So entstehen Lieblingsplätze für alle

Ein Förderprogramm soll Barrieren für Menschen mit Behinderung abbauen. Im Erzgebirgskreis wurde so schon einiges erreicht - auch in Aue.

Aue/Schwarzenberg.

Mit dem Rollstuhl oder Gehstützen an der Bushaltestelle, beim Arzt oder zum Essen in die Gaststätte - behinderte Menschen müssen tagtäglich gegen Barrieren ankämpfen, die für einen Gesunden oft gar nicht wahrnehmbar sind. Um solche Hindernisse abzubauen, gibt es das Landesprogramm "Lieblingsplätze für alle".

Der Name des Förderprogramms mit dem barrierefreie Lösungen finanziert werden, trifft es dabei richtig gut, findet Ines Schürer, im Landratsamt des Erzgebirgskreises Referentin im Bereich Soziales und Ordnung. Seit Jahren macht sie die Erfahrung, dass die Nachfrage größer als das Angebot ist: "Uns erreichen mehr Anträge, als wir Geld zur Verfügung haben." 251.300 Euro sind es beispielsweise im Jahr 2019. Jede Einzelmaßnahme darf nicht teurer als 25.000 Euro sein. Im Juni gab es noch einmal 85.000 Euro zusätzlich, die jedoch nur für Maßnahmen bei Ärzten und Zahnärzten zur Verfügung standen.

Zu den Klassikern der finanzierten Projekte gehören Lichtgitter an Fahrstühlen, Leitsysteme für Sehbehinderte und Blinde, Rampen und Zugänge sowie barrierefreie Toilettenanlagen. "Das Förderprogramm gibt es seit 2014", so Ines Schürer. Eine achtköpfige Kommission - zu der auch Helga Dittrich gehört, Senioren- und Behindertenbeauftragte des Erzgebirgskreises - entscheidet, wer den Zuschlag bekommt. Schließlich ist es eine hundertprozentige Förderung. 2018 wurden 20 von 31 Anträgen bewilligt, 2019 waren es 14 von 24. Hinzu kamen vier Maßnahmen bei Ärzten. In dem Bereich waren sieben Anträge gestellt.

Bei der Vergabe, die nach einem Punktesystem erfolgt, wird auf verschiedene Faktoren geachtet. Beispielsweise sollen die Gelder möglichst im gesamten Erzgebirgskreis verteilt werden. Zudem wird viel Wert auf die Sinnhaftigkeit der Vorhaben geschaut. Eine barrierefreie Toilette nützt natürlich nur etwas, wenn diese für Menschen mit Handicap auch zu erreichen ist. Doch Helga Dittrich weiß, dass schon sehr viel Positives und Sinnvolles durch das Förderprogramm entstanden ist und ganz viele Menschen mit Handicap davon profitieren. Dazu gehört beispielsweise die Erreichbarkeit von Spielplätzen an der Sommerrodelbahn in Seiffen. "Dort ist auch ein Sandspielbereich für Rollstuhlfahrer entstanden", so Dittrich. Ebenfalls bemerkenswert ist ein Bronzemodell der kurfürstlichen Silberschmelzhütte in Schneeberg. "Blinde können dieses einmal ertasten und erfühlen", so Ines Schürer. In Zschopau hingegen hat ein Augenarzt eine Untersuchungseinheit finanziert bekommen, die es ermöglicht, Augenuntersuchungen auch bei Rollstuhlfahrern durchzuführen. In Annaberg-Buchholz ist die Anna-Mensa farblich umgestaltet worden und hat ein Leitsystem erhalten. Jede Etage hat zur besseren Orientierung ihre eigene Farbe bekommen. In Hormersdorf wurden an der Jugendherberge eine Schaukel und Wippe für Rollstuhlfahrer gebaut.

Sehen lassen kann sich aber auch die Dürerschule in Aue, in der verschiedene Vereine untergebracht sind und in der sich auch die Kontakt- und Informationsstelle für Selbsthilfe (Kiss) in Aue befindet. Dort gibt es unter anderem ein Blindenleitsystem. Dieses befindet sich nicht nur auf dem Fußboden und bietet so Orientierung - auch die Zimmerschilder können ertastet werden. "Wichtig war uns auch die Sicherheitstür, die zu den Räumlichkeiten führt", sagt Diane Kurzweg vom Kiss. Diese sei vor dem Umbau nur mit ganz viel Kraft zu öffnen gewesen. "Jetzt geht sie ganz leicht und ist damit auch für Rollstuhlfahrer geeignet", so Kurzweg.

Mit "Lieblingsplätze für Alle" können nicht nur Räume umgebaut und ausgestattet werden. So hat der Verein für Blinde und Sehbehinderte ein elektronisches Notizgerät erhalten. Das kann zum Beispiel bei Sitzungen verwendet werden und ermöglicht das Mitschreiben bei Veranstaltungen. Unternehmer und Vereine dürfen auch für 2020 Anträge stellen. Selbst Gaststätten können sich um eine Förderung bewerben.

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