Was Büchereien im Erzgebirge ihren Nutzern bieten

Nachdem in Wolkenstein um die Öffnungszeiten der städtischen Bibliothek ein Streit entbrannt ist, diskutieren die Menschen verstärkt den Wert solcher Einrichtungen. Aber was offerieren solche Häuser im Kreisgebiet eigentlich?

Wolkenstein/Schwarzenberg.

Für manchen ist die örtliche Bibliothek nur eine von mehreren freiwilligen Leistungen einer Kommune. Für andere wiederum stellt das Haus eine der wichtigsten Kultureinrichtungen überhaupt dar: zum Lesen, als Treffpunkt, für Kulturveranstaltungen, als pädagogisch wichtige Einrichtung für den Nachwuchs. In Wolkenstein wurde jüngst eine Debatte über die Kürzung von Bibliothekszeiten losgetreten. Nutzer und Unterstützer machen sich für die Bibliothek stark und fordern den Erhalt der bisherigen Öffnungszeiten. Kritiker wollen mit ihrem Vorstoß hingegen Kosten senken, die der Kommune durch die Einrichtung entstehen. Stellt sich die Frage: Was bekommen Nutzer im Erzgebirgskreis in ihrer Bibliothek geboten?

Beim Vergleich wird deutlich, dass sich die Angebote durchaus unterscheiden: Nutzer in Olbernhau müssen gar keine Jahresgebühr zahlen, während Wolkenstein nach einer Änderung der Gebührensatzung nun am oberen Limit liegt. Dafür hat die Bergstadt im Verhältnis zu größeren Städten ein vergleichsweise umfassendes Medienangebot und bietet kostenfreie W-Lan-Nutzung mit dem eigenen Laptop an.

"Wir haben auch samstags geöffnet. Da kommen oft ganze Familien, um auszuleihen, bleiben manchmal zwei Stunden", sagt die Schwarzenberger Bibliotheksleiterin Cornelia Krätzschmar. Erst 2017 hatte die Stadt gut 75.000 Euro in Renovierung und Modernisierung der Einrichtung investiert. "Das wirkt sich positiv auf die Aufenthaltsdauer vieler Nutzer aus", so Krätzschmar. Die Leihfrist entliehener Medien wurde während der Schließung automatisch verlängert, rund um die Uhr war die Onlinebibliothek nutzbar. 2018 wurden 52.000 Entleihungen registriert, 2000 mehr als im Jahr zuvor. Das Veranstaltungsprogramm wird derzeit präzisiert: Schwarzenberg blickt 2019 auf 100 Jahre städtisches Bibliothekswesen zurück.

Je nach lokalem Hintergrund setzen Bibliotheken auch inhaltliche Schwerpunkte. In Zschopau ist das beispielsweise der Fahrzeugbau. "Wir haben dazu ein Sondersammelgebiet und viel spezifische Literatur", so Leiterin Silke Dost. Das liege vor allem an der Geschichte des Fahrzeugbaus und der Tradition von DKW und MZ in Zschopau. Stolz ist Dost auch auf die Geschichte des eigenen Hauses: "2018 konnten wir das 155-jährige Bestehen feiern."

In der Stollberger Bibliothek spielt die Geschichte der Haftanstalt Schloss Hoheneck eine große Rolle - in der Bücherei werden gezielt Werke zu der Einrichtung aber auch zu dem damit zusammenhängenden Thema politische Verfolgung gesammelt, wie Interimsleiterin Beate Schaub erklärt. Daneben biete das Haus Bücher zur Regionalgeschichte. Diese seien insbesondere bei Heimatforschern, Schulen und auch auswärtigen Besuchern, die nach Stollberg kommen, sehr gefragt.

Schüler- und Kindergartengruppen sind für viele Bibliotheken des Erzgebirgskreises eine wichtige Zielgruppe. So werden von Annaberg-Buchholz bis Aue Bibliothekseinführungen und Leseaktionen für die Jüngsten geboten. In Olbernhau gibt es Lesenächte, bei denen Kinder im Haus übernachten. (mit stl und bjost)

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...