Welterbetitel adelt Sachzeugen der Eisenhüttenindustrie

Die Entscheidung des Unesco-Gremiums bietet vielerorts im Erzgebirge Grund zur Freude - auch in Erla und in Antonsthal.

Erla/Antonsthal.

Die Aufnahme der Montanregion Erzgebirge in die Weltkulturerbe-Liste der Unesco ist Grund zur Freude auch im oberen Schwarzwassertal. So bei den Mitgliedern des 1993 gegründeten Vereins "Königlich Sächsische Antonshütte". Denn neben dem Herrenhof des Erlahammers im Schwarzenberger Ortsteil Erla-Crandorf darf sich seit der Anerkennung durch das zuständige Gremium der Unesco am Wochenende in Baku auch das sogenannte Schwarzenberg-Gebläse mit dem Welterbe-Titel schmücken.

"Dieses Gebläse, ein technisches Denkmal, gehörte zur ehemaligen Antonshütte, die ja der Ursprung der heutigen Ortschaft Antonsthal ist", erklärt Andreas Kahl, Vorsitzender des Antonshütte-Vereins. Mitglieder des Vereins widmen sich der Quellenkunde, Denkmal- und Brauchtumspflege, stellen zudem eine historische Hüttenknappschaft, die an Bergparaden teilnimmt. "Mit dem Welterbetitel wird in besonderer Weise die Bedeutung zweier herausragender Sachzeugen der hiesigen Eisenhüttenindustrie gewürdigt, die ihresgleichen suchen", so Kahl. Und der frühere Leiter des Technischen Museums Silberwäsche Antonsthal weiß auch, warum. Zum Herrenhof in Erla sagt er: "Der Erlahammer ist der wahrscheinlich älteste Eisenhammer der Region. Sein Herrenhof steht als Repräsentativbau aus der Mitte des 17. Jahrhunderts für die Bedeutung der Eisenproduktion und -verarbeitung im Erzgebirge, die in Erla in direkter Nähe des Herrenhofs bis heute fortgeführt wird."


Das "Schwarzenberg-Gebläse" erhielt diese Bezeichnung nach seinem ersten Standort in der Antonshütte in der Nähe von Schwarzenberg. "Es ist in die Technikgeschichte als damals leistungsstärkstes Zylindergebläse des sächsischen Montanwesens eingegangen und gilt wegen seiner filigranen neogotischen Formgestaltung als eines der frühesten Beispiele für Industriedesign weltweit", erläutert der Vereinsvorsitzende, der in der Geschäftsstelle des Zweckverbands Naturpark Erzgebirge/Vogtland arbeitet.

Das Gebläse, konstruiert von Maschinendirektor Christian Friedrich Brendel und gegossen im Eisenwerk Lattermann in Morgenröthe, konnte den angeschlossenen Schmelzöfen pro Minute zeitgleich 45,5 Kubikmeter Frischluft liefern. Das Gesamtgewicht der Maschine belief sich auf 33 Tonnen. Die Leistung von 10,5 Kilowatt, gut 14 PS, kam durch ein Wasserrad zustande, für dessen Aufschlagwasser eigens der noch heute in Antonsthal erhaltene Betriebsgraben angelegt wurde.

Nach der Schließung der 1831 fertiggestellten Antonshütte wurde das "Schwarzenberg-Gebläse" an die Halsbrücker Hütte bei Freiberg umgesetzt, wo es von 1860 bis 1925 in Betrieb war. Eine Überführung ins Deutsche Museum München scheiterte aus technischen Gründen. So wurde das Gebläse 1936 auf Anregung des damaligen Rektors der Bergakademie Freiberg, Prof. Dr. Otto Fritzsche, auf der Halde der Grube "Alte Elisabeth" in Freiberg aufgestellt und später mit einem Schutzbau umhaust. "Und in dem ist es noch heute zu bewundern", so Kahl.

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