Winziger Biomonitor überwacht jetzt das Herz

Es scheint mitunter unglaublich, was moderne Medizintechnik heute möglich macht. Und doch gibt der menschliche Organismus den Ärzten immer wieder Rätsel auf.

Pöhla.

Für Mike Nötzold ist 2019 ein Schicksalsjahr. Denn es begann für den 53-Jährigen mit zwei Schlaganfällen, die er Mitte Februar erlitt. Damit war für den damals selbstständigen Fleischermeister aus Pöhla das Ende seiner Firma besiegelt.

"Die Ärzte haben mir danach gleich gesagt, dass ich nie wieder so schwere körperliche Arbeit machen kann", sagt er. Die kleine Fleischerei im Ortskern von Pöhla ist seither zu. "Es war uns gleich klar, dass er seinen Beruf nicht mehr ausüben kann", ergänzt seine Ehefrau Grit. Sie betont aber auch: "Nach den ersten beiden Schlaganfällen, die beinahe zeitgleich waren, hatte er sich eigentlich wieder sehr gut erholt."


Doch am 18. Juni ereilte ihn erneut ein Schlaganfall. Seither habe er Sprachprobleme, wenngleich er sich gut verständlich machen kann. Es dauert eben nur etwas länger, bis er die Worte formt. Während die Ärzte für die ersten beiden Schlaganfälle den Bluthochdruck bei Mike Nötzold als mögliche Ursache vermuten, sei der Grund für den dritten Schlaganfall derzeit völlig unklar. Das bestätigt Dr. Jiri Bosák, sein behandelnder Kardiologe aus den Kliniken Erlabrunn. Deshalb wurde dem Mann aus Pöhla nun ein Herzmonitor der neuesten Generation unter die Haut gespritzt. Ein sogenannter Biomonitor III.

Dieses Gerät ermöglicht eine wesentlich präzisere Überwachung der Herzaktivität als dessen Vorgängermodelle. Auftretende Herzrhythmusstörungen werden zeitnah an den Arzt übermittelt. Mit Hilfe einer App können die Patienten mögliche Symptome zudem über ein Smartphone dem Arzt mitteilen und so die Behandlung aktiv unterstützen. Das Gerät liefert hochauflösende EKG-Signale. "Neben der sicheren Arrhythmie-Erkennung war auch die Möglichkeit der telemedizinischen Betreuung äußerst wichtig. Erst hierdurch kann es uns gelingen, die Herzaktivität der Patienten kontinuierlich im Blick zu behalten und seltene Herzrhythmusstörungen aufzuspüren, um schnell zu reagieren und weitere Schlaganfälle zu verhindern", erklärt Bosák. Der Arzt erhält täglich die Daten und ruft sofort an, wenn es kritisch wird.Bis zu vier Jahre kann das Gerät aufzeichnen.

Unter örtlicher Betäubung war der winzige Monitor injiziert worden. "Wie wenn man Fleisch spickt", bemüht Mike Nötzold einen Vergleich aus seiner Branche. Seinen Humor hat er trotz allem nicht verloren. Allerdings scheint auch ihm die Sache mit dem Mini-Monitor und dem Handy daneben noch nicht ganz geheuer. "Wenn mal was ist, kann es sein, dass plötzlich der Rettungswagen vor der Tür steht", erklärt seine Frau Grit. Selbst wenn diese Vorstellung für die beiden noch nicht ganz fassbar ist, so stelle das kleine Ding unter seiner Haut dennoch eine gewisse Sicherheit dar, nicht erneut von so einem Ereignis überrascht zu werden.

Es gibt durchaus einen Zusammenhang zwischen Vorhofflimmern und einem Schlaganfall. Obwohl Herzrhythmusstörungen, von denen deutschlandweit übrigens gut 1,8 Millionen Menschen betroffen sind, nicht unmittelbar lebensbedrohlich sind, können sie schwere Komplikationen verursachen - wie eben Schlaganfälle.

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