Wie ein Flüchtling für seine Ausbildung kämpft

Er hatte ein Jobangebot, durfte aber nicht arbeiten. Über ein Jahr lang stritt sich ein Marokkaner mit deutschen Behörden. Nun gibt es eine Lösung.

Schwarzenberg.

Tarik Monsif galt als gut integriert, besuchte einen Deutschkurs und hatte nach einem Praktikum in einer Metzgerei sogar einen Ausbildungsvertrag in der Tasche. Und dennoch drohte dem Flüchtling aus Schwarzenberg heute vor fast einem Jahr die Abschiebung. Die Behörden hatten seinen Asylantrag abgelehnt und ihm daraufhin eine Arbeitserlaubnis verweigert. Der geplante Ausbildungsstart in einem Schneeberger Betrieb? Er platzte.

Heute, ein Jahr später, ist Monsif (33) nach Bad Schlema umgezogen und hat neue Pläne für sein Leben geschmiedet - immer noch im Erzgebirge. Denn inzwischen hat der Marokkaner eine Ausbildungsduldung in der Tasche, die ihm erlaubt, zunächst befristet in Deutschland zu bleiben. Die Fleischerei bot ihm erneut einen Ausbildungsvertrag an. "Mein Chef hat mir gesagt, wenn du bleiben willst, kannst du den Job immer noch haben", berichtet er. Als Muslim ein Schwein zerlegen? Sei kein Problem, sagt er. "Arbeit ist Arbeit, Beten ist Beten."

Lenore Lobeck aus Schwarzenberg kennt Monsif schon länger und half ihm in den vergangenen Monaten bei seinem Kampf für eine Ausbildung. "Es war ein ganzes Stück Arbeit", sagt sie. "Wir haben immer mal bei ihm angerufen und gefragt, ob er noch da ist." Dass ihm die Abschiebung drohte, sei nicht gerechtfertigt gewesen. "Die Behörden haben geschlampt, und er musste die Rechnung dafür zahlen."

Rückblick: Laut Landesdirektion Sachsen hatte Monsif nur eine Duldung, weil sein Asylantrag abgelehnt wurde. Und weil er sich nicht bei der Beschaffung eines neuen Passes engagierte, sei ihm keine Arbeitserlaubnis ausgestellt worden, hieß es. Lobeck sagt dazu: "Sein Antrag war nicht ordentlich bearbeitet worden." So habe es bis heute keine Anhörung gegeben. Mehrmals seien Briefe der Ausländerbehörde zudem an ein Heim in Aue geschickt worden, obwohl Monsif dort nicht mehr wohnte. Auch um einen Pass bei der marokkanischen Botschaft habe er sich bemüht - ohne Erfolg.

Die Wende brachte laut Lobeck, dass Monsifs Mutter vor einigen Monaten aus Marokko einen alten Pass nach Deutschland schickte. Plötzlich ging alles ganz schnell. Ein Anwalt hatte zudem bewirkt, dass er vorerst nicht abgeschoben werden konnte. Aus der Schneeberger Metzgerei heißt es, man sei froh, dass Monsif nun doch länger bleiben darf. "Wir freuen uns, dass er im zweiten Anlauf seine Ausbildung beginnen kann", sagt der Geschäftsführer. Seinen Namen will er nicht in der Zeitung lesen, denn er befürchtet, dass es immer noch Risiken geben könnte, dass die Ausbildung an den Behörden scheitert.

Die Ausbildung eines Flüchtlings bezeichnet der Metzgerei-Chef angesichts von Kultur- und Sprachbarriere als ein Wagnis. "Aber das hat man bei deutschen Bewerben auch, nur dass es da andere Probleme gibt."

Eine wichtige Rolle für die Zusage an einen Ausländer spiele, dass es an Bewerbern mangelt, sagt er. Tatsächlich gibt es laut der Arbeitsagentur Annaberg-Buchholz im Beruf Fleischer ein Überangebot an Ausbildungsstellen. Auf eine Stelle kommen nur 0,3 Bewerber. Die Gründe lägen etwa in ungünstigen Arbeitszeiten und schwierigen Arbeitsbedingungen, heißt es.

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