Wasserwerke fordern Spezialbohrer an

Ein Mischwassersammler wird in Langenberg verlegt - auf der Ortsdurchfahrt geht derzeit nichts mehr. Der scheinbare Stillstand auf der Baustelle hat eine unterirdische Ursache: Wassereinschlüsse.

Langenberg.

Warum geht's denn mit den Bauarbeiten auf der Ortsdurchfahrt in Langenberg nicht endlich zügig weiter? Das fragen nicht nur Anwohner, Ver- und Entsorger, sondern auch Kraftfahrer, die seit Wochen Umleitungen in Kauf nehmen müssen. "Ja, es gab scheinbar einen Baustillstand auf der Elterleiner Straße in Langenberg. Aber ab Anfang September wird das Geschehen auf der Baustelle deutlich an Dynamik zurückgewinnen", sagt Frank Kippig, Geschäftsführer des Zweckverbandes Wasserwerke Westerzgebirge (ZWW). Der Verband lässt auf der Elterleiner Straße zwischen dem Abzweig Mühlstraße und dem Ortsende Richtung Schwarzbach einen Mischwassersammler verlegen. Das aktuelle Problem steckt etwas tiefer im Erdreich: Wassereinschlüsse, sogenannte Wasserlinsen.

Nachdem etwas mehr als die Hälfte der zu verlegenden 665 Meter Sammler geschafft ist, gibt es ab der Engstelle Elterleiner Straße 16 mit dem Baugrund Probleme. Kippig: "Bei einer Verlegetiefe des Sammlers von fünf bis sechs Metern muss im Bereich Elterleiner Straße 8 bis 16 mit solchen Wasserlinsen gerechnet werden. Das ergab ein weiteres Baugrundgutachten, das zusätzlich zu dem bereits vorliegenden Baugrundgutachten für diesen Bereich in Auftrag gegeben wurde."

In diesem Abschnitt ist die Kanaltrasse extrem eng, die Gebäude stehen an der Straßenkante. "Darum scheidet eine Fortführung des offenen Kanalbaus in diesem etwa 200 Meter langen Teilstück aus", erläutert der Geschäftsführer. Und da der zu verlegende Sammler dort nur 0,8 Prozent Gefälle hat, kann auch das klassische Bohrspülverfahren ohne Schutzrohr nicht angewendet werden, denn dafür ist ein Mindestgefälle von 3,0 Prozent notwendig. "Unter Abwägung aller noch verbleibenden Verfahren, wie einem Verfrosten der gesamten Baufläche oder dem Abstützen der betroffenen Häuser mit Bohrpfahlwänden, bleibt die geschlossene Verlegung im Pilotrohrvortrieb. Das ist ein Bohrverfahren mit Schutzrohr", erklärt Kippig.

Diese Technologie beinhaltet den Einbau eines Stahlschutzrohres mit 60 Zentimetern Innendurchmesser bei gleichzeitigem Lösen des Bodens vor dem Rohr durch ein Bohrverfahren. Dabei wird das Schutzrohr gesteuert verlegt - aus einer Startgrube heraus bis zur Zielgrube. Ist das erledigt, wird das Medienrohr nachgeschoben und später verdämmt.

Dieses Pilotbohrverfahren wenden nur wenige Spezialbohrfirmen an. Eine davon ist die Bohr- und Frästechnik GmbH aus Saal an der Saale, die den Auftrag in Langenberg als Subunternehmen für die Scharnagl GmbH durchführen könnte. "Da für die Firma BFT ein anderer Auftrag wegfällt, kann sie die Leistung im September 2019 erbringen. Um den Baufertigstellungstermin Ende 2019 noch zu halten, habe ich eine Eilentscheidung getroffen", so ZWW-Vorsitzender Joachim Rudler. "Nur so kann die Spezialfirma mit etwas Vorbereitungszeit pünktlich beginnen und nimmt in diesem Zeitraum keine anderen Aufträge entgegen." Die Mehrkosten für den Zweckverband belaufen sich durch diesen Einsatz auf 116.800 Euro.

Zusätzlich zum Abwassersammler will der ZWW auf der vorderen Verbindungsstraße zwischen Elterleiner Straße 25 und Straße der Solidarität 16 auf rund 90 Metern die Trinkwasserleitung auswechseln: Kunststoffleitung statt uralter Stahlleitung. Das Ganze soll maximal drei Wochen dauern. Die Umleitung führt über die Straße der Solidarität.

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