Studentin will in ihrer Stadt mitreden

Neunzehn, wortgewandt und selbstbewusst - mit Nadja Kehr wirft eine junge Frau ihren Hut in den Ring zur Kommunalwahl im Mai. Sie möchte in den Ortschaftsrat von Grünhain. Und schafft sie es, hat sie ein Ziel vor Augen.

Grünhain-Beierfeld.

Mit ihrer Kandidatur für den Ortschaftsrat in Grünhain bringt Nadja Kehr alles mit, was in den derzeitigen Kommunalvertretungen fehlt: Sie ist jung, weiblich, steckt voller Ideen und Elan und will, so sagt sie selbst, "von unten anfangen". Und sie ist heimatverbunden. Daher Ortschaftsrat.

Stadtrat für die Gesamtstadt wäre eine Option für später, schließt die 19-Jährige nicht aus. Aber sie will die Ebenen der Kommunalpolitik schrittweise für sich erobern. Doch wie kommt eine junge Frau, die eben erst mit dem Studium der Wirtschaftswissenschaften an der TU in Chemnitz angefangen hat, überhaupt dazu, sich ums Wohl der eigenen Stadt zu kümmern?

"Freie Presse" trifft die zierliche Studentin in einem Café in ihrer Heimatstadt Grünhain, um ihr genau diese Frage zu stellen: "Unser Ortsvorsteher, Jens Ullmann, hat mich gefragt, ob ich nicht Interesse hätte. Und ich wüsste da schon einiges, was sich noch ändern müsste", sagt Nadja Kehr prompt. Ihr liegen vor allem die jungen Leute ihrer Stadt am Herzen. Sie zählt sich dazu, weiß daher, was fehlt, ist aber realistisch genug, um zu wissen, dass viele junge Leute unmittelbar nach der Schule die Region zunächst erst einmal verlassen. Ihr geht es ähnlich. Ob sie danach für immer nach Grünhain zurückkehrt? "Ich denke schon", sagt sie und erzählt von ihrer Familie, ihrem 14-jährigen Bruder, den Eltern und den Großeltern. Für sie gute Gründe, zu bleiben.

Sie tritt für die CDU an, wenngleich sie nicht Mitglied der Partei ist. "Aber ich kann das, was in deren Programm steht, durchaus vertreten", sagt sie. Ob sie vom Ortsverband nominiert wird und auf welchem Listenplatz sie landet, entscheidet sich am Freitagabend. "Ich gehe davon aus, dass sie draufkommt", sagt Ortsvorsteher Jens Ullmann, der Nadja Kehr als eine mutige und engagierte junge Frau gern in seinem Ortschaftsrat hätte.

Doch zurück zu dem, was sie - wenn sie gewählt wird - gern verändern möchte. "Wir müssen etwas für junge Leute bieten. Ihnen signalisieren: Wir wollen euch hier haben, euch hier halten!"

Bislang sei alles ab- und zurückgebaut worden. "Die Halfpipe zum Beispiel. Sie war beschädigt, also wurde sie abgebaut. Und weg. Oder die Minigolfanlage. Sie hätte längst mal repariert oder überholt werden müssen. Jetzt ist sie weg", sagt Nadja Kehr. Sie will der Jugend eine Stimme geben. So, wie sie es bereits als Schülersprecherin in der Klasse 10 getan hat. Dabei geht es ihr aber keineswegs nur darum, Forderungen aufzumachen. "Es geht um das Zusammenbringen von Jung und Alt.

Man darf die Generationen nicht spalten", meint sie und schlägt daher auch für die Belebung des Klostergeländes ein Begegnungszentrum vor, in dem jeder etwas findet - vom Kindergartenkind bis zum Rentner. Und wenn sie für bessere öffentliche Busverbindungen streitet, dann sei das nicht nur für junge Leute wichtig, sondern eben auch für ältere.

Was sie an der aktuellen Kommunalpolitik vermisst, ist die direkte Einbeziehung der Bürger. "Ich denke, hier müssen die gewählten Leute wieder einen Schritt auf den Bürger zu machen. Denn der hat sich abgewandt, weil er oft nicht gehört wurde", erklärt sie sich die Politikverdrossenheit. Demokratie leben, mitreden, für Ideen streiten, aber auch Mehrheiten akzeptieren, Kompromisse und Lösungen finden, das alles kann sie sich vorstellen. "Allerdings wurde das nur theoretisch gelehrt. Gelebt wurde das nie an der Schule, nur an dem Tag, an dem der Schülersprecher gewählt wurde", blickt sie kritisch zurück.

Nadja Kehr ist vielseitig interessiert. Sie tanzt gern - sowohl Standard als auch lateinamerikanisch, spielt Gitarre, Klavier und Fußball. Sie liest gern und löst Kreuzworträtsel und ist neugierig auf die Arbeit im Ortschaftsrat.

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