Trauer und Tod sind Teil des Lebens

In der nächsten Woche startet in Johanngeorgenstadt ein spezielles Projekt für Grundschüler: "Hospiz macht Schule". Ist das nicht zu früh?

Johann'stadt/Erlabrunn.

Wann und vor allem wer erklärt Kindern das Sterben? Oder hält man das Thema von Kindern doch besser fern? "Keinesfalls", sagt Anette Loos vom ambulanten Hospizdienst in Erlabrunn. Schließlich gehörten Tod und Trauer zum Leben dazu.

In einer speziellen Projektwoche werden sich sieben ehrenamtliche Hospizhelfer in der kommenden Woche mit den Viertklässlern der Grundschule Johanngeorgenstadt diesem Thema nähern. "Kinder haben viele, sehr rationale Fragen zum Thema Tod", weiß Anette Loos. Die Koordinatorin des Hospizdienstes weiß auch um die Sorgen und Ängste der Eltern. "Deshalb gibt und gab es im Vorfeld des Projekts auch einen Elternabend", berichtet sie. Natürlich seien dort viele skeptische Fragen aufgekommen.

"Jeder Mensch hat eine eigene Trauerbiografie. Die beginnt zumeist mit dem Verlust eines Haustiers", sagt Anette Loos. Sie kenne viele Erwachsene, die heute rückblickend noch sagen: "Es hat mir nie jemand erklärt." Dabei spiele gerade im Kindesalter das Verstehen von Wachsen und Vergehen eine große Rolle. Loos stellt fest: "Die Antworten, die Kinder auf ihre Fragen zum Tod bekommen, prägen ungemein." Aber Kinder seien da auch sehr rational. "Sie fordern sachliche Informationen", so Loos. Es entstehe in Kindern eine innere Diskrepanz, wenn beispielsweise gesagt wird: "Jetzt hat die Oma keine Schmerzen mehr, jetzt geht es ihr gut" - und dennoch alle weinen.

Das Projekt ist weder tieftraurig noch düster. Im Gegenteil. In Gruppen von maximal fünf Kindern geht es um Farben, geht es zunächst um Lebenläufe und Entwicklung, um Krankheit und um Hilfe. Aber es geht auch um Trost und Trösten. Doch das Allerwichtigste sei, dass die Mädchen und Jungen in den kleinen Runden oder ganz individuell ihre Fragen zum Thema Tod stellen oder selbst darüber erzählen können. "Das Projekt haben aber nicht wir in Erlabrunn uns ausgedacht, sondern es gibt solche Angebote bundesweit. Deshalb können wir dabei auch auf kurze Filme der Kindersendung ,Willi will's wissen' zurückgreifen", erklärt Anette Loos. Reporter Willi Weitzel gibt in dieser Sendereihe kindgemäße Antworten auf unzählige Fragen. So wird erklärt, was ein Bestatter macht. "Das ist aber nur ein winziger Bruchteil des Projekts. In der Hauptsache reden wir mit den Kindern, sie können ihre Vorstellungen schildern oder malen." Dabei werde auch keinerlei konfessionelle Sichtweise vermittelt, aber sehr wohl erwähnt, dass es unterschiedliche Vorstellungen vom Jenseits gibt. Schulleiterin Susanne Brückner, die das Projekt jetzt schon zum zweiten Mal an ihre Schule holt, sagt: "Auch wir Lehrer waren anfangs skeptisch. Aber das Projekt ist so toll. Es gab danach durchweg positive Reaktionen."

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