Seniorin schickt musikalischen Gruß vom Balkon

Gunda Körner aus Beierfeld spielt seit einigen Wochen täglich auf ihrer Geige. Sehr zur Freude der Nachbarn, die die Musikerin überraschten.

Beierfeld.

Die untergehende Abendsonne taucht Beierfeld in ein ganz besonderes Licht. Fast wirkt es so, als sei ein riesiger Scheinwerfer auf den großen Balkon von Gunda Körner gerichtet. Es ist eine zauberhafte Stimmung. Gunda Körners Mann Gottfried (86) hat es sich in einer Ecke des Balkons bequem gemacht. Seine Frau baut ihren Notenständer auf und nimmt die Geige in die Hand. Punkt 19.30 Uhr erklingen die ersten Töne. Vor dem Haus, in dem das Ehepaar Körner in der obersten Etage wohnt, kommen einige Menschen zusammen, auf den Terrassen und Balkonen des benachbarten Mehrfamilienhauses nehmen die Bewohner Aufstellung. An den Häusern gegenüber gehen die Fenster auf.

Seit ein paar Wochen spielt die 77-Jährige jeden Abend ein paar Lieder. Inspiriert hatten sie andere Fenster- und Balkonmusiker und ganz besonders der Kantor der St. Georgen Kirchgemeinde, Matthias Schubert, der allabendlich in der Schwarzenberger Altstadt am Fenster seines Arbeitszimmers das Lied "Der Mond ist aufgegangen" anstimmt. Also spielte die Seniorin zunächst "Der Mond ist aufgegangen" und dann auch noch das "Steigerlied". Als sie merkte, dass das bei ihren Nachbarn ankam, entschied sie sich, während der Corona-Zeit allabendlich für acht bis zehn Minuten auf ihrem Balkon Kultur zu zelebrieren und damit etwas Hoffnung zu schenken. Die musikalischen Programme stehen jedes Mal unter einem anderen Thema. Zum Abschluss gibt es immer ein Abendlied.

Seit 1952 spielt die heute 77-Jährige Geige und Bratsche. Fünf Jahre später begann sie im Collegium Musicum und verstärkt dieses bis heute. Wenn es darum geht, was sie am meisten durch die Einschränkungen aufgrund der Corona-Pandemie vermisst, dann ist die Antwort leicht gefunden. "Die Musik, das gemeinsame Musizieren", sagt die Beierfelderin. Alle Auftritte mit dem Collegium Musicum seien bedauerlicherweise weggefallen. Mit allem andere komme sie zurecht. Langweile komme angesichts der Gartenumgestaltung nicht auf. Kontakt zu Freunden und Verwandten werde über Whatsapp und Telefon gehalten. "Die Decke fällt mir nicht auf den Kopf", sagt Gunda Körner. Um ein bissel was gegen die musikalische Sehnsucht zu tun, hat Gunda Körner am Donnerstagabend ihren Balkon mit zwei weiteren Musikern geteilt. Dafür hat sie ihn sogar ausgemessen und festgestellt, dass beim vorgeschriebenen Sicherheitsabstand genau zwei weitere Instrumentalisten mit darauf passen.

Tags zuvor endete der Abend für Gunda Körner mit einer echten Überraschung. Es gab für die Musikerin nicht nur Beifall, sondern auch Blümchen und eine Flasche Sekt. Gleich zwei Nachbarinnen wollten sich bei ihr bedanken. Diana Landenberger, die zufällig vorbeikam, war ebenfalls begeistert: "Das ist etwas richtig Schönes."


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