Stützengrüner finden Rezept für Hausarzt-Nachfolge

Die Gemeinde hat rund 250.000 Euro in die Einrichtung einer Praxis investiert. Damit gelang es, ein junges Arzt-Ehepaar aufs Land zu locken.

Stützengrün.

Mission Hausarzt-Nachfolge beendet. In Stützengrün ist am gestrigen Freitag die Praxis von Anja (37) und Lars (38) Donath eröffnet worden. Zu den Gratulanten zählte der langjährige Landarzt Wilhelm Görler (76), der zeitgleich in den Ruhestand verabschiedet wurde. Mehrfach hatte er dieses Datum verschoben, weil er keinen Nachfolger hatte und seine Patienten nicht im Stich lassen wollte. "Ich habe immer gesagt, bis der Nächste die Treppe raufkommt, halte ich durch", so Görler. Erst vor einer Woche hat er seine Praxis geschlossen.

Um die Hausarzt-Versorgung in Stützengrün zu erhalten, ist die Gemeinde einen nicht alltäglichen Weg gegangen. In einem ersten Schritt sicherte sie sich für 90.000 Euro die zum Verkauf stehende Sparkassen-Filiale im Ort. Als man mit dem Mediziner-Ehepaar Donath Interessenten gefunden hatte, wurden weitere 160.000 Euro in den Ausbau gesteckt. 100.000 Euro davon kommen als Fördermittel aus dem Leader-Programm.

Alles in allem dauerte dieser Weg fast fünf Jahre, doch am Ende ging es schnell: Die Praxis ist binnen eines halben Jahres ausgebaut und eingerichtet worden. Sie wird nun durch die Gemeinde an die beiden Ärzte vermietet. "Das ist zwar keine kommunale Pflichtaufgabe, aber für uns gehört die ärztliche Versorgung zur Daseinsvorsorge für unsere Einwohner", sagte Bürgermeister Volkmar Viehweg (parteilos/Mandat CDU).

Jetzt ist Stützengrün in der komfortablen Lage, weiterhin zwei Landarzt-Praxen zu haben - die von Wolfgang und Alexander Göckritz im Ortsteil Hundshübel und die des Ehepaars Donath in Stützengrün.

Anja Donath stammt aus dem Stützengrüner Ortsteil Lichtenau, Lars Donath kommt aus Görlitz. Beide lernten sich beim Medizinstudium in Dresden kennen und arbeiteten danach in Kliniken. Heute wohnen sie mit ihren drei Kindern in Lichtenau, was sie als eine Lebensentscheidung bezeichnen. "Hier haben wir familiäre Anbindung, es gibt schöne Landschaften und nette Menschen", sagt Anja Donath. Außerdem sei es ihr Wunsch gewesen, ein engeres Verhältnis zu ihren Patienten zu bekommen. "In einer Klinik hat man eher einen Tunnelblick, der Mensch als Ganzes geht da ein wenig unter", erklärt ihr Mann.

Wilhelm Görler weiß genau, was sie meinen. 45 Jahre hat er in Stützengrün praktiziert und viele heute gestandene Stützengrüner schon im Kindesalter verarztet. Seinen letzten Fall hatte er vergangenen Freitag, als er seine Praxis bereits abgeschlossen hatte: "Eine Seniorin kam nicht mehr vorwärts. Da hab ich fix noch einen Hausbesuch gemacht."

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