Welterbe-Titel - Erzgebirge rechnet mit mehr Touristen

Studien gehen von bis zu 30 Prozent mehr Umsatz aus - Erste Ideen für Besucherzentren entwickelt

Steigende Einnahmen, höhere Investitionen, ein Ausbau der Infrastruktur, mehr Arbeitsplätze: All dies soll bereits in den kommenden Jahren Realität werden. "Freie Presse" beantwortet die wichtigsten Fragen.

Welcher Zuwachs hinsichtlich des Tourismus im Erzgebirge ist zu erwarten?


"Laut Untersuchungen könnte der Umsatz um 20 bis 30 Prozent steigen", sagt Prof. Dr. Helmuth Albrecht von der TU Bergakademie Freiberg. Entscheidend sei, wie gut sich das Erzgebirge als Welterbe vermarkte. Die Einnahmen der Tourismusbranche des Erzgebirges liegen laut Erhebungen derzeit bei rund 900 Millionen Euro im Jahr. "Allein bei einer Zunahme von 10 Prozent würden sie um etwa 90 Millionen Euro steigen", so Albrecht. Unter anderem würden Reiseanbieter, Gaststätteninhaber und Hoteliers profitieren. Neue Arbeitsplätze könnten entstehen. Hinsichtlich der Vermarktung sei der asiatische Raum besonders wichtig, ergänzt Ines Hanisch-Lupaschko, Geschäftsführerin des Tourismusverbandes Erzgebirge. So gibt es zum Beispiel zahlreiche japanische Touristen, die gezielt Welterbestätten besuchen.

Sind Investitionen vorgesehen?

Investitionen sind vielerorts nötig, darin sind sich die Beteiligten einig. So stehen etwa Ausgaben für die Sanierung und den Erhalt der historischen Bergbaustätten sowie für das Marketing an. Besucherzentren sollen entstehen. Auch ein Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs könnte nötig werden. Die Gesamthöhe für die kommenden Jahre ist derzeit kaum abschätzbar, erklärt Volker Uhlig, Vorsitzender des Vereins Welterbe Montanregion Erzgebirge. Der Titel bringe große Chancen mit sich, etwa in Hinblick auf EU-Fördermittel sowie Geld des Freistaates.

Werden auch die assoziierten Stätten profitieren?

Das sei schon jetzt der Fall, betont Albrecht. So habe allein der Antrag auf das Welterbe dazu beigetragen, dass Fördergeld für das Bergbaumuseum in Oelsnitz floss. Er betonte, dass unter anderem auch das Kalkwerk in Lengefeld nicht außen vor bleiben soll. Es war so wie das Steinkohlerevier Oelsnitz im Antrag gestrichen worden. Durch die Konzentration auf den Erzbergbau stiegen die Chancen auf Eintragung.

Wo entstehen Besucherzentren?

"Die Standorte werden erst noch festgelegt", sagt Albrecht. Eine sinnvolle Vernetzung und Schwerpunktsetzung seien wichtig. So soll erreicht werden, dass sich Touristen möglichst viele Stätten ansehen und längere Zeit im Erzgebirge verbringen. Denkbar sei ein Besucherzen trum in Freiberg mit dem Schwerpunkt Silber. "Ein anderes könnte in Schneeberg entstehen, dort zum Thema Kobalt", so Albrecht. "In Altenberg und Ehrenfriedersdorf würde sich Zinn anbieten, im Raum Aue-Bad Schlema Uran, in Schwarzenberg Eisen." Aber auch für Orte wie Marienberg sind Anlaufpunkte vorgesehen. Weitere entstehen in Tschechien, wo sich 5 der 22 Welt erbe-Bestandteile befinden. Eine enge Zusammenarbeit ist vereinbart.

Müssen sich die Bürger in den Altstädten von Annaberg, Marienberg, Schneeberg und Freiberg aufgrund des Welterbe-Titels auf Einschränkungen, Verbote sowie neue Vorschriften einstellen?

Das sei keineswegs der Fall, sagt Helmuth Albrecht. Schon jetzt gelte der Denkmalschutz. Er regelt etwa, was bei einer Wohnhaussanierung zulässig ist. Anders kann die Situation bei Großprojekten wie Straßenbauvorhaben aussehen. Kollidieren sie mit dem Welterbe-Titel, soll das Konfliktmanagement greifen.

Welche wichtigen Aufgaben stehen an?

Die Liste der Aufgaben ist lang. Neue Broschüren werden herausgegeben. Demnächst soll die Welterbe-App erhältlich sein, die viele Informationen biete, blickt Matthias Lißke, Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung Erzgebirge, voraus. Es werden Schilder aufgestellt, so an den Autobahnen touristische Hinweistafeln. Für den 14. September ist ein Festakt geplant. In Freiberg wird die Ernennungsurkunde übergeben. geom

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...