Schwarzenberger Herrenmühle verschwindet aus dem Stadtbild

Der marode Riesenkasten zwischen Schwarzwasser und Karlsbader Straße ist nicht mehr zu retten. Eine Zwickauer Firma soll noch im November mit dem Abbruch beginnen. Einige Teile werden aber für die Nachwelt erhalten.

Schwarzenberg.

Auch der einheimische Bäckermeister Pierre Kittel hat sich aufgemacht, um als Gast die jüngste Sitzung der Schwarzenberger Stadträte zu verfolgen. Die Räte vergeben an jenem Abend im Rathaus den Auftrag zum Abbruch der herrenlosen Herrenmühle. Und der Bäckermeister nutzt die Fragestunde, um darauf hinzuweisen, dass bei solchen Abrissen ja oft vieles achtlos entsorgt werde. Das dürfe zum Beispiel mit der Wetterfahne auf dem Dach der Herrenmühle nicht passieren. Er würde sie gerne nehmen, um sie der Nachwelt zu bewahren.

So ehrbar Kittels Anliegen ist: Mehr als ein freundliches Lächeln erntet er in der Runde dafür nicht. Denn die Sache mit der Wetterfahne - und mehr noch - ist längst geklärt. "Schon als erstmals von einem möglichen Abriss die Rede war, hat Stadtrat Gerd Schlesinger die Notwendigkeit betont, solche Sachzeugen wie die Wetterfahne zu sichern", erklärt Oberbürgermeisterin Heidrun Hiemer (CDU). Die Wetterfahne, die neben der Jahreszahl 1937 - als Erinnerung an den letzten großen Erweiterungsumbau der Mühle - einen stilisierten Bäcker zeigt, der einen Sack Mehl auf dem Rücken schleppt, soll künftig entweder im Museum im Schloss oder im Schaudepot am Bahnhof präsentiert werden.

Viel mühlentypisches Interieur ist in dem vom Gericht für herrenlos erklärten riesigen Kasten ohnehin nicht mehr vorhanden. Trotzdem aufzupassen und "das Heft in der Hand zu behalten", fordert Stadtrat Jörg Beier von Pro SZB. Gemeinsam mit den fachkundigen Eigentümern der Raschauer Süßmühle haben Vertreter der Stadt jüngst zumindest die noch gefahrlos zu begehenden Räume besichtigt. Zwei Walzenstühle, ein Schrotstein und einige Teile des historischen Riemengetriebes gehören zu den Stücken, die für die Stadt gesichert und vor einer späteren Präsentation zwischengelagert werden, ebenso der steinerne Türstock über dem Eingang zum Altbau an der Schwarzwasserseite. "Wie und wo diese großen Erinnerungsstücke einmal ihren Platz finden, ist noch nicht geklärt", sagt Hiemer. Darüber werde in Ausschüssen und im Kulturbeirat geredet, ehe der Stadtrat dazu einen Beschluss fasst.

Fest steht aber schon, wer den Abriss ausführt: die Zwickauer Firma Normkies. Dieses auf Abbruch und Sanierung spezialisierte Unternehmen hat in den zurückliegenden Wochen eine nicht mehr benötigte Häuserzeile an der Straße der Einheit (B 101) in Schwarzenberg dem Erdboden gleich gemacht. Für den Anfang Oktober von der Stadt ausgeschriebenen Herrenmühle-Abbruchauftrag haben die Zwickauer mit gut 95.100 Euro das wirtschaftlichste Angebot vorgelegt. Sechs Offerten sind eingereicht worden. Noch im November sollen die Arbeiten beginnen, nach der üblichen Weihnachts- und Neujahrspause weitergehen und möglichst bis Ende Januar 2020 abgeschlossen sein.

Was das von Privatleuten geäußerte Interesse an Abbruchmaterial wie zum Beispiel Balken betrifft, sollen sich diese Leute, "wenn es soweit ist, direkt mit dem Abrissunternehmen in Verbindung setzen, ohne die Arbeiten auf dem Grundstück zu stören oder sich gar in Gefahr zu begeben", erklärt die Oberbürgermeisterin. Es sei dringend davon abzuraten, privat in das Gebäude einzusteigen: "Der Hausschwamm hat sich schnell und aggressiv ausgebreitet. Es besteht Einsturzgefahr. Das kann wirklich lebensgefährlich werden."


Geschichte reicht weit zurück

Die Herrenmühle heißt so, weil sie der Herrschaft, dem im Schwarzenberger Schloss sitzenden Grundeigentümer der Region, gehörte. Sie wurde 1549 in der Vorstadt als Nachfolger einer älteren Mühle auf der anderen Schwarzwasserseite gebaut. Die Herrschaft - ab 1558 der Kurfürst - verpachtete die Mühle. Zunächst an private Müller, zwischenzeitlich von 1558 bis 1575 an den Rat der Stadt. Spätestens seit 1618 war die Herrenmühle in Privateigentum. Nach Weggang der Eigentümer in DDR-Zeit war die Mühle erst in staatlicher Treuhand und wurde ab 1970 von landwirtschaftlichen Genossenschaften betrieben. Die nach der Wende wieder in ihre Rechte eingesetzten Alteigentümer verkauften das Gebäude an einen Verein. (stl)

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