Titel für Chemnitz: Region hofft auf Schub

Europäische Kulturhauptstadt im Jahr 2025: Davon versprechen sich auch Aue-Bad Schlema, Lößnitz und Zwönitz Vorteile. Nicht nur kulturell.

Lößnitz/Aue/Zwönitz.

Mittwochmittag, kurz vor halb zwei: Die europäische Expertenjury zur Ermittlung der Kulturhauptstadt gab ihre Entscheidung bekannt: Chemnitz wird's. Auch der Lößnitzer Bürgermeister Alexander Troll (CDU) hatte den Livestream verfolgt. "Einfach großartig", sagte er in einer ersten Stellungnahme. "Ich freue mich riesig, dass dieser Weg von Erfolg gekrönt ist und dass in ein paar Jahren Europa auf unsere Heimat schaut."

Bund und Länder müssen die Empfehlung für Chemnitz nun zwar noch in eine formelle Ernennung umwandeln, das gilt jedoch als Formsache. Lößnitz gehörte neben Aue und Zwönitz zu den 27 Kommunen, welche die Chemnitzer Bewerbung unterstützt haben. Diese Zusammenarbeit soll nun intensiviert werden. "Wir werden Lößnitzer Veranstaltungen ins Gesamtkonzept einbringen, zum Beispiel unser Keller- und Gewölbefest, das eine reine Initiative aus der Bürgerschaft ist", sagt Troll. In der Muhme hatten rund 20 Bürger in zwei Workshops erste Ideen erarbeitet, wie der Titel Kulturhauptstadt mit Leben erfüllt werden kann. Troll sieht aber auch über die Kultur hinaus viel Potenzial, wie die Region zusammenrücken kann. "Auch in anderen Bereichen."

Freude über das Votum für die ehemalige Bezirksstadt herrschte am Mittwoch auch im Auer Rathaus. "Chemnitz ist die richtige Wahl. Hier gibt es viel Kultur, die vielen Leuten aber nicht bekannt ist", so Aue-Bad Schlemas Oberbürgermeister Heinrich Kohl (CDU). Vom Titel Kulturhauptstadt verspricht er sich auch "etwas Glanz" für die Große Kreisstadt. "Als Endstation im sogenannten Chemnitzer Modell werden wir eine Rolle spielen. Das Konzept sieht vor, dass im Umland Kunstwerke international bekannter Künstler zu sehen sind."

Kohl rechnet spätestens im Jahr 2025 mit zahlreichen Besuchern, die Chemnitz erkunden, aber auch die Umgebung. "Das wird eine Aufwertung für den Tourismus bringen. Und ich hoffe, das schlägt sich auch in den Übernachtungszahlen unserer Hotels nieder." Zugleich könnte die Stadtverwaltung auch finanziell profitieren. So hofft Kohl, dass sich mit Kulturhauptstadt-Titel im Rücken weitere Fördermittel für den geplanten Umbau des Kulturhauses Aktivist in Bad Schlema akquirieren lassen. Dort könnte eines Tages die Wismut-Kunstsammlung zu sehen sein.

Auf positive Effekte hofft auch Zwönitz. "Wir glauben, dass das Erzgebirge insgesamt davon profitieren wird. Denn wer Chemnitz besucht, wird sicher auch erfahren, dass es das Erzgebirge mit seinen großen Traditionen gibt", sagt der Beigeordnete Andy Kehrer. Die Stadt könne diese Sogwirkung ausnutzen. Kehrer sieht vor allem die verkehrstechnische Anbindung an die zukünftige Kulturhauptstadt, von der auch das Erzgebirge profitieren könnte. "Für Chemnitz ist das ein wirklich großer Erfolg, wir sind gespannt, was sich daraus entwickelt."

11 Kommentare

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    RebelYell
    05.11.2020

    "Als Endstation im sogenannten Chemnitzer Modell werden wir eine Rolle spielen. Das Konzept sieht vor, dass im Umland Kunstwerke international bekannter Künstler zu sehen sind."

    Zum Glück haben sich vor etwa 5 Jahren, bei Bekanntwerden der Pläne die Strecke nur bis nach Thalheim zu auszubauen, viele Mitstreiter gefunden um den Ausbau der kompletten Strecke bis Aue zu fordern, was letztlich auch umgesetzt wird. Ich bin mir jetzt nicht mehr ganz sicher, ob Herr Kohl da dabei war....