Wildenthaler erfinden das Fahrrad neu

Was als Schrott auf dem Wertstoffhof in Eibenstock liegt, bekommt jetzt als Lern- und Spielobjekt eine neue Funktion. Leute aus dem Ort engagieren sich für eine Idee, die viele Unterstützer braucht.

Eibenstock.

Wie ein Tandem in die Höhe gebaut: So sieht die Konstruktion aus, die am Skihang im Eibenstocker Ortsteil Wildenthal steht. Gebaut hat sie Joachim Pilz, und sie ist quasi der Startpunkt für ein Projekt, für das Wildenthaler sich den Namen Kolo-Park ausgedacht haben. "Kolo ist das tschechische Wort für Fahrrad", erklärt Hans-Jürgen Graf, Ortsvorsteher von Wildenthal und einer der Initiatoren des Projekts. "Wir wollen aus Schrottfahrrädern neu zusammengebaute Objekte zum Spielen entlang der Karlsroute aufstellen."

Jene Installation von Joachim Pilz gibt eine Vorstellung davon, was gemeint ist. Der Eibenstocker Rentner hat die beiden Räder mit einem Flansch zusammengeschweißt. Beim unteren findet sich die Kette am üblichen Platz. Eine zweite Kette führt von diesem zum oberen. Setzt man mit dem Pedal das untere in Bewegung, bewegt sich auch das Hinterrad des oberen. "Hier wird Kraftübertragung demonstriert", sagt der pensionierte Ingenieur. So stellen sich das die Wildenthaler auch für weitere Objekte vor: Spielerisch sollen physikalische Gesetze vermittelt werden, anhand von neu zusammengefügten Schrottfahrrädern. "Die bekommen wir vom Wertstoffhof in Eibenstock", sagt Graf. "Allerdings sind wir auf die Hilfe von handwerklich versierten Leuten angewiesen." Deswegen ist für die Wildenthaler zurzeit Klingelputzen angesagt. "Wir fragen Metallbaufirmen, ob sie das Installieren solcher Objekte nicht als Lehrlingsaufgaben vergeben können", erzählt Kerstin Wünsch. Die Betreiberin der Pension Rölz und des Skihangs in Wildenthal unter gleichem Namen ist beim Kolo-Park mit im Boot.

Auch Gewerbetreibende in Eibenstock und seinen Ortsteilen will man um Unterstützung bitten. Michael Unger, Klempner in Wilden-thal, ist einer davon. Als ein erster Schritt wäre auf einer etwa zehn mal zwölf Meter großen freien Fläche am Skihang ein Fahrrad-Spielplatz realisierbar. "Das abgefahrene Rad-Spielzeich" soll der Name dafür sein.

Die Interessengemeinschaft will sich um den Auf- und Abbau der Fahrrad-Konstruktionen vor Sommer und Winter sowie um die Pflege des Areals kümmern. Ähnliche Spielplätze können sich die Wildenthaler in Sosa oder Carlsfeld vorstellen - immer in Bezug zur Karlsroute beziehungsweise zum Mulderadweg.

Der Vorschlag aus Wildenthal ist schon an mehreren Stellen begrüßt worden, unter anderem von Eibenstocks Bürgermeister Uwe Staab. "Ich finde die Idee sehr innovativ, sie könnte ein Alleinstellungsmerkmal sein. So etwas gibt es noch nicht, es ist außergewöhnlich. Darüber hinaus hat das Projekt viel Potenzial, da es ja entlang der gesamten Radstrecken entwickelt werden kann. Es würde unseren Ruf als innovativer Tourismusstandort bereichern."

Christian Siegel, der aus Wildenthal stammt, dort am Auersberg ein Atelier hat und an einem Zwickauer Gymnasium sowie an der Universität Merseburg lehrt, hat gemeinsam mit Joachim Pilz an dem Prototypen für den Kolo-Park gearbeitet. "Mal sehen, wie sich das weiterentwickelt", sagt er. "Wir wollen weitere Leute aus der Region dafür begeistern." Auch die Bürgerstiftung "Zuhause am Auersberg" will das Wildenthaler Projekt unterstützen. Wie, darüber soll unter anderem bei deren nächstem Treffen am Montag beraten werden.

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...