Thema Lesben und Schwule - Vorbehalte offenbar noch da

Es gibt einen Landes- aktionsplan zur Akzeptanz der Vielfalt von Lebensentwürfen. Doch wie sieht es damit in der Realität im Erzgebirge aus?

Aue.

Patrick Schreiber, 38, CDU-Landtagsabgeordneter, ist schwul. Sarah Buddeberg, 36, Landtagsabgeordnete der Linken, ist lesbisch. Sie sprechen offen darüber, auch zur Podiumsdiskussion am Montagabend im Bürgerhaus Aue, zu der die Landesarbeitsgemeinschaft Queeres Netzwerk Sachsen eingeladen hatte. Schnell wird deutlich: Was Schreiber und Buddeberg zum Thema "Vielfalt und soziale Gerechtigkeit" zu sagen haben, ist jeweils politisch geprägt. Das finden einige Diskussionsteilnehmer fehl am Platz. Eunike Zobel vom Verein "Different People" wünscht sich eine Fortsetzung der Diskussion, bei der die Politik außen vor gelassen wird.

Elf Gäste folgten am Montagabend der Einladung ins Bürgerhaus. Diskutiert haben die Podiumsteilnehmer fast ausschließlich untereinander. Nur einer im Publikum meldete sich zu Wort: der Auer Stadtrat Michael Eitler (CDU). Seiner Überzeugung, dass der Glaube zu Jesus von Homosexualität befreien könne, setzte Sarah Buddeberg entgegen: "Ich bin in einem Umfeld aufgewachsen, das mir gesagt hat, dass ich falsch bin. Ich bin von Jesus frei geworden durch meine Homosexualität." Es blieb bei diesem einem verbalen Duell. Insgesamt prägten Sachlichkeit und Respekt die Veranstaltung.

Die Landesarbeitsgemeinschaft Queeres Netzwerk Sachsen ist der Dachverband der sächsischen Organisationen und Vereine, die sich für die gleichberechtigte Teilhabe von Lesben, Schwulen, Bisexuellen, trans- und intergeschlechtlichen Menschen in Sachsen einsetzen. Im Erzgebirgskreis, dem bevölkerungsreichsten Landkreis Sachsens, muss es mindestens zwischen 17.000 und 34.000 Menschen geben, die homosexuell sind. Diese Zahl stellte Eunike Zobel in den Raum - man gehe davon aus, dass zwischen 5 und 10 Prozent der Menschen lesbisch oder schwul sind. Eunike Zobel ist in Bad Schlema geboren. Homosexualität sei in ihrer Jugend im Erzgebirge nie ein Thema gewesen. "Ich glaube, das hat sich auch noch nicht geändert. Erst wenn die Leute weggehen, outen sie sich", sagte sie. Zobel koordiniert im Verein "Different People", der seinen Sitz in Chemnitz hat, das Bildungsprojekt "Akzeptanz versetzt Berge". Sie empfahl, hinter die Abkürzung LSBTTIQ zu schauen, die für lesbische, schwule, bisexuelle, transsexuelle, transgender, intersexuelle und queere Menschen steht. Wichtig sei es, ins Gespräch zu kommen, "denn hinter den Buchstaben stehen immer Menschen".

"Vorbehalte sind noch da, sie werden auch noch in nächster und übernächster Zeit da sein", sagte Frank-Peter Wieth, Landesbeauftragter für die Belange von LSBTTIQ. Er verwies auf den Landesaktionsplan zur Akzeptanz der Vielfalt von Lebensentwürfen, der im September 2017 veröffentlicht wurde. "Wir sind dabei, ihn umzusetzen, es gibt dabei noch viel zu tun, vor allem in der Überzeugungsarbeit."

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