Seniorennetzwerk bindet auch Jugend ein

Die Stadt Schwarzenberg hat eine spezielle Anlaufstelle für ältere Menschen. Ein Projekt, das zur Nachahmung empfohlen wird.

Schwarzenberg.

An einer Tatsache kommt keiner vorbei: Wir werden älter. Schon heute liegt die Zahl der Über-60-Jährigenin Schwarzenberg bei 6650. Aktuell leben gut 17.000 Menschen in der Stadt.

Diese Entwicklung vor Augen, hat die Stadt ab 2014 begonnen, sich dem Thema intensiver zu widmen. 2016 wurde ein Seniorennetzwerk gegründet. In dieser Woche fand bereits der fünfte Runde Tisch des Netzwerks statt. Und an diesem sitzen keineswegs nur ältere Menschen. Im Gegenteil. Mit Susanna Müller (41) hat das Netzwerk eine engagierte Koordinatorin, die ihr Büro im Rathaus hat. Ihr zur Seite steht Katja Neukirchner. Die 36-Jährige ist seit Sommer 2018 die neue Mitarbeiterin im Rathaus für Bildung und Wohlfahrtspflege. Diese beiden Frauen sind die "Vernetzer". Sie holen Vertreter von Wohnungsunternehmen, Pflegediensten, Pflegeheimen, Vereinen und Verbänden mit an den Tisch. Diskutiert und informiert wird über Vorhaben und Projekte, die mit Blick auf die älteren Bewohner der Stadt gedacht sind. 2018 legte das Netzwerk mit der Broschüre "Seniorenwegweiser" bereits einen Ratgeber vor, der keineswegs nur älteren Menschen nutzt. Denn aufgelistet sind darin Anlaufstellen und Kontakte, wo man Hilfen findet. Schließlich sind es oftmals die Kinder oder Enkel, die sich kümmern müssen, wenn beispielsweise die Großeltern Pflege benötigen.

Im Herbst 2018 gab es erstmals auch eine Art Messe in der Ritter-Georg-Halle, bei der sich zahlreiche Ansprechpartner persönlich und mit ihren Angeboten vorstellen konnten. Am Runden Tisch wurde jetzt entschieden: Diese Präsentation soll es jährlich geben. In Auswertung der Premiere war man sich jedoch einig: Wenn, dann aber ganztägig.

"Wir freuen uns, dass immer mehr Partner zum Netzwerk hinzustoßen", sagt Susanna Müller und konnte diesmal einen Vertreter des Diakonischen Werks, den Regionalleiter von Reha-aktiv sowie andere in der Runde begrüßen. Ein großes Thema sei das Wohnen im Alter. Das möglichst lange und eigenständige Wohnen in gewohnter Umgebung. Daher ist derzeit im Gespräch, eine Musterwohnung so umzubauen, dass sie mögliche Hilfsmittel fürs Alter in der Praxis zeigt.

Auch wie sich das Alter anfühlt, konnten die Mitglieder des Runden Tisches testen. Denn die Stadt hat seit 2018 einen "Age-Man". Das ist Bekleidung, die Altersbeschwerden simuliert. "Damit lässt sich bei Jüngeren Verständnis für die ältere Generation wecken", sagt Müller. Damit sei man an Schulen mit überraschenden Erfolgen unterwegs.

Helga Dittrich, die Behinderten- und Seniorenbeauftragte des Landkreises, sitzt ebenfalls seit der Gründung mit am Tisch. Sie sagt: "So ein Netzwerk müsste es in jeder Stadt geben. Was hier läuft, ist beispielhaft." So sahen das auch die Reporter vom ZDF, die OB Hiemer 2018 zu einem solchen Termin mit der Kamera begleitet hatten.


Kommentar: Zukunftgestalten

Vorreiter in einer Sache zu sein, ist nicht immer leicht. Alle großen Vordenker waren schließlich mal nachdenklich. Es macht Sinn, der Zukunft mit Weitblick zu begegnen. Die Bevölkerungsentwicklung belegt seit langem den Trend: Die Zahl der älteren Menschen nimmt zu. Das ist nicht neu, auch wenn einige noch immer verzweifelt versuchen, dagegen anzukämpfen. Ob es nach der "Landflucht" vielleicht wieder eine Flucht aus den Städten zurück aufs Land geben wird, wäre zwar wünschenswert, bleibt aber unklar.

Dennoch müssen die Menschen hier und jetzt ihre Zukunft planen. Nicht nur für die heute Älteren, sondern für sich selbst. Heißt: Jeder ist gut beraten, bereits heute mitzutun, weil er selbst mal in den Genuss des Geschaffenen kommt. Barrierefreiheit ist schließlich kein Ding, das nur Älteren nützt, sondern auch jungen Eltern mit Kinderwagen etc.

Die Zukunft gestalten, sagen, was wichtig wäre, es jetzt erstreiten und heute die Weichen stellen - das ist eine große Aufgabe ohne den Blick in den Rückspiegel.

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