Stützengrüner erfinden Laminat aus Stahl

Nach sechs Jahren Tüftelarbeit hat der Familienbetrieb Queck ein europäisches Patent erhalten. Geboren wurde das neue Produkt in einem Krankenhaus.

Stützengrün.

Seit vielen Jahren beliefert Volker Queck (58) das Krankenhaus Reichenbach mit Fußböden. Moderne Qualität - aber einer der Pfleger las ihm trotzdem die Leviten. "Er sagte: Ihr mit eurem Kunststoff. Erfindet doch mal einen Boden, an dem sich keine Keime festsetzen", erinnert sich Queck. "Andere Kunden wünschten sich Böden, die besonders strapazierfähig sind und nicht kaputtgehen." Queck fing an, darüber nachzudenken.

Sechs Jahre später hat der Gardinen- und Bodenfachmarkt Queck in Stützengrün das europäische Patent mit der Nummer 14185939.7 in der Tasche. Es wurde für einen Edelstahl-Clickboden erteilt, der Quecks Antwort auf die Anforderungen des Krankenhauses und anderer Kunden ist. Gestern präsentierte die Firma die Neuentwicklung in ihren Geschäftsräumen, wo zugleich der 33. Jahrestag der Gründung des Familienbetriebs gefeiert wurde.

Der Edelstahlclickboden besteht aus 30 mal 90 Zentimeter großen Paneelen, die man zusammenstecken kann wie herkömmliches Laminat. An der Unterseite ist eine Gummierung mit Rillen aufgebracht, die Tritte dämpfen, Feuchtigkeit abhalten und den Boden von unten belüften soll, sodass sich keine Nässe staut. Die Paneele gibt es auch als Wandverkleidung. Eine Version für Zimmerdecken ist in Vorbereitung.

In ihrem Fachmarkt haben die Quecks eine Musterfläche eingerichtet, über die seit zwei Jahren täglich etwa 50 Mitarbeiter und Besucher laufen. Kratzer: praktisch keine. "Das geht nicht so leicht kaputt", sagt Volker Queck. Die Idee, Edelstahl zu nehmen, war ihm gekommen, als er OP-Tische im Krankenhaus und Sektionstische in der Pathologie sah. Edelstahl ist leicht abwaschbar und bietet Keimen keinen Nährboden. So ließ sich nicht nur Widerstandsfähigkeit gewährleisten, sondern auch der Wunsch des Krankenpflegers erfüllen.

Die erste Stahlplatte, mit der er zu experimentieren begann, wog viele Kilogramm und war deutlich zu schwer. Das patentierte System ist etwa zwei Drittel leichter. "Die Einsatzgebiete können in Krankenhäusern, Autohäusern, Diskotheken und Industriebauten sein", sagt Queck. "Wir haben bereits viele Anfragen, aber ob sich das Produkt durchsetzt, müssen wir sehen."

Das größte Manko: Queck kann die bestehende Nachfrage nicht befriedigen; Kunden können den Edelstahlclickboden besichtigen, aber nicht kaufen. Das liegt daran, dass die Firma für den Aufbau einer Produktionslinie Fördermittel beantragen will. Etwa eine halbe Million Euro werden benötigt, weit mehr als die bisher investierten 60.000 Euro.

"In anderthalb bis zwei Jahren könnte die Erfindung produktionsreif sein", sagt Gert Kehle (70), Managing-Partner bei der Ilkazell-Isoliertechnik GmbH Zwickau, die neben der Auer Metallprofile GmbH zu Quecks Zulieferern gehört. Kehle ist von dem Edelstahl-Laminat überzeugt: "Die Idee hat uns begeistert."


33 Jahre Firmengeschichte

Am 1. November 1985 eröffneten die Eheleute Katrin und Volker Queck im heutigen Stützengrüner Ortsteil Lichtenau ein Polstergeschäft. Volker Queck war erst wenige Tage zuvor vom Dienst in der Nationalen Volksarmee zurückgekehrt. Das Geschäft befand sich in Katrin Quecks Elternhaus. Um die Genehmigung zu bekommen, mussten sich die Geschäftsinhaber verpflichten, auch Arbeiten für die Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft zu übernehmen, zum Beispiel Geschirre zu reparieren.

Nach der Wende eröffneten die Quecks ein Geschäft an der Schönheider Straße in Stützengrün. Zunehmend gehörten Bodenbeläge zum Angebot. Die Verkaufsfläche von 150 Quadratmetern reichte schließlich nicht mehr, und so zog das Familienunternehmen in eine frühere Halle des Bürstenmann-Werks an der Schönheider Straße 65e. Diese hat 960 Quadratmeter Verkaufsfläche.

Der Gardinen- und Bodenfachmarkt Queck hat heute zehn Mitarbeiter. Angeboten werden Bodenbeläge, Polsterarbeiten und Sonnenschutzelemente. Neben dem Verkauf an Privatkunden stattet die Firma Kliniken, Banken und Autohäuser aus. mu

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