Unmut in Rittersgrün: Sparkasse will Servicestelle im Ort schließen

Das Kreditinstitut dünnt das Netz seiner Filialen im Erzgebirge aus und führt wirtschaftliche Gründe an. Diese stellen sich aus Sicht betroffener Gemeinden aber mitunter anders dar. Und deshalb schrieb ein Ortschaftsrat einen Brief.

Rittersgrün.

Personal gibt's in der Rittersgrüner Filiale der Sparkasse schon lange nicht mehr. Nun aber soll auch die rund um die Uhr geöffnete Selbstbedienungs-Servicestelle in der Karlsbader Straße 57 a, in der ein Geldautomat inklusive Kontoauszugsdrucker steht, zum 11. Januar 2021 geschlossen werden.

"Als das bekannt wurde, kamen binnen weniger Tage sehr viele Bürger auf die Ortschaftsräte zu", sagt Ortsvorsteher Thomas Welter. "Wir hörten massive Unmutsäußerungen, aber auch konstruktive Meinungen und schlüssige Erklärungen zu den Ursachen für die zurückgegangene Nutzung." Im Namen der Ortschaftsräte und der Rittersgrüner Vertreter im Gemeinderat Breitenbrunn schrieb Welter einen Brief an die Geschäftsleitung der Erzgebirgssparkasse. "Um zumindest erst einmal eine Verlängerung bis Ende 2021 zu erreichen", sagt er. Wichtige Faktoren seien beim Beurteilen der Zahlen offenbar nicht berücksichtigt worden. "Wir wollen den Bürgern zeigen, dass wir als Räte auch in diesem Fall etwas tun und nicht alles klaglos hinnehmen."

Der Trend zeige auch am Geldautomaten in Rittersgrün deutlich nach unten, heißt es seitens der Sparkasse. Dort habe es im vorigen Jahr nur 17.900 Transaktionen gegeben, 53 Prozent weniger als bei einem durchschnittlich genutzten Automaten der Erzgebirgssparkasse, sogar 69 Prozent weniger als bei einem Automaten in Ostdeutschland. "Die Anzahl der Verfügungen ging in den letzten fünf Jahren kontinuierlich um insgesamt 33 Prozent zurück. Und sie wird weiter sinken, weil unsere Kunden verstärkt Kartenzahlungen im Handel nutzen", argumentiert das Kreditinstitut.

Den Rückgang sieht man im Ort allerdings anders. "Neben der Corona-Pandemie mit ihren Folgen ist zu beachten, dass Rittersgrün im vorigen Jahr über einen langen Zeitraum straßentechnisch nicht wie gewohnt erreichbar war", betont der Ortsvorsteher. Ein Vergleich mit anderen Standorten komme hier dem Vergleich von Äpfeln und Birnen nahe. "Langzeitige Sperrungen der Staatsstraße in Pöhla und in Tellerhäuser oder auch von Breitenbrunn aus erschwerten die Erreichbarkeit von Rittersgrün", so Welter. "Insbesondere der Durchgangsverkehr in Richtung Oberwiesenthal und Tschechische Republik war stark beeinträchtigt. Das dürfte zwangsläufig zur verminderten Nutzung des Rittersgrüner SB-Standorts, zum Beispiel im Vergleich zu dem Automaten in Antonsthal, geführt haben." Ebenso sollten die Kosten für einen Automatenstandort nicht allein von der Nutzungshäufigkeit abhängen, da es ja überall Grundkosten gebe.

Die Sparkasse will die Bargeldversorgung ihrer Kunden weiterhin sichern und deshalb - neben der weiter bestehenden Filiale in Breitenbrunn und der SB-Servicestelle in Antonsthal - in Rittersgrün einen Geschäftspartner suchen, der eine Bargeldauszahlfunktion mit einem Überweisungsbriefkasten anbieten kann. Kontoauszüge könnten zugesandt oder über das elektronische Postfach bezogen werden.

Die Suche nach einem geeigneten Partner hält der Ortsvorsteher für schwierig, "auch weil in Frage kommende Geschäfte nicht alle Sparkassenkunden sind". Er hofft auf eine konstruktive Antwort aus Annaberg. Vor allem ältere und konservative Bürger im Ort würden weiter überwiegend auf den Einsatz von Bargeld setzen. Auch örtliche Händler, Gewerbetreibende und Einrichtungen stellen ihre derzeitigen Geschäftsmodelle fast ausschließlich auf die Barzahlung ab. "Auch deshalb ist ein Geldautomat wichtig."

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