Warum eine Angelrute am Ufer verdächtig ist

Fischwilderei spielt sich im Verborgenen ab, kommt aber zunehmend im Mode, sagen Angler. Doch manchmal wechseln Fischdiebe am Ende die Seiten.

Aue/Schwarzenberg.

Als er am Ufer des Schwarzwassers gespannte Angelschnüre entdeckte, war Matthias Moye (61) klar, dass Fischdiebe hiergewesen sind. "In dieser Gegend darf man nur mit Wurfangeln fischen, legale Angler wissen das und halten sich daran", sagt Moye.

Der Auer ist seit seinem sechsten Lebensjahr Angler. Heute gehört er zur Ortsgruppe Aue-Zelle des Anglerverbands Südsachsen und arbeitet ehrenamtlich für die Gewässeraufsicht. Mindestens zweimal in der Woche zieht er los, um entlang von Schwarzwasser und Mulde nach dem Rechten zu sehen. Der Verband hat alle Flüsse im Erzgebirge gepachtet. Um dort fischen zu dürfen, zahlen seine Mitglieder gutes Geld, bis zu 200 Euro im Jahr. Wer nicht Mitglied in einem Angelverein ist, keinen Fischereischein und keine Erlaubnis für das jeweilige Gewässer besitzt, darf auch nicht angeln. Wer es trotzdem tut, ist ein Wilderer.

Deren Anzahl hat zugenommen, sagen Angler. Statistiken gibt es darüber nicht. Zumal die Gewässeraufsicht meist nur die Hinterlassenschaften von Schwarzanglern findet: ausgelegte Reusen, gespannte Netze, weggeworfene Köderbüchsen, oder eben Schnüre, die in der Hoffnung zurückgelassen werden, dass bis morgen ein Fisch anbeißt. Mike Uhlemann, Geschäftsführer des Anglerverbands Südsachsen erklärt, dass sich solche Funde gehäuft haben. "Aber man kann daraus keine gesicherten Zahlen ableiten."

Matthias Moye spricht davon, dass er pro Jahr etwa 20 Schwarzangler erwischt. Er weist sich dann aus und sagt ihnen, dass sie etwas Verbotenes tun. Rechtliche Konsequenzen hat das selten. "Kürzlich habe ich zwei Männer am Schwarzwasser getroffen", erzählt er. "Ihre Ausrüstung verriet: Sie waren zum Fischen dort. Sie hatten keine Papiere, aber das allein reicht nicht. Wir müssen sie beim Angeln erwischen, am besten gerade dann, wenn sie einen Fisch aus dem Wasser ziehen."

Einer seiner Kollegen traf am Schwarzwasser in Lauter drei Fischwilderer, die ihm mit ihren Kampfhunden drohten. Er ließ sich nicht beeindrucken, rief die Polizei, eine Anzeige wurde aufgenommen. An der Mulde bei Bockau wollten Verbandsmitglieder Jungfische einsetzen - und überraschten einen Schwarzangler, der mit der Rute im Fluss stand. In beiden Fällen drohen den Fischdieben Geldstrafen, auch Freiheitsstrafen bis zu zwei Jahren sind theoretisch möglich. Aber eine Strafverfolgung ist selten. Im Jahr 2014 gab es im Bereich der Polizeidirektion Chemnitz kein einziges Verfahren wegen Fischwilderei. Im vorigen Jahr waren es sechs. "Für dieses Jahr verzeichnen wir bislang eine rückläufige Tendenz", sagt Polizeisprecher Rafael Scholz.

Allerdings zeigen die Angler auch nicht jeden Wilderer an. So mancher fische aus Unwissenheit ohne Erlaubnis, sagt Verbandsgeschäftsführer Uhlemann. In jedem Bau- und Supermarkt wird mittlerweile Angelausrüstung verkauft, als wäre es Alltagsware. Das trägt vermutlich zu einem nachlassenden Unrechtsbewusstsein bei.

Im vorigen Jahr erwischte Matthias Moye zwei Jugendliche in der Hakenkrümme bei Aue. Der Fall war eindeutig, aber er erstattete keine Anzeige. "Die Jungs haben inzwischen ihren Fischereischein gemacht und sind heute passionierte, legale Angler", sagt er.

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