Testzug der Deutschen Bahn macht in Schwarzenberg Station

Um die 300 Interessenten haben den ICE bei einem Exklusiv-Halt begutachtet. Dieses große Interesse hat überrascht - und erfreut.

Schwarzenberg.

Dass viele Leute aus Schwarzenberg und Umgebung sich für die Eisenbahn begeistern, ist kein Geheimnis. Wie groß aber das Interesse tatsächlich ist, hat sich am Dienstagabend auf dem Bahnhof der Stadt gezeigt. Dort hielt nämlich ein ICE, was für Intercity-Express steht. Es war kein fahrplanmäßiger Zug, sondern ein Testzug - ein Advanced Train Lab, rollendes Labor für Verkehrstechnik der Deutschen Bahn.

17.30 Uhr rollte der Hochgeschwindigkeitszug auf Bahnsteig 4 ein und wurde ab diesem Moment umlagert. Die ersten Gäste klopften freundlich gegen das Fenster und baten um Einlass. "Dieser Halt hier ist eine exklusive Geschichte für Schwarzenberg", erklärt Versuchsleiter Michael Rohrschneider, der zum Team der Deutschen Bahn gehört. Die Erzgebirgsbahn habe die Sache eingerührt. Der enorme Zuspruch habe etwas überrascht, aber in erster Linie sehr erfreut. Mit diesem als Testfahrzeug genutzten ICE "sind wir in ganz Deutschland unterwegs", so Rohrschneider. So beispielsweise auf der Hochgeschwindigkeitsstrecke Nürnberg - Ingolstadt und im Stadtbahnbereich von Berlin. Auf der 1889 eingeweihten Strecke zwischen Annaberg-Buchholz und Schwarzenberg, die nicht mehr fahrplanmäßig befahren, aber seit 2009 von der Erzgebirgischen Aussichtsbahn genutzt wird, geht es beim jetzigen Test hauptsächlich um das Erkennen von Hindernissen. "Wir sind dabei, Daten zu sammeln", sagt Rohrschneider. Im Schnitt vier Mitarbeiter der Bahn und zwei bis vier Mitarbeiter des Industriepartners sind auf dem Zug im Einsatz.

Deutlich macht der Versuchsleiter auch, dass das Fahrzeug nicht autonom fährt, und fügt hinzu: "Es ist hier immer ein Lokführer dabei. Die Sicherheit steht natürlich an erster Stelle." Bei den Tests, die aktuell im Erzgebirge stattfinden, arbeitet die DB mit dem Siemens-Konzern zusammen. Dabei geht es um Systeme zur Umweltwahrnehmung. Im besten Fall soll der Zug vor einem Hindernis, das sich auf den Gleisen befindet, abbremsen. Daher fällt an der ICE-Schnauze auch ein zusätzlicher Aufbau auf. "Ziel ist es immer, Technologien marktreif zu bekommen." Durch den großen Partner DB ist es nicht nur Weltkonzernen wie Siemens Mobility, sondern auch kleineren Firmen möglich, ihre Entwicklungen zu testen und zu perfektionieren. Gerade kleinen Unternehmen fehlen oft die Möglichkeiten, ihre Entwicklungen voranzubringen. Hier sei man gern der starke Partner, der helfe, so Rohrschneider.

Zu den ICE-Gästen des Exklusiv-Halts für Schwarzenberg gehörte auch Alexander Päßler aus Schwarzenberg, der in Zwickau Informations- und Kommunikationstechnik studiert. Er ließ sich von Lokführer Volker Grube unter anderem einige Details im Führerstand erklären. "Mein Interesse wurde bereits in der Kindheit geweckt. Ich habe mich schon immer für Züge interessiert", sagt der 20-jährige Student. Beim Testzug wollte er vor allem mehr über die Hinderniserkennung erfahren. Nicht nur die Datenflüsse innerhalb des Zugs seien interessant, sondern vor allem auch die nach außerhalb, die also zum Fahrdienstleiter gehen. "Steuerungsprogrammierung könnte später auch mal eines meiner Aufgabengebiete sein", sagt er. Einen ersten hochinteressanten Einblick in die heutigen Möglichkeiten hat der Student am Dienstagabend schon einmal bekommen.

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