Verein muss weiter ohne Zugpferd planen

Am Ostersonntag startet der Verein Sächsischer Eisenbahnfreunde seine erste Sonderfahrt 2020. Für solche Angebote steht die Dampflok 50 3616-5 aber noch immer nicht zur Verfügung. Der Oldtimer ist zur Kur - frühestens im Oktober kehrt er nach Schwarzenberg zurück.

Schwarzenberg.

Wenn die 1940 gebaute Dampflok 50 3616-5 mit ihre rund 1500 Pferdestärken den Sonderzug des Vereins Sächsischer Eisenbahnfreunde (VSE) durch die Lande zieht, ist das für die Fahr- und die Zaungäste immer ein besonderes Erlebnis. Seit knapp drei Jahren aber ist das vereinseigene Dampfross wegen eines Kesselschadens außer Betrieb. "Deshalb müssen wir auch in diesem Jahr bei Dampf-Sonderfahrten auf zuverlässige Partner bauen, die betriebsfähige Dampfloks haben", erklärt Axel Schlenkrich, Geschäftsführer des in Schwarzenberg ansässigen VSE. Das Sonderfahrtenprogramm, das am Ostersonntag beginnt, ist auch 2020 reichhaltig.

Die Kesselinstandsetzung an der "50er" wird mit deren ohnehin fälligen Hauptuntersuchung verbunden. Dazu steht die Lok seit Herbst 2017 im Dampflokwerk Meiningen. Die Geduld des Vereins, der sein Zugpferd dringend braucht, wird arg strapaziert. "Im Dezember 2019 gab es zum ersten Mal die von uns lange geforderte Abstimmung zwischen dem Werk, dem Kesselsachverständigen, der die Hauptuntersuchung des Dampferzeugers begleitet, und unserem Verein", sagt VSE-Vorsitzender Thomas Strömsdörfer. "Während der Besichtigung wurden die schon lange vereinbarten Arbeiten an der Rauchkammer und am Langkessel bestätigt. Am 28. Januar ist die Feuerbüchse ausgebaut worden. Nun können die an dem Projekt Beteiligten weitere Festlegungen für diesen Teil des Kessels treffen."

Der Vereinsvorstand, der immer auch die Finanzierung des Vorhabens im Blick haben muss, hat sich entschlossen, den in der VSE-Spendenaktion laufenden Baustein 4 "Zusatzarbeiten am Langkessel" bis zum 30. September 2020 zu verlängern. Zu den Kosten des Gesamtvorhabens ist laut Schlenkrich noch keine endgültige Aussage möglich, weil dazu belastbare Angaben aus dem Werk noch nicht vorliegen. "Eine halbe Million Euro ist für so eine Hauptuntersuchung aber keine ungewöhnliche Größenordnung", erklärt der Eisenbahnfreund. Der Verein hat Fördermittel beantragt, hofft auf bis zu 70 Prozent Förderquote. "Das funktioniert aber nur, wenn Eigenmittel da sind. Darum hilft auch jeder Euro aus der Spendenaktion", so Schlenkrich. Aktuell läuft ein Antrag des Vereins zur Verlängerung des Förderzeitraums bis Ende 2020. Die Fördermittelstelle will dazu voraussichtlich noch im ersten Quartal eine Entscheidung treffen.

Als sich Vereinsmitglieder Ende Januar in Meiningen vom aktuellen Stand der Arbeiten ein Bild machten, erhielten sie auch die Auskunft, dassdie Arbeiten am Fahrwerk der Lok parallel zu den einen längeren Zeitraum in Anspruch nehmenden Tätigkeiten am Kessel stattfinden. Dazu erhalte der Verein in Kürze den lange angekündigten Meilensteinplan. "Als neuen geplanten Fertigstellungstermin nannte uns das Werk den Oktober 2020", so Strömsdörfer. Er ist nicht sicher, ob der Termin zu halten ist und die Lok noch 2020 wieder zum Einsatz kommt. Deutlichen Baufortschritt gibt es am Tender. Das Erneuern der Aufbauten wurde an die Firma Wisag in Brieske vergeben. Die verschlissenen Wasser- und Kohlebehälter werden derzeit völlig neu gebaut, alle anderen Teile bedarfsweise ausgebessert.

Auf den VSE wartet schon das nächste Projekt: Die Untersuchung des Speisewagens ist angelaufen. "Auf jeden Fall müssen die Achsen gewechselt werden", sagt Schlenkrich. Trotz umfangreicher Eigenleistungen des Vereins wird auch für dieses Projekt jeder Euro gebraucht.


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