Schwarzenberg jongliert mit Attraktionen

Beim Altstadtfest musste Ritter Georg in Frauenkleider schlüpfen. Obwohl der Kulturbetrieb weniger Leute zur Verfügung hatte, gab es diesmal mehr Spaß für Kinder.

Schwarzenberg.

Es war der heimliche Höhepunkt des Altstadt- und Edelweißfestes in Schwarzenberg: Ritter Georg (Jörg Schale) verlor seine Wette, zu der ihn der Zwönitzer Nachtwächter Manfred Schnabel herausgefordert hatte. Weil es der einheimische Recke nicht schaffte, 33 kleine, mittlere und große Ritter sowie einen Drachen an die Bühne zu holen, wo sie ihm ein Geburtstagsständchen singen sollten, musste er die Rüstung zum Abschluss seiner Geburtstagsfeier gegen das Kleid des Burgfräuleins tauschen. Während Bäckermeister Pierre Kittel mit Hilfe der kleinen Ritter die Geburtstagstorte an die zahlreichen Gäste vor der Bühne verteilte, musste Ritter Georg in die Garderobe.

Nach nicht einmal 15 Minuten rückte Jörg Schale mit Langhaarperücke und Burgfräulein-Kappe, eingehüllt in einen gelb-roten Umhang, am Markt zu den triumphalen Tönen von "Conquest of Paradise" von Vangelis ein. Auf der Bühne öffnete er den Umhang und stand im schicken Damenkleid vorm Publikum. Das Lachen, das Grölen bleiben sicherlich unvergessen.


Doch die Geburtstagsfeier anlässlich "20 Jahre Ritter Georg" war nur einer von zahlreichen wunderbaren Programmpunkten des Schwarzenberger Edelweißfestes. Der Kinderbereich war in diesem Jahr deutlich angewachsen. Die Altstadtterrasse bespielte der Kulturbetrieb des Erzgebirgskreises. "Das war in diesem Jahr alles ein bisschen schwieriger als normalerweise", sagt Teilbetriebsleiter Sven Neubert: "Der Schulanfang hat unser Personal gebunden." Doch Clown Freddy bespaßte die Jüngsten mit kleinen Zaubereien und seinem süßen "Haustier". Die Mädchen und Jungen saßen gebannt vor der Bühne.

Für Geselligkeit stand wie kaum ein anderer Festbereich das Fränkische Weinfest am Springbrunnen. Dort schenkte Winzer Thomas Kreiselmeyer aus der Partnerkommune seine süffigen Tropfen aus. Bekannt sei seine Weinanbauregion für den Silvaner. Die heißen und trockenen Monate hatten auch den Winzern einige Sorgen bereitet, allerdings stimme der August jetzt versöhnlich und lasse auf eine gute Ernte hoffen. Am Abend herrschte im gesamten Festgelände dichtes Gedränge.

"Das Feuerwerk war super", fand Gerd Oschatz aus Rehau, der am Sonntag mit seiner Mutter und seiner Schwester durch die Altstadt bummelte. "Es war gut zu sehen und wirklich fantastisch", schwärmte er. Der 60-Jährige konnte es vom Stadtteil Sonnenleithe aus beobachten. Seine Schwester Kerstin, die in Schwarzenberg wohnt, mag das Altstadt- und Edelweißfest: "Wir sind immer hier. Die Altstadt gehörte zu unserer Kindheit und Jugend."

Auch Familie Schulz aus Leipzig lässt sich kein Fest entgehen: "Wir sind gebürtige Erzgebirger. Ich komme aus Schwarzenberg, meine Frau aus Aue", sagt Christian Schulz. "Essen, Trinken, Leute treffen", lacht er und ergänzt: "Wir verbinden das seit ein paar Jahren mit einem Klassentreffen." Besonders romantisch sei es zwischen Springbrunnen und Künstlergässchen. Annett Wurlitzer aus Schwarzenberg findet, dass sich das Fest durchweg positiv entwickelt hat: "Es ist dieses Flair in der Altstadt, das durch die Gassen entsteht. Auf dem Festplatz wäre es einfach nicht so schön."

Harry und Ria Meinel aus Mildenau folgten einer Empfehlung: "Den Weihnachtsmarkt kennen wir schon, aber das ist ja genauso schön", sagte Harry Meinel. Auch habe er im Trödelladen einen herrlichen Glaskrug entdeckt, den er mitnimmt.


Mann mit Ritterschlag

Jörg Schale steigt seit über 20 Jahren in die Rüstung der Schwarzenberger Symbolfigur Ritter Georg. Katja Lippmann-Wagner sprach mit ihm.

Glückwunsch zum runden Geburtstag! War schon am Anfang abzusehen, dass es eine Rolle für die "Ewigkeit" wird?

Jörg Schale: Nein, darüber habe ich gar nicht nachgedacht. Ich bin da einfach so reingeschlüpft. Die Idee, dass der Ritter Georg lebendig werden soll, hatten Händler, Gewerbetreibende und ich. Als das feststand, hieß es, wer die Idee hat, muss es machen.

Es gab auch "Ersatzritter", aber Sie sagen, Sie seien der Echte?

Na ja, nicht ganz, jedenfalls bin ich der einzige Georg, der zum Ritter geschlagen wurde - mit allem, was dazu gehört: Hand auf der Bibel und das auf einem Wäscheplatz in Aue-Zelle.

Wie haben Sie ihre Geburtstagsfeier erlebt?

Ich habe das lange Zeit gar nicht richtig wahrgenommen. Erst in den letzten Tagen vor dem Fest ist mir klar geworden, dass da etwas auf mich zukommt. Die Wette war natürlich der Höhepunkt - die Wetteinlösung eine Sache, die ich nie im Leben vergessen werde. Das war verrückt. Dabei ist sie aus einer Schnapsidee entstanden.

Wie lange wollen Sie noch Ritter Georg sein?

Wenn alles gut geht und es weiter gewünscht wird, dann würde ich gern das Vierteljahrhundert voll machen.

Und, was ist besser: Rüstung oder Kleid?

Das Kleid ist deutlich leichter als die Rüstung. In beiden Sachen kommt man ins Schwitzen. Die Rüstung kann ich maximal sieben Stunden lang tragen, dann geht es nicht mehr.

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