Seit nunmehr 100 Jahren gehört Neuwelt zur Stadt Schwarzenberg

Kalenderblatt: Verliert ein Ort die Eigenständigkeit, ist das immer ein Aufreger. Auch ein Rückblick in den August 1919 belegt das.

Schwarzenberg.

Eine Liebeshochzeit sieht anders aus. Die vor nun 100 Jahren vollzogene Eingemeindung von Neuwelt nach Schwarzenberg hatte im Vorfeld nicht nur Diskussionen ausgelöst, sondern auch zu Protestschreiben und Resolutionen geführt. Grundtenor: Viele Einwohner Neuwelts wollten die seit 27. April 1839 geltende, also schon gut 80 Jahre währende Eigenständigkeit der Gemeinde beibehalten.

Doch alle Vorbehalte und Proteste blieben letztlich fruchtlos: Datiert mit 4. August 1919 - mitten in der politisch aufgewühlten, wirtschaftlich schwierigen Zeit nach dem Ersten Weltkrieg und nach dem Ende des deutschen Kaiserreichs - kam es zum "Abkommen über die Vereinigung der politischen und Schulgemeinde Neuwelt mit der Stadt Schwarzenberg". Die Kreishauptmannschaft Zwickau genehmigte die 15 Paragrafen enthaltende Vereinbarung am 15. September. Die in der Amtshauptmannschaft Schwarzenberg zu dem Thema geführten Akten tragen auf der Titelseite den Vermerk, dass sie die "Einverleibung" von Neuwelt in den Stadtbezirk Schwarzenberg betreffen - Wasser auf die Mühlen der Kritiker.


Anlässlich der 850-Jahr-Feier von Schwarzenberg im Jahr 2000 haben Mitglieder des Heimatvereins Neuwelt, unterstützt durch weitere Bürger, in einer Chronik die Entwicklung ihres Ortes von der Gründung bis zur Eingemeindung dargestellt. Da ist auch nachzulesen, wie die Stadt seit März 1919 um die Gemeinde warb, "um für die großen Aufgaben der Zukunft eine vollkommene und leistungsfähige Einheit zu schaffen". Aus heutiger Sicht schätzt der Heimatverein ein, dass einiges aus dem "Abkommen" - auch gesellschaftlichen Entwicklungen mit geschuldet - später wegrationalisiert wurde, wie die Nebenstelle der Sparkasse, oder gar nicht realisiert wurde, wie die eigene Ortsvertretung. Das in den 1920er-Jahren gebaute, seither mehrfach auf Vordermann gebrachte Schulhaus und die zwei Gewerbegebiete können als Beispiele für bauliche und wirtschaftliche Einbeziehung Neuwelts in die Stadt gelten. In Paragraf 11 hieß es 1919: "Die Feuerwehr des Stadtteils Neuwelt steht unter dem Befehl des städtischen Branddirektors und bildet einen besonderen Zug der Freiwilligen Feuerwehr Schwarzenberg." Das ist noch immer so. Aspekte, die heutige Neuwelter schmerzen, wie das Fehlen eines Einkaufsmarktes und einer vollwertigen Poststelle, haben mit den jetzigen marktwirtschaftlichen Zwängen zu tun.

Noch einmal zurück zur Eingemeindung. Dass es in Neuwelt dazu einen Meinungsstreit gab, zeigt der Fakt, dass am 31. Juli 1919 der Gemeinderat sehr wohl einen "Einverleibungsbeschluss" fasste. Der Hausbesitzerverein führte das auf "Unstimmigkeiten in der Gemeinde" zurück. Bei der für 20. September 1919 anberaumten "amtlichen Vereinigungsfeier" in Merkels Gasthof blieben jedenfalls etliche Plätze leer.


Splitter der Ortsgeschichte

Der Bau von Häuslerzeilen in Parzellenflur ist 1790 der Ursprung von Neuwelt, in jenem Jahr bezeugt als "Neue Welt". Der Besitzer des Rittergutes in Obersachsenfeld hatte Arbeitern seines Gutes die Erlaubnis gegeben, sich auf dessen Flur anzusiedeln.

Eine Urkunde über die Eingemeindung von Neuwelt nach Schwarzenberg hat der Heimatverein Neuwelt bisher vergeblich gesucht. Nachfragen ergaben, dass sie weder im Kreisarchiv in Aue noch im Sächsischen Hauptstaatsarchiv in Dresden liegt.

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