Urlaub auf einer einsamen Insel für ein ungewöhnliches Hobby

Drei Wochen hat Jonathan Oeser auf der Greifswalder Oie verbracht. An Ausschlafen war da nicht zu denken.

Grünstädtel.

Ein Leuchtturm, ein Haus für die Seenotretter und das Haus "Inselhof" - mehr gibt es nicht auf der Greifswalder Oie. Nur eine Frau, Stella Klasan, wohnt ganzjährig dort, und natürlich ist die 29-Jährige selbst auch Ornithologin. Diese Abgeschiedenheit ist genau das, was Jonathan Oeser gefällt. Drei Wochen hat der 17-jährige Gymnasiast dort verlebt und war dabei seinem Hobby - den Vögeln - ganz nah.

"Seit ich vier Jahre alt bin, faszinieren mich Vögel", sagt der junge Mann. Sein Vater und sein Opa hätten seine Aufmerksamkeit auf die gefiederten Freunde gelenkt und ihn in seinem Hobby stets bestärkt. Jetzt durfte der 17-Jährige erstmals als Beringungshelfer tätig werden. "Das ist Bestandteil des integrierten Monitorings von Singvogelpopulationen", erklärt Jonathan Oeser.

Doch wie kommt ein junger Erzgebirger an die Küste und zu so einem Job? "Dieter Kronbach hat mich gefragt, ob ich das gern mal machen würde", lautet die Antwort. Kronbach ist ein angesehener Vogelkundler aus Limbach-Oberfrohna und seit 1976 ehrenamtlich für die Vogelwarte Hiddensee aktiv. Zudem ist er Mitglied im Beirat des Vereins Sächsischer Ornithologen.

Vom 31. Juli bis 18. August war Jonathan Oeser auf der wahrlich einsamen Insel Greifswalder Oie. Doch er war nicht allein. "Wir waren mal acht oder mal zehn Leute, darunter viele Sachsen, zwei Kubaner, aber auch Österreicher", berichtet der Gymnasiast. An Ausschlafen war allerdings nicht zu denken. 7.30 Uhr wurde zum Frühstück gerufen, danach ging es an die Netze.

Die großen, feinmaschigen Fangnetze sind gespannt und werden aller sechs Stunden kontrolliert. Die Beringungshelfer sammeln die Tiere sorgsam ein, und stecken sie zunächst einzeln in blickdichte Leinenbeutel. "So transportieren wir sie zum Beringungshaus", berichtet er. Dort angekommen, werden die Tiere vorsichtig aus den Beuteln genommen und einer genauen Prüfung unterzogen, bevor sie beringt werden. "Dabei wird zunächst Alter und Geschlecht des Vogels bestimmt. Das Gefieder angeschaut, der Flugmuskel kontrolliert, mit einem Speziallineal die Flügel- und Federnlänge gemessen." Das alles wird codiert notiert. Dann werden sie beringt. Dafür haben die Helfer Ringe in unterschiedlichsten Größen. Auf den Ringen steht eine Zahlen-und-Buchstaben-Kombination, die dem Fachmann Auskunft gibt, wo und wann dieser Vogel registriert wurde. Drei Beringungszentralen gibt es: Hiddensee, Rudolfzell und Helgoland.

Noch darf Jonathan Oeser nur als Beringungshelfer tätig sein. Wenn er 18 ist, werde er aber seinen Beringungsschein ablegen, weiß er ganz sicher. Das steht ebenso schon fest, wie der nächste Aufenthalt auf der Oie in den Herbstferien. Und geht alles nach seinen Wünschen, absolviert er 2020/21 ein Freiwilliges Ökologisches Jahr auf der einsamen Insel, die für ihn alles andere als langweilig ist.

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