Wie es im Erzgebirge bei der Volkszählung läuft

Schon gehört?
Sie können sich Ihre Nachrichten jetzt auch vorlesen lassen. Klicken Sie dazu einfach auf das Play-Symbol in einem beliebigen Artikel oder fügen Sie den Beitrag über das Plus-Symbol Ihrer persönlichen Wiedergabeliste hinzu und hören Sie ihn später an.
Artikel anhören:

In ganz Deutschland wird die Bevölkerungsstatistik derzeit auf Vordermann gebracht. Dabei helfen im hiesigen Landkreis sieben Erhebungsstellen mit. Alle suchen noch Interviewer.

Erzgebirge.

Sie ist über 80 und muss sich als Wohnhaus-Eigentümerin am Zensus 2022, der großen Volkszählung, beteiligen. Nur leider funktioniere das nicht, klagte eine Frau aus Neustädtel am Lesertelefon der "Freien Presse". Die Online-Erhebung sei nach dem Ausfüllen nicht absendbar. Nun will die Frau, um keine Geldbuße zu riskieren, ein Formular anfordern, aber die Telefonhotline sei ständig überlastet. Ken Leistner, Leiter der Zensus-Erhebungsstelle Aue-Bad Schlema, nahm sich der Sache an. "Die Gebäude- und Wohnungszählung läuft zwar direkt in Regie des Statistischen Landesamtes, aber wir vermitteln in solchen Fällen natürlich", so Leistner.

Beim Zensus - landläufig Volkszählung - wird ermittelt, wie viele Menschen in Deutschland leben, wie sie wohnen und arbeiten. In Deutschland ist der Zensus 2022 eine registergestützte Bevölkerungszählung, ergänzt durch eine Stichprobe. Seit 15. Mai sind Befrager unterwegs. Kombiniert wird das mit einer Gebäude- und Wohnungszählung, die mit einem online auszufüllenden Formular erfolgt - oder mit angefordertem Papierfragebogen.

Die von Ken Leistner geleitete Erhebungsstelle ist neben dem Stadtgebiet Aue-Bad Schlema für die Städte Eibenstock, Lößnitz, Schneeberg sowie für die Gemeinden Bockau, Zschorlau, Schönheide und Stützengrün zuständig. Bei einem Bedarf von bis zu 110 Erhebungshelferinnen und -helfer sind inzwischen 56 nach Vertragsabschluss offiziell bestellt, fünf weitere zur Schulung vorgesehen. Beim Werben von Freiwilligen halfen unter anderem ein Info-Stand Mitte April im Simmel-Markt Aue, das Verteilen von Flyern und ein Beitrag im MDR-Fernsehen.

Etwa 30 der 90 benötigten Interviewer hat die Schwarzenberger Erhebungsstelle bisher gewinnen können. "Wir haben Radio, Zeitung, Regionalfernsehen und Amtsblatt zur Werbung genutzt, auch in Apotheken eine kleine Kampagne initiiert, um weitere freiwillige Helfer zu bekommen", sagt Nicole Barnitzke. Sie leitet die Erhebungsstelle, die neben Schwarzenberg noch Breitenbrunn, Johanngeorgenstadt, Lauter-Bernsbach, Raschau-Markersbach, Scheibenberg, Schlettau und Crottendorf mit Walthersdorf zu bearbeiten hat. "Wir müssen die Befragung vor Ort den Leuten schriftlich ankündigen. Allerdings kommen wir in einigen Häusern gar nicht an Briefkästen heran, müssen klingeln", erklärt Barnitzke. "Mitunter wird gar nicht geöffnet, oder es heißt, da braucht ihr nichts einzuwerfen." Hinweise auf strikten Datenschutz, gesetzliche Auskunftspflicht und mögliche Geldbußen bis 5000 Euro fruchten bei einigen kaum, weiß Barnitzke.

Den Bedarf an weiteren Interviewerinnen und Interviewern bestätigen andere Erhebungsstellen. "Wir brauchen noch Helferinnen und Helfer", sagt Heike Richter aus der Erhebungsstelle Marienberg. Auch deren Einzugsgebiet ist teilweise stark ländlich geprägt, umfasst Amtsberg, Drebach, Wolkenstein, Großolbersdorf, Großrückerswalde, Marienberg, Mildenau und Jöhstadt.

Etwa 70 Interviewer werden von der Erhebungsstelle in Annaberg-Buchholz noch gesucht, so Leiterin Astrid Buschbeck. Die Stelle deckt das Stadtgebiet, dazu Bärenstein, Ehrenfriedersdorf, Geyer, Königswalde, Oberwiesenthal, Sehmatal, Tannenberg, Thermalbad Wiesenbad sowie Thum ab. Der bisherige Rücklauf von Unterlagen stimme zuversichtlich. Die Fragebogen seien leicht verständlich und schnell zu beantworten, "sodass wir täglich Eingänge verzeichnen können". Laut den Erhebungsbeauftragten verlaufen die Befragungen überwiegend problemlos. "Viele Auskunftspflichtige sind überrascht, wie schnell das Interview vorbei ist und wie einfach es war. Auch für Terminprobleme fand sich bisher immer eine Lösung."


Zensus langfristig vorbereitet

In den Kommunen des Freistaates Sachsen wurden in Vorbereitung auf den Zensus 2022 insgesamt 48 örtliche Erhebungsstellen eingerichtet. Im Erzgebirgskreis in sieben Städten: Olbernhau, Marienberg, Annaberg-Buchholz, Schwarzenberg, Aue-Bad Schlema, Oelsnitz und Zwönitz.

Die Erhebungsstellen unterstützen das Statistische Landesamt im Rahmen der Haushaltebefragung auf Stichprobenbasis und beim Befragen an Anschriften mit Wohnheimen und Gemeinschaftsunterkünften vor Ort.

Eigenverantwortlich kümmern sich die Erhebungsstellen um Anwerbung, Betreuung, Schulung und Koordination von Interviewern, sogenannten Erhebungsbeauftragten. Zudem sind die Stellen Anlaufpunkt für Bürger, die Fragen zum Zensus klären wollen. (stl)

Das könnte Sie auch interessieren

00 Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.