Viola Krebs putzt wie so viele und ist doch ein Sonderfall in Sachsen

Das Beispiel einer behinderten, jungen Frau zeigt: Wenn alle es wollen, sind große Fortschritte möglich, die zu einem neuen Selbstwertgefühl verhelfen.

Johanngeorgenstadt.

Wenn Viola Krebs heute ihre Wohngruppe verlässt und zum Heim rübergeht, dann geht die 37-Jährige auf Arbeit. Das macht sie stolz und glücklich. Schnell streift sie sich ihren Arbeitskittel über, schnappt sich den Rollwagen mit all den bunten Eimern und Putzgeräten, und schon geht es los: Sie säubert die Zimmer der Heimbewohner, wischt die Gänge, reinigt die Bäder. Das macht sie mit System, denn das hat sie gelernt. Und seit 1. November tut sie all dies mit einem richtigen Arbeitsvertrag (fünf Stunden am Tag) in der Tasche.

Für die 37-jährige Frau, die mit körperlichen und geistigen Beeinträchtigungen lebt, ist das ein wichtiger Schritt und ein enormes Plus an Selbstwertgefühl. "Mir macht die Arbeit hier richtig Spaß", sagt sie selbst und schwingt eifrig den Schrubber. Bis Sommer 2014 hat sie selbst im Haus Fichtelbergblick gewohnt. Dann zog sie mit sechs anderen in eine Außenwohngruppe. Diese sechs fahren in die Werkstatt der Lebenshilfe nach Schwarzenberg, um dort einer Tätigkeit nachzugehen. "Das kam jedoch für Frau Krebs aus verschiedenen Gründen nicht infrage", erklärt Thoralf Bode. Er ist der Geschäftsführer der Erzgebirgischen Krankenhaus- und Hospitalgesellschaft (EKH) Schwarzenberg, die das Heim für Menschen mit Behinderung in Johanngeorgenstadt unterhält. Um der jungen Frau aber auch einen sinnvollen Lebens- und Arbeitsalltag zu geben, kam man auf die Idee, sie im hauseigenen Hauswirtschaftsbereich auszubilden.

Für diese "Ausbildung", die als eine Art Praxisbaustein gewertet werden kann, wurde das Eingangsverfahren und der Berufsbildungsbereich der Werkstatt für behinderte Menschen von der Agentur für Arbeit im Rahmen des persönlichen Budgets bewilligt und gefördert.

Viele Absprachen, Arbeitstreffen und Termine waren notwendig, um Details abzustimmen und Anträge zu stellen, bis der Startschuss fiel. Quartalsweise trafen sich alle Beteiligten, um den aktuellen Stand und das weitere Vorgehen zu besprechen. Da kamen stets viele Leute an einen Tisch: die Geschäftsleitung der EKH, die Praxisanleiter, der gesetzliche Betreuer der jungen Frau und Vertreter des Integrationsfachdienstes, der Arbeitsagentur sowie des Kommunalen Sozialverbandes Sachsen, der dieses Arbeitsverhältnis über das Budget für Arbeit fördert. "Wie Andrea Kampf vom Integrationsfachdienst sagte, ist dies der erste ihr bekannte Fall, der in Sachsen bewilligt wurde", hebt Geschäftsführer Bode hervor.

Insgesamt 27 Monate umfasste die Maßnahme, die sonst eben an eine Werkstatt für behinderte Menschen gebunden ist. Doch für Viola Krebs wurde diese individuelle Möglichkeit des Anlernens, der Teilhabe am Arbeitsleben gefunden und gemeistert. "Es ist eine Aufgabe, die ihrem Wunsch und ihren Fähigkeiten entspricht", sagt Heimleiter Paul Schaarschmidt. Sie habe in dieser Zeit des Lernens alle Bereiche der Hauswirtschaft durchlaufen: Küche, Wäscherei und Reinigung. Doch die Sache mit dem Rollwagen und den bunten Putzgeräten ist "ihr Ding". Sichtlich stolz konnte die junge Frau am 5. November ihren Arbeitsvertrag entgegen nehmen.

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