Wenig Frauen in der Kommunalpolitik

Im Mai wird wieder gewählt. Bei den Kommunalwahlen geht es um die örtlichen Vertretungen. Warum scheuen Frauen vorm Kandidieren zurück?

Schwarzenberg.

Von den aktuell 59 Städten und Gemeinden im Erzgebirgskreis werden gerade einmal sieben von einer Frau geführt. Zu den Orten gehört Schwarzenberg, wo mit OB Heidrun Hiemer seit 2001 eine Frau die Geschicke der Stadt lenkt. Im Stadtrat indes sind die Frauen, wie vielerorts in den kommunalen Gremien, unterrepräsentiert. Im Schwarzenberger Rat sitzen 6 Frauen und 20 Männer. In Grünhain-Beierfeld sind es 5 Frauen und 12 Männer plus Bürgermeister, in Raschau-Markersbach 4 Frauen und 12 Männer plus Ortschef, in Breitenbrunn auch 4 Frauen, dazu 15 Männer, Bürgermeister inklusive.

Dass so ein Ehrenamt mit Familie durchaus vereinbar ist, zeigen nebenstehende Beispiele. Grünhain-Beierfelds Bürgermeister Joachim Rudler möchte die Frauen in seinem Rat nicht missen: "Sie sind eine tolle Bereicherung und bringen oft substanziell Gutes ein." In manchen Dingen seien sie sogar viel offener und mutiger als Männer.

 


Die Linke

Sigrid Hagemann ist mit 75 Jahren wohl eine der dienstältesten Kommunalpolitikerinnen in der Region. Denn sie redet bereits seit Anfang der 1980er-Jahre in den kommunalen Gremien mit. Jetzt aber ist Schluss. "Ich werde im Mai nicht mehr antreten, aus Altersgründen", sagt die Markersbacherin, die für die Linken im Rat sitzt. Mit ihrer Meinung habe sie nie hinterm Berg gehalten, sagt sie. Auch, wenn das oft für sie unbequem gewesen sei. Sie hat immerhin drei Bürgermeister erlebt und hatte einige Jahre dieses Amt selbst inne. Politisch habe sie sich nie verbiegen lassen. Sich für die Menschen zu engagieren, das triebt sie an. So gehörte sie nach der Wende zu den Mitbegründern des Arbeitslosenverbands. "Aber es macht mir keinen Spaß mehr. Es wird einem alles so schwer gemacht. Das hat mit Gestalten nicht mehr viel zu tun", spricht sie offen auch Frust an. Was Kommunalpolitik kann, wenn man die Bürger mitmachen lässt und Ideen aufgreift, habe ihr das Beispiel der Reparatur des Freibads in Markersbach gezeigt. "Das war noch mal so eine Sache, wie ich mir Zusammenhalt vorstelle", sagt Hagemann. "Ich vermisse heute das Miteinander, den Austausch, ja auch den Streit. Denn aus dem sind oft die besten Ideen entstanden." (matu)

 


Die Christdemokratin

Corny Kanowski sitzt seit 2003 für die CDU im Stadtrat Grünhain, seit 2005 Grünhain-Beierfeld. Sie ist 42 Jahre alt und Mutter von drei Kindern (16, 12 und 4 Jahre). Daher kennt sie die Sorgen junger Eltern aus eigenem Erleben, weiß, dass es kaum große Wohnungen für Familien gibt, weiß um die Probleme mit Schülerverkehr und Kitas. "Ich bin wirklich gern im Stadtrat, denn nur so kann man etwas im eigenen Ort bewegen", sagt sie über die Wahlfunktion. Natürlich sei nicht immer alles sofort umsetzbar. Aber ihr sind die Meinung und die Sichtweise von Frauen bei Entscheidungen für die Stadt wichtig. "Wir Frauen denken anders, empathischer, emotionaler. Wir sind anders vernetzt und bringen dadurch auch ganz andere Themen zur Sprache", sagt sie. Zwar sei es ihr durch ihre Dienste und die Kinder nicht immer möglich, jede Sitzung zu besuchen. "Doch mein Mann weiß, dass mir diese Arbeit Spaß macht, er unterstützt mich. Bei uns sind zudem die Rollen nicht so konservativ verteilt. Wir respektieren gegenseitig unsere ehrenamtliche Tätigkeit und halten dem anderen da mal den Rücken frei." Für die weitere Arbeit im Rat würde sie sich viel mehr Ideen und Impulse von Bürgern aus der Stadt wünschen. Im Mai tritt sie erneut zur Wahl an. (matu)

 


Die BG-Vertreterin

Anja Schieck ist Mitglied der Bürgergemeinschaft (BG) Raschau-Markersbach, die sich 2009 gegründet hat. Zur Kommunalwahl 2014 erhielt die BG 23,1 Prozent der Stimmen, zog mit vier Vertretern in den Gemeinderat ein. Die 34-Jährige ist heute auch stellvertretende Bürgermeisterin und zweifache Mutter. Auf der Internetseite der BG steht das Motto, das sie vertritt: "Mach mit - Es ist Dein Ort!" Genau dazu würde Anja Schieck möglichst viele junge Leute ermutigen. Auf der Wahlliste, die auch die Bürgergemeinschaft derzeit zu füllen versucht, sollen die Namen möglichst vieler junger Leute stehen, sagt sie. "Der Gemeinderat muss dringend verjüngt werden", so Schieck. Dabei ist auch ihr die Sichtweise von Frauen sehr wichtig: "Das ist ja schon evolutionär bedingt. Wir Frauen haben einfach mehr Mitgefühl, können uns daher vielleicht eher in die Lage eines anderen hineinversetzen."

Dass Familie und Ehrenamt sich sehr wohl vereinbaren lassen, davon ist sie überzeugt. In der zurückliegenden Legislatur hat sie ihr zweites Kind zur Welt gebracht. "Mein Mann hat die Elternzeit genommen", sagt sie. Heute sind ihre Kinder 11 und 2 Jahre alt. Es sei alles eine Frage der Organisation. Sie stellt sich wieder zur Wahl und hofft auf viele junge Mitstreiter. (matu)

 


Die Grüne

Dunja Schulze ist 52 Jahre alt und hat einen Sohn (15). Sie sitzt seit 2014 im Stadtrat Schwarzenberg und vertritt die Bündnisgrünen. Ihr ist die Sichtweise von Frauen für die Politik im Allgemeinen, aber speziell auch für die Kommunalpolitik, sehr wichtig, betont sie. "Es ist schade, dass Frauen in der Politik heute noch immer unterrepräsentiert sind", sagt sie. Doch sie glaubt, dass dies nicht zuletzt an der selbstkritischen Betrachtung liegt. "Viele Frauen denken sicher: Kann ich das überhaupt? Werde ich dieser Verantwortung auch gerecht? Weil sie solche Aufgaben dann auch ernst nehmen und gut erfüllen wollen. Ich denke, Männer machen sich da nicht so viel Gedanken, sind wesentlich selbstbewusster." Als Grüne im Stadtrat ist Schulze eine Einzelkämpferin. Das würde sie gern ändern und ist zurzeit dabei, die Liste für die Wahl zu erstellen. Bislang stehen da schon zehn Kandidaten drauf. Was ihr missfällt, sei das Desinteresse der Bürger an Kommunalpolitik. "Man sollte doch nicht sagen, da ist schon jemand, der sich einen Kopf macht und das für uns Bürger entscheidet. Da muss man doch mitmachen, mitreden. Meinungsvielfalt ist wichtig", sagt sie. Sie will sich auch weiterhin für Naturaspekte und ein Bürgerbegegnungszentrum einsetzen. (matu)

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