St.-Georgen-Kirche beginnt zu bröckeln

Das barocke Gotteshaus in Schwarzenberg steht seit 320 Jahren. Es ist ein Schmuckstück, an dem jedoch der Zahn der Zeit kräftig nagt. Der Förderkreis Kirchenmusik hat das erkannt und will helfen. Sogar sehr prominente Unterstützer gibt es.

Schwarzenberg.

Wenn es heftig regnet, dann verfinstern sich sofort die Mienen von Kirchner Jörg Windisch und Kantor Matthias Schubert. Denn dann wissen sie, dass das Gotteshaus im Zentrum der Stadt Schwarzenberg weiteren Schaden nimmt. Es regnet rein! Mittlerweile an vielen Stellen.

Bei dem heftigen Regenguss in der vergangenen Woche lief so viel Wasser über die undichten Fenster in die Kirche, dass sogar die Truhenorgel beschädigt wurde. "Es tropfte von oben bis in die Orgel hinein", sagt Kantor Matthias Schubert und zeigt das Instrument. Helle Wasserflecken auf dem Holzfurnier sind als Spuren erkennbar. Sogar im Altarraum habe das Wasser in einer großen Pfütze gestanden, die Malereien an der Täfelung waren durchweicht, zählt Kirchner Jörg Windisch auf. Auch für die Gottesdienstbesucher und für die Gäste der Kirchenkonzerte sind die massiven Schäden mittlerweile deutlich sichtbar. Über vielen der hohen Fenster klaffen große Risse. Zum Teil liegen die Bleiglasfenster auf losem Putz auf, der Wind pfeift durch die Ritzen.


"Der Baukörper braucht nach den Jahrhunderten eben eine umfassende Sanierung", meint Windisch. Zwar sei immer wieder etwas gebaut oder ausgebessert worden, aber selbst dabei seien "Bausünden" entstanden, die die heutigen Schäden noch befördert hätten. Zum Beispiel seien Balken ausgetauscht und zu knappt angeschuht worden. Doch das wird erst heute offenkundig. "Da wirken ja enorme Kräfte", sagt er.

Jetzt hat sich der Förderverein Kirchenmusik dazu durchgerungen, sich nicht mehr nur allein um die Musik zu kümmern, sondern auch um die Kirche als Konzerthaus, erklärt Kantor Schubert. "Die Musik und die Aufführungen in diesem Gotteshaus sind untrennbar miteinander verbunden", sagt Schubert. Deshalb sei der Förderverein gerade dabei, auch seine Satzung entsprechend zu erweitern. "Musik in St. Georgen - das ist das, was die Menschen begeistert. Es geht nur zusammen", betont er.

Derzeit hat die Kirchgemeinde St. Georgen keinen Pfarrer. Doch wie lange diese Vakanz dauert, wisse niemand. Noch sei die Stelle nicht einmal ausgeschrieben, weiß Schubert. Der Kirchenvorstand habe daher beschlossen, mit den Vorarbeiten für das Beheben der zahlreichen Mängel zu beginnen. Denn es sei höchste Zeit, tätig zu werden. Für die notwendigen Arbeiten wird immerhin eine Million Euro veranschlagt. "Wenngleich wir natürlich auch über alle möglichen Ebenen um finanzielle Förderung gebeten haben und uns auch schon signalisiert wurde, dass Zuschüsse fließen können", erklärt Windisch.

Die moderne Technik macht heutzutage eine ganz andere, weil tiefgründigere Form der Sanierung möglich. Das Ganze habe bereits mit dem Erstellen eines "verformungsgerechten Aufmaßes" begonnen. Dafür wurde die gesamte Kirche mit einem 3D-Scanner erfasst. Das wiederum sei notwendig, um aus diesen Daten dann jederzeit einzelne Grundrisse und Schnittzeichnungen erstellen zu können. Und diese seien wiederum die Grundlage für die weiteren Berechnungen und Zeichnungen der Statiker. Daraus resultieren dann die notwendigen baulichen Maßnahmen, um das Tragwerk zu sichern und die Risse zu sanieren. "Wir wollen ja nicht, dass es in ein paar Jahren wieder reißt. Also erforschen wir erst einmal die Ursachen für die Rissbildung", heißt es.

Teile der Empore mussten bereits gesperrt werden, weil komplette Ecken des verkröpften Gesimses zur Decke hin herabgefallen sind.

Wissend um diese große Herausforderung hat sich Schubert auch um einen prominenten Paten für die geplante Sanierung bemüht. Bei Professor Ludwig Güttler war er da an der richtigen Adresse. Güttler, der bereits prominenter Förderer des Wiederaufbaus der Dresdner Frauenkirche war, hat seine Unterstützung für das Schwarzenberger Gotteshaus sofort zugesagt. Er wird am 1. Juli das erste Unterstützerkonzert gestalten, das zugleich der Auftakt für den diesjährigen Musiksommer in St. Georgen ist. Unterstützerkonzerte, so Schubert, werde es ein- oder zweimal pro Jahr geben. "Das heißt, nicht jedes Konzert der Musiken ist auch ein Unterstützerkonzert." Wobei er dennoch darauf hofft, dass St. Georgen vielen Menschen, die für den Erhalt spenden wollen, am Herzen liegt. Flyer mit weiteren Informationen und einem entsprechenden Überweisungsvordruck liegen ab sofort in der Kirche aus.

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