben am Freitag als unentschuldigten Fehltag.

Doch genau um dieses "Schulschwänzen" geht es den Schülern, die in Chemnitz demonstrierten. Sie folgen dem Vorbild von Greta Thunberg. Die 16-jährige Schwedin blieb wochenlang jeden Freitag der Schule fern, um vor dem Parlament in Stockholm die heimischen Politiker vor der "Klimakrise" zu warnen. Inzwischen machen es ihr weltweit Kinder nach. Aber warum muss der Klimaprotest ausgerechnet in der Schulzeit sein, wo es doch in Deutschland die Schulpflicht gibt? "Gerade durch diesen Konflikt zwischen Schule und Demonstration bekommt der Protest der Jugendlichen eine große Aufmerksamkeit. Auch in den Medien", erklärt Fanny Weickelt. Genau darum gehe es.

"Zudem ist der Klimaschutz ein wichtiges Thema. Denn genau wie in der Schule wird davon unsere Zukunft bestimmt", pflichtet ihr Anna Wetzel bei. Allerdings versäumten die meisten, da die Kundgebung in Chemnitz 12 Uhr begann, nur wenig Unterricht. "Der größte Teil ist in unserer Freizeit", hält sie dem Vorwurf entgegen, dass es den Schülern nur ums Fernbleiben gehe. Allerdings hätten sie sich gewünscht, dass noch mehr dem Aufruf gefolgt wären. "Wir haben viele angesprochen, doch letztlich kamen nur wenige mit", so Anna Wetzel. Zudem hätten auch die Eltern bei einigen die Fahrt nach Chemnitz verboten. "Vielleicht wird es bei der nächsten Demo für mehr Klimaschutz besser", hofft sie. Es gehe ihnen wirklich um wichtige Themen. So wollen die Jugendlichen, dass der Ausstieg aus der Braunkohle schneller vollzogen wird. Und das Bewusstsein für Umweltschutz müsse geweckt werden. Auch den Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs halten die beiden Erzgebirgerinnen für wich- tig.

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