Suche nach einer Lösung für Ankerweg gerät unter Zeitdruck

Der geplante Ausbau des Weges in Raschau zu einer richtigen Zufahrt wirft viele Fragen auf. Der Chef der Erzgebirgsbahn hat mit einigen Aussagen die Gemeinderäte überrascht.

Raschau-Markersbach.

Jetzt ist Eile geboten im Fall des geplanten grundhaften Ausbaus des Ankerwegs in Raschau. Denn nach wie vor steht der Fakt im Raum: Die Ausnahmegenehmigung für den Durchgangsverkehr über den Bahnübergang am Ankerweg läuft am Jahresende 2019 aus. Das hat Lutz Mehlhorn, Leiter und Sprecher der Erzgebirgsbahn, Ende vergangener Woche vor der Gemeinderatssitzung erneut deutlich gemacht.

Der Bahnübergang gehört weiterhin zur öffentlichen Infrastruktur der Bahn. "Diesen Status hat die Anlage nie verloren", betonte Mehlhorn. Lediglich auf der Basis einer Ausnahmegenehmigung habe das Unternehmen Bahn einer Freigabe für den Durchgangsverkehr zugestimmt. Seit 1997 wurde die Strecke zwischen Schwarzenberg und Annaberg-Buchholz nicht mehr für regulären Bahnbetrieb genutzt. Nun hat die Bahn eine neue Verwendung für die Strecke. Sie ist Teil eines Forschungsprojekts am Forschungscampus Annaberg zur Weiterentwicklung des Eisenbahnwesens. Mehlhorn: "Als Erzgebirgsbahn sind wir interessiert an dieser Entwicklung. Wir sehen das als Chance."

Die Anlieger des Ankerwegs und die Gemeinde haben indes großes Interesse daran, dass der Bahnübergang auch künftig für den Fahrverkehr geöffnet bleibt. Schließlich habe sich seit dem Jahr 2000 am Ankerweg entlang einiges entwickelt. Häuser wurden gebaut, ebenso haben sich Firmen angesiedelt. Jetzt die Zufahrtsstraße zu einer Sackgasse werden zu lassen, wäre ein Unding, sagen die Anlieger. Für den Bau eines Wendehammers für größere Fahrzeuge, wie Entsorger und Winterdienst, reicht der Platz nicht.

Hinzu kommt, dass der Zweckverband Wasserwerke Westerzgebirge (ZWW) die Erschließung der Grundstücke am Ankerweg vorgesehen hat. "Eigentlich wollten wir es schon in diesem Jahr machen, aber auf Bitte der Gemeinde haben wir den Ausbau auf 2020 verschoben", sagte ZWW-Geschäftsführer Frank Kippig. Vorgesehen sind sowohl neue Trinkwasser- als auch Abwasserleitungen. Doch auch hier besteht Zeitdruck: Bis 2020 muss die Maßnahme umgesetzt sein, da der Ankerweg im Abwasserbeseitigungskonzept steht und so Bestandteil eines öffentlich-rechtlichen Vertrags ist. "Aber es ist sinnvoll, dies so zu machen, dass die jeweilige Kommune nach dem Bau mit dem grundhaften Straßenbau aufsattelt", so Kippig. Die finanziell klamme Gemeinde hat dafür entsprechende Fördermittel für 2020 beantragt.

Eine denkbare Lösung heißt also: Bau einer vollautomatischen Bahnschranke am Ankerweg, denn die bisher dort vorhandene Halbschranke wird bei Fahrbetrieb noch von Hand geschlossen und geöffnet. Der Bau einer automatischen Schrankenanlage bedarf jedoch einer sogenannten Kreuzungsvereinbarung mit dem Eisenbahnbundesamt. Um von dort grünes Licht für eine solche Anlage zu bekommen, müssten ganz schnell perfekte und genehmigungsfähige Baupläne durch die Kommune eingereicht werden, heißt es. "Am besten ist, Sie starten zunächst erst einmal eine offizielle Voranfrage ans Bundesministerium und klären mit den Anliegern alle Grundstücksfragen", lautete daher die Empfehlung von Mehlhorn an den Bürgermeister. Die Zeit dränge. Im Normalfall dauerten solche Verfahren nämlich bis zu fünf Jahre.

"Warum haben Sie denn die Pläne von 2009 nicht weiter verfolgt?", fragte Tomas Schmidt, technischer Leiter bei der Erzgebirgsbahn. Diese Frage sorgte für Verwunderung bei den Räten und beim Bürgermeister. Die Vertreter der Bahn erkennen jedoch die missliche Lage, in der sich die Gemeinde befindet, und boten ihre Unterstützung an, möglichst schnell ein genehmigungsfähiges Konzept für eine geradlinige Verbindung - eine Straße von 3,75 Metern Breite - zu erstellen. Das würde jedoch eine Drittelfinanzierung für die Schrankenanlage nach sich ziehen: Kosten jeweils zu einem Drittel für die Bahn, den Freistaat und die Gemeinde. Die Frage, was das kosten würde, hat nach diesen ernüchternden Fakten keiner mehr gestellt.

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