Tüftler wagen den nächsten Schritt

Unternehmer aus dem Erzgebirge und darüber hinaus haben in Marienberg Innovationen gezeigt. Was ihnen oft fehlt, sind die richtigen Kontakte.

Annaberg-Buchholz/Marienberg.

Ist das Erzgebirge nur eine Art verlängere Werkbank? Nein, findet Jana Dost, Geschäftsführerin der Industrie- und Handelskammer, Regionalkammer Erzgebirge. "Das sehe ich nicht so." Schließlich gebe es in der Region viele gute Innovationen und Erfindungen. Das Problem: Oft sind sie nicht bekannt genug. Denn der Erzgebirger neige etwas zur Bescheidenheit.

Damit sich dies ändert, fand in der vorigen Woche in Marienberg eine Innovationsmesse statt. Auf dem Gelände des Netzwerkzentrums August Stark trafen sich rund 60 Unternehmer, um sich gemeinsam auszutauschen, um Kontakte zu knüpfen und nicht zuletzt, um ihre Innovationen bekannt zu machen. Ein Teil von ihnen stellte selbst aus. Auch mehrere Bürgermeister tummelten sich vor den Ständen.

Wie schwer es ist, aus einer guten Idee einen wirtschaftlichen Erfolg werden zu lassen, weiß Andrea Steinert, Geschäftsführerin des Netzwerkzentrums sowie Chefin einer Werbeagentur. Nicht selten landen ihren Worten zufolge die Konzepte vorerst wieder in der Schublade, etwa weil es an ausreichend Zeit fehlt. All zu oft gebe es Fallstricke. Sie wolle daher Menschen zusammenbringen, sodass diese letztlich voneinander profitieren können. Mit der Messe sei ein wichtiger Schritt in diese Richtung gelungen.

Das sah auch Jana Dost von der IHK so. Gerade bei der jüngeren Generation sei angesichts sozialer Medien das Netzwerken längst verbreitet. Dennoch bestehe im Erzgebirge im Vergleich zu anderen Regionen Deutschlands noch Nachholbedarf.


Warm ums Herz

Rainer Mau aus Raschau-Markersbach präsentierte einen praktischen Alleskönner. Der Alpenofen, der von seinem Sohn Steffen Mau erdacht wurde und vertrieben wird, wärmt an kalten Winterabenden Hände, Füße und den Rest des Körpers. Ganz nebenbei bietet er die Möglichkeit, zum Beispiel Fleisch zu grillen. Unten wird er befeuert, in der Mitte gibt es eine Auflagefläche für das Grillgut, und oben zieht der Rauch aus der Esse. "Es gibt verschiedene Varianten", sagte Rainer Mau. So können sich die Gäste auch auf Bänke setzen und auf diese Weise schöne Abende verbringen. Laut dem 71-Jährigen wurden Exemplare schon in Ländern wie Frankreich und Holland verkauft. Nicht nur im Erzgebirge, sondern auch im Alpenraum komme die Idee gut an. "Es gibt nichts Vergleichbares." Der Ofen sei patentiert. (geom)


Herumgeflachst

Johannes Loos vom Mildenauer Unternehmen Norafin wartete mit einer neuartigen Tapete auf. Sie besteht aus Flachs, der in Frankreich angebaut wird. Denn in Deutschland ist die Pflanze auf den Feldern trotz ihrer Verwendungsmöglichkeiten oft nicht mehr anzutreffen. Für Loos bietet der Flachs eine Reihe von Vorteilen. So besitzt die Tapete gute Isoliereigenschaften. "Das ist bereits zu spüren, wenn man die Hand auflegt", sagte Loos. Die Tapete fühle sich etwas wärmer an. Zudem biete sie eine besondere Optik. Kleine Fasern sind zu erkennen. Diese Naturbelassenheit komme bei den Kunden gut an. Da die Geschmäcker verschieden sind, gebe es auch mit Motiven bedruckte Tapeten. Derzeit findet die Innovation vor allem in Mitteldeutschland Abnehmer. Aber auch in alle anderen Bundesländer werde geliefert. (geom)


Blaue Stunde

Marcel Manig vom Schilderwerk Beutha hat mit seinen Mitstreitern schon viele Unfälle verhindert. Möglich machte das die Erfindung eines Jägers. Er entwickelte spezielle Wildwarnreflektoren. Sie befinden sich an Leitpfosten und halten Rehe, Wildschweine und Co davon ab, bei Verkehr die Straße zu überqueren. Die Reflektoren sind halbrund und mit blauer Folie beklebt. So ergibt sich eine Art Lichtzaun, der die Tiere zurückhält. Das kommt auch den Autofahrern zu Gute. Im Erzgebirge und darüber hinaus sind die Reflektoren zu finden. Der Erfinder habe seine Idee an das Schilderwerk verkauft, so Manig, der als Vertriebsleiter tätig ist. Ein Gebrauchsmuster liege vor. Andere Hersteller hätten inzwischen Ähnliches im Sortiment. Die Firma setzt auf weitere Innovationen, etwa auf blinkende Schilder. (geom)


Voller Energie

Udo Süssmilch aus Seiffen will mit seiner Laderobe den Zeitgeist treffen. Das Möbelstück wird an der Wand befestigt. An der Unterseite befinden sich Haken für Jacken, Schlüssel und sonstiges. "Wer nach Hause kommt, kann auch seinen Tabletcomputer und sein Handy ablegen." Dafür sind Aussparungen vorgesehen. Das Besondere: Die Technik kann gleich aufgeladen werden. Denn die Laderobe bietet die Möglichkeit, das Ladekabel anzustecken. Das Möbelstück soll zwischen 150 und 200 Euro kosten und in den Holzarten Zirbelkiefer, Nussbaum, Eiche und Kernbuche angeboten werden. Entworfen wurde die Laderobe von einem Designer aus Berlin. "Wir arbeiten mit ihm seit Längerem zusammen", erklärte Udo Süssmilch, der mit seinem Unternehmen auch für viele andere Lebenslagen individuelle Möbel herstellt. (geom)


Mit Licht und Bogen

Heiko Schilling aus Drebach hat einen modernen Lichterbogen entworfen. Der 44-Jährige arbeitet als Architekt und ist mit den Traditionen des Erzgebirges verbunden. Genau das spiegelt sich in seiner Innovation wider. So ist auf dem Lichterbogen eine Weihnachtskrippe zwischen modernen Häusern zu sehen. Geometrische Formen dominieren, wie das Viereck. Dennoch gibt es kaum Symmetrie. Der Clou des Lichterbogens: Heiko Schilling möchte ihn so weiterentwickeln, dass sich die einzelnen Elemente umstecken, also neu anordnen lassen. Momentan gibt es den Lichterbogen als Prototyp. Schilling will zunächst 250 herstellen lassen und sie vor allem über das Internet verkaufen. Sein Hauptgeschäft bleibe die Architektur. Fünf Angestellte hat Schilling, sie beschäftigen sich etwa mit ökologischem Hausbau. (geom)

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...