Wie viele Asylbewerber sind zu retten?

Die Feuerwehr Johanngeorgenstadt kritisiert noch immer mangelhaften Brandschutz im örtlichen Flüchtlingsheim. Bei einem Einsatz am Wochenende kam es erneut zu Unstimmigkeiten.

Johanngeorgenstadt.

Feueralarm Samstagfrüh im Asylbewerberheim Johanngeorgenstadt: Nachdem ein Wachmann gegen 4 Uhr eine scheinbare Rauchentwicklung entdeckt hatte, wählte er den Notruf. Die Feuerwehr rückte an, viele Bewohner verließen das Haus, um sich in Sicherheit zu bringen. Doch es brannte nichts. "Es war eine Störung an der Heizungsanlage", sagte gestern Wehrleiter Manfred Schleichert. "Es ist nur Wasserdampf ausgetreten."

Kein Fall für die Wehr, aber Schleichert sagt, der Wachmann habe richtig reagiert. Sicher sei sicher. Über etwas, das bei dem Einsatz noch passiert ist, gibt es jedoch völlig gegensätzliche Aussagen.

Die Feuerwehr kritisiert, dass die Heimleitung nicht angeben konnte, wie viele Menschen genau sich zum Zeitpunkt des Alarms im Haus befanden. "Für uns ist das eine wichtige Information, um entscheiden zu können, ob wir Personen suchen müssen", erklärte Schleichert gestern. Sprich: Die Feuerwehr lässt die Evakuierten durchzählen. Fehlt jemand, gehen Feuerwehrleute ins Gebäude, um die Vermissten zu retten. Das war in diesem Fall nicht nötig, dennoch spricht Schleichert von einem Mangel: "Die Heimleitung hatte uns versichert, dass sie zu jeder Tages- und Nachtzeit exakte Angaben über die Belegung machen kann. Es darf nicht sein, dass das nicht gewährleistet ist."

Eine Mitarbeiterin der Heimleitung widersprach gestern dem Vorwurf der Feuerwehr. Es entspreche nicht den Tatsachen, dass man nicht gewusst habe, wie viele Menschen sich im Heim aufhielten. Auf die Frage der "Freien Presse", wer vom Personal vor Ort war, sagte sie: "Es waren alle vor Ort, die nötig waren."

Wie viele Asylbewerber derzeit insgesamt im Heim untergebracht sind, mochte sie nicht verraten: "Ich denke, das geht Sie nichts an." Als wenn die Zahl der mit Steuergeldern finanzierten Bewohner Privatsache des Betreibers wäre. Laut Landkreis sind es 59 Asylbewerber.

Praktisch seit Eröffnung des Asylbewerberheims im Dezember 2015 schwelt ein Streit zwischen der Feuerwehr und dem Betreiber Campanet über den Brandschutz in der Einrichtung. Die Feuerwehr fordert vor allem einen zweiten Rettungsweg, der Betreiber lehnt dies ab. Der Landkreis bescheinigt Campanet, sich an die Vorgaben des Brandschutzgutachtens zu halten. Anders Wehrleiter Schleichert, der nach jeder Begehung kritikwürdige Punkte nannte.

Am Freitagabend, während der Jahreshauptversammlung der Johann'städter Wehr, sprach Schleichert erneut von Problemen mit dem Brandschutz im Asylbewerberheim. "Unsere Bedenken wurden nicht mal in die Protokolle der Begehungen aufgenommen", sagte er der "Preien Presse". Kreisbrandmeister Lutz Lorenz bot ein nochmaliges Gespräch über das Thema an.

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