Trinkwasser: Niedrigstand in Talsperre lässt Versorger kalt

Trotz der Dürre im vergangenen Jahr war die Versorgung im Erzgebirge nie in Gefahr. Um dennoch für weitere Extrem- situationen gewappnet zu sein, sind Investitionen geplant. Für Verbraucher hat der Zweckverband gute Nachrichten.

Aue/Schwarzenberg.

Viel Sonne, kaum Regen. Der Traumsommer des vergangenen Jahres hat bei der Trinkwasserversorgung im Erzgebirge Spuren hinterlassen. Bis weit in den Dezember musste Wasser mit Tankwagen von Zwönitz und Langenberg aus nach Elterlein gefahren werden, weil die Reserven im dortigen Hochbehälter an der Grünhainer Straße erschöpft waren.

"Aus den lokalen Quellgebieten kam nichts mehr nach", sagt Frank Kippig, Geschäftsführer des Zweckverbands Wasserwerke Westerzgebirge (ZWW). Der Verband versorgt den Altkreis Aue-Schwarzenberg sowie Zwönitz und Elterlein mit Trinkwasser. Circa ein Drittel des Wassers stammt aus oberirdischen Quellen und unterirdischen Tiefbrunnen, der Rest aus den Talsperren Sosa, Carlsfeld und Eibenstock. "Die Wassermenge, die wir aus Flüssen, Bächen und über Drainagerohre auf Wiesen sammeln, war in der Zeit der Trockenheit auf ein Zehntel der üblichen Menge zurückgegangen", sagt Kippig. Dennoch sei die Versorgung der ans öffentliche Trinkwassernetz angeschlossenen Kunden nie in Gefahr gewesen. "Wer einen Anschluss hat, wird beliefert, egal, wie wir das schaffen."

Laut Kippig hätte auch eine länger anhaltende Dürre der Trinkwasserversorgung nichts anhaben können. "Wäre es so weitergegangen, hätten die Reserven bis April 2020 gereicht", sagt er. Ute Gernke, die Geschäftsführerin des Verbands Fernwasser Südsachsen, bestätigt das: "Die Landestalsperrenverwaltung hatte für ihre Talsperren bei weiter anhaltender Trockenheit bis April 2020 einen Stauinhalt von mindestens 60 Prozent des Stauziels prognostiziert." Leer wären die Wasserspeicher auch dann nicht gewesen.

Der Fernwasserverband betreibt mit seiner Südsachsen Wasser GmbH ein Netz von Pumpwerken und Leitungen. Führt eine Talsperre wenig Wasser, kann dies durch Umlegen von Schiebern und Schaltern durch erhöhten Zufluss aus anderen Talsperren ausgeglichen werden. Auch die Pumpstationen, Hochbehälter und Tiefbrunnen des ZWW gehören zu diesem sachsenweiten Verbundsystem.

Als viele Quellgebiete während der Trockenheit kaum noch Wasser für den Großraum Schwarzenberg/Grünhain-Beierfeld lieferten, kompensierte der ZWW dies mit zusätzlichem Wasser aus dem Tiefbrunnen "St. Katharina" in Langenberg sowie durch mehr Wasser aus den Talsperren Sosa und Carlsfeld.

Die Trinkwasserversorgung in Lößnitz wurde vor allem im Juli und August über den sogenannten Auer Ring abgesichert, weil das Pumpwerk in Thierfeld die benötigten Mengen nicht mehr bereitstellen konnte. "Das Wasser der Lößnitzer kam vorübergehend nicht aus Eibenstock, sondern war ein Mix aus Eibenstocker und Sosaer Wasser", sagt ZWW-Chef Kippig. "Gemerkt hat das keiner."

Das Verbundsystem hat sich in der Zeit der Dürre bewährt und soll weiter vervollkommnet werden. So plant der ZWW derzeit den Bau einer 1200 Meter langen Wasserleitung von Langenberg nach Schwarzbach, um Tanklastertransporte nach Elterlein überflüssig zu machen, falls die dortigen Quellgebiete erneut schwächeln. Ende 2019 soll die Leitung samt zweier neuer Pumpwerke fertig sein. Eine weitere Verbundleitung wird zwischen Dorfchemnitz und Niederzwönitz verlegt, der Bau der Wasserleitung in Dittersdorf, die die Versorgung in Lößnitz verbessern soll, wird in diesem Jahr fortgesetzt.

Trotz dieser und anderer Investitionen verspricht der ZWW seinen Kunden Gebührenstabilität für die nächsten drei Jahre. "Von 2019 bis 2021 wird es keine Erhöhungen geben, das hat die Verbandsversammlung beschlossen", sagt Kippig. Auch die Abwassergebühren bleiben konstant. Abgesichert werde das durch Einsparungen an anderen Stellen. "Wir konnten Verluste durch Rohrleitungslecks minimieren und gewinnen mehr unserer Energie durch eigene Fotovoltaikanlagen", erklärt Kippig.

Bewertung des Artikels: Ø 5 Sterne bei 1 Bewertung
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...