Willkommen und Abschied in zwei Kitas

Sowohl im Lößnitzer "Knirpsenland" als auch in der Kita "Sonnenschein" in Schwarzenberg hat es einen Wechsel gegeben. Für zwei Kita-Leiterinnen geht die aktive Berufslaufbahn zu Ende. Doch für ihre Nachfolgerinnen ist der Start coronabedingt äußerst turbulent.

Schwarzenberg/Lößnitz.

Als Heidemarie Müller 1987 die Leitung der Kinderkrippe in Schwarzenberger Stadtteil Sonnenleithe übernahm, wurde ihre Nachfolgerin gerade erst geboren. Denn mit Stefanie Thomas hat nun eine 32-Jährige die Leitung im heutigen Awo-Kinderhaus "Sonnenschein" übernommen, Heidemarie Müller kann nach 32 Dienstjahren ihren Ruhestand genießen.

Auch im Lößnitzer Kinderhaus "Knirpsenland" gibt es einen Wechsel an der Spitze des Teams. Nach 24 Jahren geht Barbara Fritzsch in Rente und übergibt den Staffelstab zunächst an Stefanie Guhr. Die 36-Jährige wird Interimschefin bis Juli. "Dann kommt Jasmin Urban aus der Babypause zurück und übernimmt die Leitung der Kita", erklärt Karsten Wilhelm als Geschäftsführer der Arbeiterwohlfahrt (Awo) Erzgebirge. Beide Kindereinrichtungen laufen in Trägerschaft der Awo.

"Wir waren eine der ersten Kitas in freier Trägerschaft", erinnert sich Heidemarie Müller an die Zeit nach der Wende. 1992 übernahm die Awo das Kinderhaus, und sie selbst die Leitung des gesamten Hauses, das damals von 270 Kindern besucht wurde. Doch schon wenige Jahre später wurde der "Geburtenknick" der Wendezeit spürbar. "Im Jahr 2000 hatten wir nur noch 98 Kinder", so Müller. Für sie sei diese Zeit besonders "schlimm" gewesen. Etliche Kündigungen habe sie aussprechen müssen, und dies an junge, engagierte und hoch motivierte Kolleginnen. "Das war hart", betont sie. Erst nach der Sanierung des Hauses in den Jahren 2003/04 habe sich die Kinderzahl allmählich erholt und stabilisiert. "Da sind wir mit 135 Kindern gestartet und sind heute wieder bei um die 210 in Krippe, Kindergarten und Hort", so Müller.

An turbulente Jahre Mitte der 1990er erinnert sich auch Barbara Fritzsch. Seit 24 Jahren leitet sie das "Knirpsenland" in Lößnitz, das derzeit 275 Steppkes von Baby- bis zum Grundschulalter besuchen. "Wir haben uns eine eigene Struktur gesucht und bieten heute viele Fördermöglichkeiten und Integrationsangebote für die Kinder", erklärt sie. Dabei geht es um Sprachförderung, Leben- und Lernerschwernisse sowie gezielte Integration von Kindern mit Migrationshintergrund. "Zurzeit haben wir acht dieser Kinder im Haus, doch nicht alle sprechen unsere Sprache. Das gegenseitige Verstehen ist aber wichtig. Hier helfen uns die Mitglieder des Vereins Help", sagt Daniela Guhr.

Das pädagogische Konzept in beiden Einrichtungen ist ähnlich. "Wir arbeiten schon immer mit einer festen Gruppenstruktur, das ist auch jetzt in Zeiten von Corona hilfreich", so Müller. "Damit sind wir immer gut gefahren", bestätigt auch Barbara Fritzsch. Dennoch konnten und können (nach Aufhebung aller pandemiebedingten Beschränkungen) sich die Kinder zu bestimmten Zeiten in den Häusern frei bewegen, verschiedene Spielangebote wahrnehmen. Und sie verweist auf das Eltern-Kind-Zentrum, das am Haus angeboten wird, und in dem die Sorgen von allen Seiten auf den Tisch gepackt und gemeinsam geklärt werden. Die Elternarbeit habe in den zurückliegenden Jahren an Bedeutung gewonnen. "Viele Eltern brauchen Hilfe. Allein schon, was das Ausfüllen von Anträgen angeht", so Müller. Und somit sind Kita-Chefinnen nicht nur Einrichtungsleiterin, Ausbildungsberater und Teamchefs, sondern meist auch Seelsorger und Berater für Eltern. Manchmal aber auch der "Blitzableiter".

Die Arbeiterwohlfahrt als soliden und zuverlässigen Arbeitgeber heben beide scheidenden Kolleginnen hervor. "Unser Träger hat uns immer den Rücken gestärkt, wirklich jede gute Idee mit getragen und für alle gesorgt", so Müller. "Es war aber für uns als Träger bei vielen Entscheidungen stets hilfreich, auf die Berufserfahrung der langjährigen Erzieherinnen zurückgreifen zu können", so Karsten Wilhelm.

Derzeit ist jeder Tag in den Kitas anders. Vieles ändert sich von heute auf morgen. Seit 18. Mai laufen die Kitas im eingeschränkten Regelbetrieb. Eltern müssen derzeit ihren Steppkes bereits an der Tür Tschüss sagen. "Ich denke aber, wir werden alsbald sehr selbstständige Kinder haben, die stolz darauf sind, viele Dinge schon allein zu machen", sieht Stefanie Thomas einen durchaus positiven Effekt.

"Jede Zeit hat ihre ganz eigenen Höhepunkte und Herausforderungen. Das wird es immer geben, aber es wird ihnen gelingen. Sie werden es meistern", ist sich Barbara Fritzsch sicher, was die Zukunft der Nachfolgerinnen angeht. Noch ist sie stundenweise im "Knirpsenland" und assistiert bei der Einarbeitung. Doch das mit dem Loslassen hatten ja beide Frauen ein Leben lang vor Augen, darin sind sie Profis.


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