Seit dem Bild an der Hauswand ist der Bäck' promoviert

Lüftlmalerei ziert die Fassaden vieler Häuser im Erzgebirge. "Freie Presse" erzählt die Geschichte dahinter. Heute: Familie Neubert aus Erla-Crandorf

Erla-Crandorf.

Nicht jeder Urlauber kann mit der erzgebirgischen Mundart etwas anfangen, kann sie lesen oder deuten. Und so kam es, dass Bäckermeister Christoph Neubert aus Erla-Crandorf schon des Öfteren mit "Herr Dr." angesprochen und gefoppt wurde. Dabei steht das "Dr" im Schriftzug des Lüftlbilds an der Hausfassade der Bäckerei natürlich für den Artikel "der".

Was für Einheimische selbstverständlich erscheint, kann von Auswärtigen schnell fehlgedeutet werden. Aber lustig ist es allemal.

Dass der Bäckereimeister und seine Frau Adelheid ein Motiv gewählt haben, das ihr Handwerk reflektiert, ist klar. "Wir haben damals das Haus machen lassen, und wussten sofort, dort muss wieder ein Bild ran", erzählt der Seniorchef. Mittlerweile sei er nur noch die helfende Hand in der Backstube, die Geschäftsführung haben die Neuberts vor fünf Jahren in die Hände von Tochter Kerstin und Schwiegersohn Jens Meichßner gelegt. Der Familienbetrieb floriert - und das seit nunmehr 118 Jahren. "Da gibt es immer Höhen und Tiefen, aber man muss mit der Zeit gehen", sagt Neubert.

Das Bild an seiner Hausfassade hat Tabea Unger gemalt. Auf sie gekommen sind die Neuberts durch die Lüftlbilder, die die gelernte Kinderkrankenschwester in den langen Kellergängen der Kliniken Erlabrunn gemalt hat. "Na, und ihren Mann, den Rups von den Randfichten, kennen wir ja auch gut", sagt Neubert. Tabea Unger indes gibt sich bescheiden: "Ich hab das nie gelernt. Ich mach das einfach so. Ich male seit ich denken kann", sagt die 53-Jährige. Zwölf große und acht kleinere Bilder in Form von Wegweisern helfen den Patienten in den Kliniken, die richtige Richtung in den langen Gängen zu finden. Aber sie malt auch kleine Gemälde als Auftragswerke. "Ich hab aber auch schon einmal ein komplettes Zimmer bemalt. Das Spielzimmer für Kinder im Hotel "Blauer Engel" in Aue. Mit mehreren Themen und teilweise dreidimensional. Das war eine große Herausforderung", erinnert sich Tabea Unger. Sie arbeitet dabei völlig ohne Schablone und Vorzeichnungen, wie sie erzählt.

"Sie hatte wirklich nur eine Karte in der Hand und hat das Motiv von dieser Karte auf die Wand übertragen", staunt Christoph Neubert noch heute. "Schwierig ist das schon, weil man steht ja auf einem Gerüst, sehr nah an der Fassade, und muss mehrfach runter, um aus der Distanz zu sehen, ob die Proportionen stimmen. Beim Malen mit den Farben muss es dann flott hintereinander weg gehen, denn die Acrylfarben trocknen auch schnell", so Unger. "Aber große Fassadenbilder mach' ich derzeit nicht mehr, denn das strengt sehr an. Das macht der Rücken nicht mehr mit", sagt sie und lacht. Familie Neubert indes ist froh und stolz auf das Bild am Haus. Ärgerlich sei nur, dass die Stadtverwaltung ihnen jetzt administrativ ein Parkverbotsschild unmittelbar an diese Hausseite gestellt hat. "Das stand bis vor einem Jahr paar Meter weiter unten, da hat das niemand gestört", sagt der Hausherr, dessen Bitte, dass sich das noch mal jemand ansieht, bis heute ignoriert wurde.

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