Wenn der Baumversteher die Leiter anlegt

Bäume zu erhalten, auch innerhalb des Stadtgebiets, ist ein Anliegen nicht nur der Naturschützer. Darum ruft Schwarzenberg immer mal wieder Gutachter an.

Schwarzenberg.

Quercus robur, so lautet der wissenschaftliche Name der stattlichen Stiel-Eiche, die am Abzweig des Oelpfanner Weges vom Bockauer Weg in Schwarzenberg-Heide steht. Als Ralf Bortné die Leiter anlegt, um dem Baum in dreieinhalb Metern Höhe Sensoren anzulegen, geht es um die Gesundheit des Quercus robur. "Wir begutachten die Eiche im Auftrag der Stadt", erklärt der Experte von der Schlettauer Firma Baumsanierung Wagler.

Gutachter werden gerufen, wenn es Bedenken zu Zustand und Standfestigkeit von Bäumen gibt. "Zwei Mitarbeiter unseres Bauhofs sind zertifizierte Baumkontrolleure. Sie haben ein Auge für solche Probleme", sagt Sabina Weißflog, die im Rathaus das Sachgebiet Bauverwaltung leitet. "Nach Möglichkeit sollen die Bäume erhalten werden." An der etwa 120 Jahre alten, 25 Meter hohen Eiche am Bockauer Weg ist eine Astwunde mit Einmorschung und mit Pilzspuren zu sehen. Wie steht es um die Vitalität des Baumes, wie um die Verkehrssicherheit?

"Im Wundbereich gibt es Fruchtkörperreste. Die bestärken die Vermutung auf einen Befall durch den Schwefelporling. Das ist ein Braunfäuleerreger, der das Kernholz befällt", erläutert Bortné. Der Bereich mit Wasser- und Nährstofftransport ist nicht betroffen. "Darum können Belaubung und Verzweigungsstruktur in Ordnung sein, die Verkehrssicherheit aber trotzdem nicht."

Neben der akribischen optischen Rundumkontrolle wurde der Bohrwiderstand am Stammfuß gemessen. Beim Abklopfen hatte es einen Hohlklang gegeben. Die Messungen ergaben eine Höhlung im Stamm, die aber von einer stabilen Restwand umgeben ist, 19 bis 30 Zentimeter stark. Das sind bis zu 50 Prozent des Radius' in Höhe der Messstellen.

Was aber hat es mit den Sensoren auf sich? "Damit sind schalltomografische Messungen möglich. Sie geben Aufschluss über die Intensität der Holzzersetzung im Kernholz", erläutert Bortné, der Baumversteher. Im konkreten Fall gibt er Entwarnung: Die Schädigung ist von einer dicken Restwand mit guten Holzqualitäten umgeben. Der Experte zeigt aufs farbige Auswertungsbild des Tomografen: "Die Schwächungen im Stamm erkennt man an rot, orange und gelb dargestellten Bereichen. Sie sind von ausreichend dimensionierten grünen, blauen und türkisen Bereichen umgeben." Das Grün steht für noch immer stabile Holzstrukturen, Blau und Türkis entsprechen sehr festen Bereichen.

"Diese Eiche ist gegenwärtig vital genug, um das weitere Ausbreiten des Pilzes aktiv abzuschotten", fasst der Gutachter zusammen. Die Verkehrssicherheit könne mit einer Kronenpflege gewährleistet werden. Zum Stabilisieren des Zwiesels, wie die Gabelung der Haupttriebe genannt wird, empfiehlt der Experte den Einbau von Gurtbändern beziehungsweise Seilen als dynamisches System zur Kronensicherung, um starkem Wind trotzen zu können. "Liegt uns das ausführliche Gutachten vor, werden wir die vorgeschlagenen Arbeiten besprechen und verwirklichen", sagt Sabina Weißflog. Je Gutachten seien erfahrungsgemäß etwa 1200 Euro fällig. "Dafür ist in jedem Jahr Geld im Haushalt geplant. Die Stadt leistet sich das im Interesse des Erhalts von Bäumen", so die Sachgebietsleiterin. Ein weiteres Gutachten in diesem Jahr betrifft eine zirka 100 alte Esche an der Friedrich-Engels-Straße in Neuwelt. Auch da stehen die Zeichen auf Erhalt.

0Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...